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Land Tyskland
Sprog DE-DE
Episoder 197
Seneste 18.08.2026

Ein Podcast zu medizinischen Themen für junge Ärzte und Studierende. Er behandelt die Grundlagen sowie praktische Tipps für den täglichen Dienst in Klinik oder Praxis. Zielgruppe sind vor allem Medizinstudierende und Berufseinsteiger im medizinischen Bereich. Der Podcast soll Wissen verständlich und praxisnah vermitteln.

Episoder

  • Legionellose 18.08.2026 19min
    🦠 Erreger & ÜbertragungLegionellose wird meist durch Legionella pneumophila verursacht, ein gramnegatives, obligat aerobes, fakultativ intrazelluläres Stäbchenbakterium.Wichtige Punkte:• „Nasskeim“: Vermehrung v. a. in Warm- und Kondenswasser• Typische Quellen: Duschen, Hotels, Krankenhäuser, Pflegeheime, Klimaanlagen, Kühlwerke, Whirlpools• Wachstum besonders bei 20 bis 50 Grad Celsius• Abtötung typischerweise bei 60 bis 70 Grad Celsius• Übertragung durch Inhalation kontaminierter Aerosole, nicht typischerweise durch Trinken• Keine relevante Mensch-zu-Mensch-Übertragung → in der Regel keine spezielle Isolierung nötig👥 RisikogruppenBesonders gefährdet:• ältere Menschen• Raucherinnen und Raucher• chronisch Kranke• immunsupprimierte Patientinnen und Patienten🌡️ Klinische FormenPontiac-Fieber• leichte Verlaufsform ohne Pneumonie• Inkubationszeit meist 1 bis 3 Tage• grippeähnlich mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Abgeschlagenheit• oft klinisch kaum von viralem Infekt zu unterscheidenLegionärskrankheit• schwere Form mit atypischer Pneumonie• Inkubationszeit meist 2 bis 10 Tage• häufig: Fieber, reduzierter Allgemeinzustand, trockener Husten• wichtige extrapulmonale Hinweise: Diarrhö, Hyponatriämie, Verwirrtheit• Hyponatriämie oft im Rahmen eines SIADH🔎 Wann an Legionellen denken?Besonders bei:• atypischer Pneumonie• trockenem Husten und hohem Fieber• Diarrhö und/oder Hyponatriämie• älteren oder immunsupprimierten Patientinnen und Patienten• Exposition zu Wasseranlagen, Hotelaufenthalt, Pflegeeinrichtung, Krankenhaus🧪 DiagnostikIm Alltag zentral:• Legionellen-Antigen im Urin: schnell, praktisch, früh anfordern• PCR aus Sputum: direkter Erregernachweis• Kultur aus Sputum: Ergebnis meist nach 4 bis 7 Tagen, wichtig für Sicherung und Epidemiologie• Serologie: für die Akutsituation meist wenig hilfreichPraxis-Tipp:• wenn möglich Proben vor Antibiotikagabe abnehmen• Therapie bei relevantem Verdacht dennoch nicht verzögern💊 TherapieJede Legionellen-Pneumonie sollte früh antibiotisch behandelt werden.Erste Wahl:• Levofloxacin 500 Milligramm 1-mal täglich• bei schweren Verläufen teils 500 Milligramm 2-mal täglich• Nierenfunktion beachten, ggf. Dosisanpassung• oft initial intravenös, später oralAlternativen:• Clarithromycin 500 Milligramm 2-mal täglich• auch Azithromycin ist möglichTherapiedauer:• meist 5 bis 10 Tage• bei Immunsuppression bis zu 21 TageWichtige Nebenwirkungs- und Interaktionspunkte:• Levofloxacin: QT-Zeit-Verlängerung, Tendinopathien, ZNS-Nebenwirkungen• Clarithromycin: QT-Zeit-Verlängerung, relevante ArzneimittelinteraktionenMerksatz:• Bei atypischer Pneumonie Legionellen immer mit abdecken.🏥 Supportive TherapieJe nach Schweregrad:• Sauerstoff bei Hypoxämie• Flüssigkeitstherapie mit Bedacht• Kreislaufstabilisierung• Fiebersenkung• intensivmedizinische Überwachung bei schwerem Verlauf• Hyponatriämie klinisch ernst nehmen🚿 Prävention & HygieneBei kontaminierten Wasserstellen:• Nutzung sofort stoppen• nur Wasser ohne erhöhte Legionellenkonzentration verwenden• thermische oder chemische Desinfektion• thermische Desinfektion: gesamtes Leitungssystem für mindestens 3 Minuten auf mehr als 71 Grad Celsius• endständige Filter in Risikobereichen möglich📋 Meldepflicht• Erregernachweis ist namentlich meldepflichtig• bei Verdacht oder Nachweis früh Hygieneteam und ggf. Gesundheitsamt einbeziehen🧠 Take-home-MessageLegionellen mitdenken bei:Wasserexposition + atypischer Pneumonie + trockenem Husten + Diarrhö + HyponatriämieKurzformel:Wasser – Aerosol – atypische Pneumonie – Diarrhö – Hyponatriämie – Urin-Antigen – Levofloxacin
  • Ambulant erworbene Pneumonie (CAP) 17.08.2026 33min
    📌 Definition und AbgrenzungCAP = Infektion des Lungenparenchyms, außerhalb des Krankenhauses erworben, auch in Pflegeeinrichtungen möglich.Wichtige Abgrenzung:• nosokomiale Pneumonie• Pneumonie bei schwerer ImmunsuppressionDiese Unterscheidung beeinflusst Erregerspektrum und kalkulierte Therapie entscheidend.🦠 Erreger und PathophysiologieHäufigster Mechanismus: Mikroaspiration in die tiefen Atemwege.Typische Erreger:• Streptococcus pneumoniae• Haemophilus influenzae• Staphylococcus aureus• Enterobakterien• atypische Erreger: Mycoplasma, Chlamydophila, Legionellen, Coxiella• respiratorische Viren: Influenza, RSV u. a.👥 RisikofaktorenBesonders gefährdet:• ältere Menschen• multimorbide oder funktionell eingeschränkte Personen• Menschen mit geschwächten pulmonalen SchutzmechanismenWichtige Risikofaktoren:• Rauchen, Alkohol, Mangelernährung• schlechte Mundhygiene• COPD, Asthma, zystische Fibrose• Herz-, Nieren-, Lebererkrankungen, Diabetes• neurologische Erkrankungen, Dysphagie, Bewusstseinsstörungen• PPI, Antipsychotika, Glukokortikoide• unzureichender Impfschutz⚠️ Multiresistente ErregerBei klassischer CAP insgesamt selten.Risikofaktoren:• kürzlicher Krankenhausaufenthalt• Dialyse• Pflegeheim• kürzliche Antibiotikatherapie• chronische Lungenerkrankung• Immunsuppression• bekannte Besiedlung/Infektion mit MREWichtig: nicht reflexhaft zu breit therapieren – Antibiotic Stewardship beachten.🩺 Klinik und DiagnostikTypische Symptome:• Husten• Fieber• Dyspnoe• Thoraxschmerz• Allgemeinsymptome, Schwäche, VerwirrtheitBei älteren Menschen oft atypisch:• Delir, Sturz, reduzierte Nahrungsaufnahme, LeistungsabfallDiagnosesicherung:Klinik plus neues Infiltrat in der Thoraxbildgebung, meist Röntgen-Thorax.Differenzialdiagnosen:• kardiales Lungenödem• Lungenembolie• interstitielle Lungenerkrankung• Malignom• alveoläre Hämorrhagie• Atelektase🧪 Basis- und ErregerdiagnostikBei stationären/schweren Verläufen:• Blutbild, CRP, PCT• Elektrolyte, Nieren- und Leberwerte• BGA bei respiratorischer Beeinträchtigung• Lactat bei Sepsisverdacht⏱️ Antibiotika nicht unnötig verzögern:• stationär möglichst innerhalb von 8 Stunden• bei Sepsis/septischem Schock innerhalb von 1 Stunde📊 SchweregradeinschätzungCRB-65:• C: Confusion• R: Atemfrequenz ≥ 30/min• B: RR systolisch < 90 oder diastolisch ≤ 60 mmHg• 65: Alter ≥ 65 JahreAber: Score ersetzt nie den klinischen Gesamteindruck.Auch Hypoxämie, Pleuraerguss, instabile Komorbiditäten oder soziale Faktoren können stationäre Aufnahme erfordern.💊 TherapieGrundprinzipien:• frühzeitige empirische Antibiotikatherapie• später Deeskalation nach Erregernachweis• früh an Oralisierung denkenTypische Dauer:• leichte/mittelschwere CAP: meist 5 Tage• schwere CAP: meist 7 Tage• immer mindestens 2 Tage über klinische Stabilisierung hinausLeichte CAP:• Amoxicillin als LeitsubstanzAlternativen je nach Situation:• Doxycyclin• Clarithromycin• AzithromycinMittelschwere CAP:• Ampicillin/Sulbactam i.v.• Amoxicillin/Clavulansäure i.v.• Cefuroxim, Ceftriaxon, Cefotaxim• ggf. Makrolid bei Verdacht auf atypische ErregerSchwere CAP:• z. B. Piperacillin/Tazobactam + Makrolid• oder Ceftriaxon + Makrolid🫁 Supportive MaßnahmenWesentlich sind auch:• Sauerstofftherapie• Flüssigkeit mit Augenmaß• Sepsistherapie nach Standard• Antipyrese, Analgesie• Thromboseprophylaxe• frühe Mobilisation• Atemtherapie• adäquate ErnährungBei fehlender Besserung prüfen:• stimmt die Diagnose?• richtige Substanz, Dosis, Applikation?• Pleuraerguss/Empyem?• neuer Erreger?• unerkannte Immunsuppression?• nicht-infektiöse Mimics?🎯 Take-home-Messages• CAP = Klinik plus neues Infiltrat• CRB-65 hilft, ersetzt aber nicht die klinische Beurteilung• die ersten 72 Stunden sind entscheidend• Antibiotikatherapie früh starten• Therapiedauer meist 5 bzw. 7 Tage• bei Nichtansprechen zuerst Diagnose und Komplikationen hinterfragen
  • Pneumonie 16.08.2026 37min
    📌 Kernaussagen• Pneumonie = akute Infektion des Lungenparenchyms• Diagnose gesichert erst durch neues Infiltrat in der Bildgebung• Zentrale Einteilung: CAP, HAP oder Pneumonie bei schwerer Immunsuppression• Gerade ältere Menschen zeigen oft atypische Symptome• Frühe Schweregradeinschätzung und rascher Therapiebeginn sind entscheidend🧭 Klinische Einteilung• CAP: ambulant erworben bei immunkompetenten Personen• HAP: im Krankenhaus erworben• Immunsuppression: breiter denken, auch opportunistische Erreger wie Pilze, Pneumocystis jirovecii, CMV oder MykobakterienWarum wichtig?Diese Einteilung bestimmt Erregerspektrum und kalkulierte antimikrobielle Therapie.🦠 Ursachen und RisikofaktorenHäufige Erreger:• Bakterien• VirenSeltener:• Pilze• ParasitenWichtige Risikofaktoren:• hohes Alter• Multimorbidität• COPD, Rauchen• Dysphagie, neurologische Erkrankungen• Sedierung, Aspiration• Immunsuppression😷 KlinikTypische Symptome:• Husten, oft mit Auswurf• Dyspnoe• Fieber• pleuritische Thoraxschmerzen• AbgeschlagenheitBei älteren Menschen oft unspezifisch:• Delir• Sturz• Schwäche• Appetitlosigkeit• funktioneller Abbau• DiarrhöMerke: Tachypnoe ist ein wichtiges Frühzeichen, besonders im hohen Alter.🔎 DiagnostikKlinischer Verdacht:• Anamnese + Untersuchung• konsequente Vitalparameter: RR, HF, AF, Temperatur, SpO₂, mentaler StatusDiagnosesicherung:• Röntgen-Thorax als Standard• Sonografie hilfreich bei Pleuraerguss, Empyem, Verlauf• CT nur bei unklarem Befund, Komplikationen oder wichtiger DifferenzialdiagnoseWichtig:Radiologische Muster helfen, beweisen aber keinen Erreger.🧪 Mikrobiologie und LaborGezielt statt routinemäßig breit:• Blutkulturen vor Antibiotikagabe, wenn möglich• Sputum/respiratorische Proben für Gramfärbung, Kultur, Antibiogramm• PCR auf virale oder schwer anzüchtbare Erreger• Urin-Antigentests z. B. Legionellen, PneumokokkenBasislabor:• Blutbild• CRP• Nierenwerte, Elektrolyte• ggf. Leberwerte, Laktat• Blutgasanalyse bei Dyspnoe, Hypoxämie, schwerem Verlauf⚠️ DifferenzialdiagnosenImmer mitdenken:• kardiales Lungenödem• COPD-Exazerbation• Lungenembolie• interstitielle Lungenerkrankung• Lungenkarzinom💊 TherapieGrundprinzipien:• früh Schweregrad einschätzen• kalkulierte antimikrobielle Therapie starten• nach Erregernachweis fokussieren/deeskalieren• bei Sepsis oder Schock keine unnötige VerzögerungSupportive Maßnahmen:• Sauerstoff bei Hypoxämie• Flüssigkeit mit Augenmaß• Analgesie/Antipyrese• Frühmobilisierung• ggf. NIV, High-Flow oder invasive Beatmung• Thromboseprophylaxe bei stationären immobilen Patient:innen⏱ VerlaufskontrolleRe-Evaluation nach 48–72 Stunden:• Besserung von Dyspnoe, Sauerstoffbedarf, Fieber?• Kreislauf stabil?• Labortrend passend?Wenn kein Ansprechen:• Diagnose prüfen• Resistenz/falscher Erreger?• Pleuraerguss, Empyem, Abszess?• Obstruktion, Tumor, Embolie, Ödem als Alternative?🚨 Komplikationen• respiratorische Insuffizienz• Sepsis, septischer Schock• Pleuraerguss, Pleuraempyem• Lungenabszess• ARDS• Delir, Nierenversagen, kardiale Komplikationen🛡 Prävention• Impfungen: Pneumokokken, Influenza, RSV je nach Zielgruppe• Rauchstopp• gute Mundhygiene• Dysphagie erkennen und behandeln• Aspirationsprophylaxe• Medikamente regelmäßig kritisch prüfen🧠 Merkschema für den Alltag1. Ist es wirklich eine Pneumonie?2. Wie krank ist der Mensch vor mir?3. CAP, HAP oder Immunsuppression?4. Welche Proben brauche ich jetzt?5. Welche kalkulierte Therapie passt?6. Wann prüfe ich das Ansprechen?
  • SARS-CoV-2 & COVID-19 15.08.2026 35min
    🌍 BasicsCOVID-19 = ErkrankungSARS-CoV-2 = Erreger- Behülltes RNA-Virus aus der Familie der Coronaviren- Gegen Standardhygiene und Händedesinfektion gut empfindlich- Relevanz weiter hoch, v. a. für vulnerable Gruppen⚠️ Wer ist besonders gefährdet?Erhöhtes Risiko für schwere Verläufe bei:- höherem Alter, besonders ab etwa 60 Jahren- Immunsuppression, Organtransplantation- aktiver Chemotherapie- multiplen Komorbiditäten- chronischen Herz-, Lungen-, Leber- oder Nierenerkrankungen- Adipositas, Diabetes mellitus💨 Übertragung und InfektiositätHauptübertragung über respiratorische Partikel:- Tröpfchen- AerosoleBesonders riskant:- Intubation- NIV- Bronchoskopie- Absaugen der AtemwegeWichtig:- Ansteckung schon vor Symptombeginn möglich- höchste Infektiosität meist 1–2 Tage um Symptombeginn- bei Immunsuppression oder schwerem Verlauf länger infektiös🧬 Pathophysiologie- Spike-Protein bindet an ACE2, Eintritt u. a. über TMPRSS2- Frühphase: virale Replikation → antivirale Therapie relevant- Spätphase bei schweren Verläufen: Hyperinflammation, endotheliale Dysfunktion, Gerinnungsaktivierung → immunmodulatorische Therapie relevantMerksatz:Früh antiviral, später antiinflammatorisch/immunmodulatorisch.🩺 KlinikHäufige Symptome:- Fieber- Husten, Schnupfen, Halsschmerzen- Kopf- und Gliederschmerzen- Fatigue- Anosmie/Dysgeusie- Dyspnoe- gastrointestinale BeschwerdenWarnzeichen für schweren Verlauf:- Atemfrequenz > 25–30/min- SpO2 < 92 % unter Raumluft- neu aufgetretene Luftnot- Hypotonie- Vigilanzminderung- rasche VerschlechterungPraxispunkt:Früh Pulsoxymetrie durchführen – auch bei zunächst unauffälligem Eindruck.🔬 DiagnostikGoldstandard:- PCR für AkutdiagnostikAntigentest:- schnell verfügbar- aber weniger sensitivWichtige Fallstricke:- negativer Antigentest schließt Infektion nicht sicher aus- negativer Rachenabstrich schließt bei Pneumonie/ARDS COVID-19 nicht aus- bei spätem Verlauf ggf. Material aus den unteren Atemwegen untersuchenZusätzlich bei schwerem Verlauf:- Blutbild, CRP, Nieren- und Leberwerte- Gerinnung, D-Dimere- Blutgasanalyse- ggf. Troponin- Bildgebung: Röntgen, CT, Lungensonografie💊 TherapieFrühe Phase, Hochrisikopatienten:- Nirmatrelvir/Ritonavir (Paxlovid)- Alternative: RemdesivirGanz wichtig:Ohne Interaktionscheck kein Paxlovid.Ritonavir verursacht zahlreiche relevante Arzneimittelinteraktionen.Milder Verlauf ohne Risikofaktoren:- symptomatische Therapie- keine routinemäßigen Antibiotika- keine systemischen Glukokortikoide ohne HypoxämieBei Sauerstoffbedarf:- Dexamethason 6 mg 1x täglich für bis zu 10 TageBei schwerem inflammatorischem Verlauf:- zusätzlich Tocilizumab erwägenWeitere Bausteine:- Sauerstofftherapie, High-Flow, NIV, ggf. Intubation- Bauchlagerung auch bei wachen Patientinnen und Patienten sinnvoll- stationär Thromboseprophylaxe mitdenken🧑‍🤝‍🧑 Besondere GruppenBesondere Aufmerksamkeit bei:- Schwangeren- immunsupprimierten Patientinnen und Patienten- transplantierten Personen- Kindern und jungen Erwachsenen trotz meist milderer Verläufe🛡️ PräventionWichtigste Präventionsmaßnahme:- Impfung schützt v. a. vor schwerem Verlauf, Hospitalisierung und TodZusätzlich relevant:- Masken- Lüftung- Händedesinfektion- Isolationsmaßnahmen im klinischen Setting🧠 Long-COVID / Post-COVIDMögliche Beschwerden über Wochen bis Monate:- Fatigue- Belastungsintoleranz- Dyspnoe- Husten- Konzentrationsstörungen- Schlafstörungen- Thoraxschmerz- Palpitationen- Geruchs-/Geschmacksstörungen- psychische SymptomePraxis:- ernst nehmen- organische Differenzialdiagnosen aktiv ausschließen- symptomorientierte, interdisziplinäre Nachsorge✅ 5 Take-home-Points- Früh Sauerstoffsättigung messen- Risikopatienten sofort erkennen- Antivirale Therapie früh prüfen- Dexamethason nur bei Sauerstoffbedarf- Long-COVID mitdenken und Beschwerden ernst nehmen
  • Influenz im Klinik- und Praxisalltag 14.08.2026 27min
    📌 Warum relevant?Influenza ist keine „Erkältung“, sondern eine potenziell schwere systemische Viruserkrankung. Entscheidend sind:- frühes Erkennen- Komplikationen rechtzeitig erfassen- antivirale Therapie nicht verpassen🔍 Influenza vs. grippaler InfektTypisch für Influenza:- plötzlicher Beginn innerhalb weniger Stunden- hohes Fieber, Schüttelfrost- starkes Krankheitsgefühl- Kopf- und Gliederschmerzen- trockener Husten, HalsschmerzenMerke: „Morgens noch fit, nachmittags komplett krank“ spricht in der Saison stark für Influenza.🧬 Erreger und Virologie- Meist Influenza A, außerdem Influenza B- Influenza A verursacht die meisten Epidemien- Orthomyxoviren = segmentierte RNA-Viren- Subtypen bei Influenza A nach Hämagglutinin (H) und Neuraminidase (N), z. B. H1N1, H3N2🌍 Epidemiologie und Übertragung- Saison in Mitteleuropa meist Oktober bis März/April- Übertragung v. a. durch Tröpfchen, zusätzlich Schmierinfektion- infektiös ab ca. 24 Stunden vor Symptombeginn bis 4–5 Tage danach- Kinder sind wichtige Überträger🫁 Pathophysiologie- Virus befällt das respiratorische Flimmerepithel- Schädigung der mukoziliären Clearance- starke Immunantwort mit systemischer Symptomatik- bakterielle Superinfektionen werden begünstigt🤒 Klinik- Inkubationszeit: wenige Stunden bis 2 Tage- Krankheitsdauer meist 5–7 Tage- Erschöpfung oft länger anhaltendTypische Symptome:- abruptes hohes Fieber- Myalgien, Cephalgien- trockener Husten- massives Krankheitsgefühl- teils Schweißausbrüche, selten GI-Symptome🧪 DiagnostikKlinik in der Saison oft richtungsweisend.Erregernachweis besonders sinnvoll bei:- schweren Verläufen- Risikopatienten- stationärer Aufnahme- Ausbruchssituationen- therapeutischer KonsequenzGoldstandard:- Influenza-RT-PCR aus Nasen- oder Rachenabstrich- Nasenabstrich meist sensitiverSchnelltests:- hohe Spezifität- geringere Sensitivität- negativer Test schließt Influenza nicht sicher aus🩸 LaborhinweisBei unkomplizierter Influenza oft:- Leukozyten normal- CRP nur leicht erhöht oder normalAlarmzeichen für bakterielle Superinfektion:- deutlich erhöhte Entzündungswerte- produktiver Husten- eitriges Sputum- erneuter Fieberanstieg nach kurzer Besserung💊 TherapieUnkomplizierte Verläufe:- Flüssigkeit- Schonung- Antipyrese/Analgesie- ggf. Antitussivum bei trockenem ReizhustenAntiviral:- Neuraminidasehemmer: Oseltamivir, Zanamivir- wirksam gegen Influenza A und B- idealer Beginn innerhalb von 48 StundenOseltamivir:- Standard bei Erwachsenen: 75 mg 2× täglich für 5 Tage- Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz- häufig Übelkeit/ErbrechenZanamivir:- inhalativ- Vorsicht bei Asthma/COPD wegen Bronchospasmusrisiko🏥 Schwere Verläufe und KomplikationenMögliche Komplikationen:- primäre Influenza-Pneumonie- sekundäre bakterielle Pneumonie- Exazerbation von Asthma/COPD- Myokarditis, Enzephalitis, Myositis/Rhabdomyolyse- Otitis bei KindernTypische bakterielle Erreger:- Pneumokokken- Staphylococcus aureus- Haemophilus influenzae🛡️ Hygiene und IsolationStationär:- Isolation meist 7 Tage ab Symptombeginn- Händedesinfektion essenziell- Schutzkittel, Handschuhe, Mund-Nasen-Schutz, ggf. Schutzbrille💉 PräventionWichtigste Maßnahme:- jährliche Impfung im HerbstBesonders empfohlen für:- Menschen > 60 Jahre- Schwangere- chronisch Kranke- Immunsupprimierte- Bewohner von Pflegeeinrichtungen- medizinisches PersonalZusätzlich möglich:- antivirale Prophylaxe, z. B. Oseltamivir 75 mg 1× täglich nach Exposition🧠 Take-home-Messages- Influenza beginnt abrupt und macht oft ein ausgeprägt schweres Krankheitsgefühl.- Normale oder nur leicht erhöhte Entzündungswerte passen gut zu unkomplizierter Influenza.- Hohe Entzündungswerte oder eitriges Sputum sprechen eher für Superinfektion.- Antivirale Therapie: früh beginnen, ideal < 48 Stunden.- Impfung bleibt die wichtigste Präventionsmaßnahme.
  • Akute Bronchitis 13.08.2026 23min
    📌 Definition und BedeutungAkute Bronchitis ist eine akute Infektion der unteren Atemwege, vor allem der mittleren und größeren Bronchien. In der Regel ist sie viral bedingt, selbstlimitierend und benötigt bei unkompliziertem Verlauf kein Antibiotikum.🦠 ErregerMeist viral, besonders häufig Rhinoviren.Seltener bakteriell, zum Beispiel:• Mycoplasma pneumoniae• Chlamydia pneumoniae• Bordetella pertussis🤧 Typische KlinikLeitsymptom ist Husten:• zunächst oft trocken• später häufig produktiv mit zähem, eher spärlichem AuswurfBegleitend oft:• Schnupfen, Halsschmerzen• Kopf- und Gliederschmerzen• leichtes Fieber• retrosternale oder hustenassoziierte ThoraxschmerzenBei Bronchialobstruktion zusätzlich:• exspiratorisches Giemen• Pfeifen• verlängerte Exspiration• Brustenge🩺 DiagnoseDie Diagnose ist meist klinisch durch Anamnese und körperliche Untersuchung.Typische Auskultation:• verschärftes Atemgeräusch• seitengleiche grob- bis mittelblasige RasselgeräuscheDas spricht eher gegen eine unkomplizierte Bronchitis und eher für Pneumonie:• einseitig lokalisierte Befunde• feinblasige Rasselgeräusche basal• fokale Klopfschalldämpfung• bronchiales Atmen🚩 Wann weiter abklären?Weiterführende Diagnostik bei:• Dyspnoe• Zyanose• hohem Fieber• reduziertem Allgemeinzustand• persistierender oder progredienter Symptomatik• höherem Alter, Gebrechlichkeit, Immunsuppression• relevanten Vorerkrankungen wie COPD, Asthma, HerzinsuffizienzSinnvoll je nach Situation:• Pulsoxymetrie• Blutgasanalyse• Labor• Röntgen-Thorax• PCR oder Abstrich bei Pertussis-, Influenza- oder COVID-Verdacht mit Konsequenz🔍 Wichtige Differenzialdiagnosen• Bronchopneumonie• COPD-Exazerbation• Asthma-Exazerbation• PertussisPertussis mitdenken bei:• lang anhaltendem Husten• stakkatoartigen Hustenattacken• inspiratorischem Ziehen• Erbrechen nach Hustenanfällen💊 TherapieIm Vordergrund steht die symptomatische Behandlung:• ausreichend trinken• körperliche Schonung• bei Bedarf Paracetamol oder Ibuprofen• kurzfristig abschwellendes Nasenspray bei verlegter NasenatmungSalbutamol nur bei tatsächlicher Bronchialobstruktion, nicht routinemäßig.Antitussiva nur zurückhaltend:• wenn überhaupt, nur nachts• nur bei quälendem trockenem ReizhustenMukolytika und Expektoranzien sind nicht Standard bei unkomplizierter akuter Bronchitis.🚫 AntibiotikaKernaussage: Keine Antibiotika bei unkomplizierter akuter Bronchitis.Antibiotika nur bei:• dringendem Verdacht auf bakterielle Genese• bakterieller Sekundärinfektion• Pertussisverdacht oder -nachweisWenn Antibiotika erwogen werden, immer prüfen:Ist es wirklich noch Bronchitis oder eher schon Pneumonie?📣 Patientengespräch und VerlaufWichtig für die Aufklärung:• Der Allgemeinzustand bessert sich oft nach zwei bis fünf Tagen.• Der Husten kann mehrere Wochen anhalten.• Längerer Husten allein ist kein Beweis für bakterielle Komplikation.Sicherheitsnetz mitgeben:erneute Vorstellung bei• zunehmender Luftnot• hohem oder anhaltendem Fieber• Thoraxschmerzen• Hämoptysen• Verwirrtheit• deutlicher Schwäche• fehlender Besserung✅ Take-home-Messages• Akute Bronchitis ist meist viral.• Die Diagnose ist in der Regel klinisch.• Keine Routine für Labor, Röntgen oder Antibiotika.• Symptomatische Therapie reicht meist aus.• Warnzeichen und vulnerable Patientengruppen konsequent erkennen.
  • Atemwegsinfektion in der Praxis: häufig, meist viral, meist selbstlimitierend 12.08.2026 24min
    🦠 Epidemiologie & Ätiologie• Besonders häufig in der kalten Jahreszeit• Kinder: bis zu 8 Infekte/Jahr, Erwachsene: etwa 2–4/Jahr• Meist viral: Rhinoviren, RSV, Coronaviren, Parainfluenzaviren, Adenoviren• Übertragung über Tröpfchen- und Schmierinfektion• Prävention: Händehygiene, Abstand, ggf. Masken⏱️ Typischer Verlauf• Inkubationszeit meist 1–7 Tage• Symptomdauer oft etwa 1 Woche• Husten kann länger persistieren, ohne komplizierten Verlauf• Typische Symptome: Halsschmerzen, Rhinitis, Husten, Heiserkeit, ggf. Ohrenschmerzen• Unkompliziert meist ohne deutlich reduzierten Allgemeinzustand🩺 Diagnostisches VorgehenAnamnese und körperliche Untersuchung reichen meist aus.Wichtige Anamnese:• Beginn, Dauer, Verlauf• Fieber, Hustencharakter, Dyspnoe• bisherige Selbstmedikation• Vorerkrankungen und Risikofaktoren• Infektionen im UmfeldFokussierte Untersuchung:• Gesamteindruck und Allgemeinzustand• Temperatur, ggf. Puls, Blutdruck, Atemfrequenz, Sauerstoffsättigung• Racheninspektion• zervikale Lymphknoten• Lungenauskultation• ggf. Sinus-Perkussion und Otoskopie⚠️ Warnzeichen• deutlich reduzierter Allgemeinzustand• hohes oder anhaltendes Fieber• Dyspnoe, Tachypnoe• auffälliger Auskultationsbefund• starker produktiver Husten• Brustschmerzen, Verwirrtheit, Trinkunfähigkeit• Verdacht auf Peritonsillarabszess:starke einseitige Halsschmerzen, kloßige Sprache, Trismus, Speichelfluss, asymmetrischer Oropharynx🧠 Wichtige Differenzialdiagnosen• Influenza: plötzlicher Beginn, hohes Fieber, Myalgien, starkes Krankheitsgefühl• COVID-19: unspezifisch möglich, Dyspnoe als Warnsignal, ggf. Anosmie/Dysgeusie• Akute Bronchitis• Pneumonie• COPD-Exazerbation• Pertussis• Sinusitis• Tonsillitis / Streptokokken-Angina• infektiöse Mononukleose• allergische Rhinitis🔬 Wann ist Zusatzdiagnostik sinnvoll?Nicht routinemäßig, sondern bei:• schwerem oder protrahiertem Verlauf• Verdacht auf bakterielle Genese• spezifischer Verdachtsdiagnose• RisikogruppenMögliche Diagnostik:• Abstriche / Schnelltests bei Influenza, COVID-19, RSV, Streptokokken, Pertussis• CRP, ggf. Procalcitonin• Röntgen-Thorax bei Pneumonieverdacht💊 TherapieIm Vordergrund stehen:• Aufklärung und Beruhigung• körperliche Schonung• Rauchverzicht• ausreichende Flüssigkeitszufuhr• Inhalation mit Kochsalz, Nasendusche, Luftbefeuchtung• symptomatische Medikation:Ibuprofen, Paracetamol, kurzfristig abschwellendes NasensprayWichtig:• Xylometazolin nur kurzzeitig, idealerweise max. 5–7 Tage• Honig nicht im 1. Lebensjahr• Hustenmittel: Evidenz begrenzt• ätherische Öle bei Kindern und hyperreagiblen Atemwegen mit Vorsicht🚫 Antibiotika• Bei unkomplizierten oberen Atemwegsinfektionen in aller Regel nicht indiziert• Kein Nutzen bei viraler Genese• Risiken: Nebenwirkungen, Resistenzentwicklung, falsche Erwartungshaltung• Delayed Prescribing kann in Einzelfällen sinnvoll sein📌 Merksätze für die Praxis• Die meisten akuten Atemwegsinfektionen sind viral• Anamnese + fokussierte Untersuchung reichen meistens aus• Warnzeichen konsequent suchen• Antibiotika nicht reflexhaft verordnen• Symptomlinderung, Aufklärung und Sicherheitsnetz sind zentral🔁 Wiedervorstellung empfohlen beiAtemnot, hohem oder anhaltendem Fieber, Verschlechterung des Allgemeinzustands, Brustschmerzen, zunehmendem produktivem Husten, Verwirrtheit, Trinkunfähigkeit oder Abszesszeichen.
  • Lungenfunktionsuntersuchung 11.08.2026 31min
    🫁 Lungenfunktionsuntersuchung: der klinische Fahrplan📌 Worum geht es?Die Lungenfunktionsdiagnostik beantwortet 3 Kernfragen:• Ventilation: Wird die Lunge normal belüftet?• Mechanik: Gibt es Obstruktion, erhöhten Widerstand oder verminderte Dehnbarkeit?• Diffusion: Funktioniert der Gasaustausch über die alveolokapilläre Membran?🔍 Die wichtigsten Verfahren• Spirometrie: Standard, schnell, günstig, stark mitarbeitsabhängig• Ganzkörperplethysmografie: misst zusätzliche Volumina und Atemwegswiderstand• Diffusionsmessung (DLCO): beurteilt den Gasaustausch⚠️ Vor jeder InterpretationErst die Qualität prüfen:• maximale Inspiration?• ausreichend forciert und lange ausgeatmet?• Husten in der ersten Sekunde?• dichter Mundschluss?• gute Mitarbeit?📏 Wichtige Lungenvolumina• TLC: totale Lungenkapazität nach maximaler Einatmung• VC: mobilisierbares Volumen zwischen max. Ein- und Ausatmung• RV: Residualvolumen nach maximaler Ausatmung• FRC: funktionelle Residualkapazität = RV + exspiratorisches ReservevolumenMerke:• Restriktion = Lunge insgesamt kleiner → TLC erniedrigt• Obstruktion = erschwerte Ausatmung, Luftfalle → RV/FRC oft erhöht🌬️ Spirometrie: die Schlüsselwerte• FEV1: forciertes exspiratorisches Volumen in 1 Sekunde• FVC: forcierte Vitalkapazität• Tiffeneau-Index = FEV1/FVC• PEF: Peak Expiratory Flow• MEF-Werte: Hinweis auf kleine Atemwege, aber variablerWichtigster Wert bei Obstruktion:• erniedrigter Tiffeneau-Index = spricht für Obstruktion🧭 Praktische Befundinterpretation1. Technik verwertbar?2. Tiffeneau-Index erniedrigt?3. Vitalkapazität erniedrigt?4. Wie stark ist FEV1 reduziert?5. Passen Kurvenform und Klinik zusammen?🚫 Obstruktion vs. RestriktionObstruktion:• FEV1 erniedrigt• Tiffeneau-Index erniedrigt• VC normal oder erniedrigt• RV oft erhöht• TLC normal oder erhöht• typische konkave exspiratorische Fluss-Volumen-Kurve („scooping“)Restriktion:• VC erniedrigt• FEV1 normal oder erniedrigt• Tiffeneau-Index meist normal• TLC erniedrigt = Bestätigung• Spirometrie allein kann Restriktion nur vermutenAchtung:• niedrige FVC allein beweist keine Restriktion• Pseudorestriktion bei Air Trapping möglich🏠 GanzkörperplethysmografieMisst zusätzlich:• RV• TLC• FRC• intrathorakales Gasvolumen• AtemwegswiderstandBesonders hilfreich bei:• unklarer Spirometrie• Verdacht auf Emphysem• Bestätigung einer Restriktion• Nachweis von Air Trapping/Überblähung💊 ReversibilitätstestNach Bronchodilatation spricht für reversible Obstruktion:• FEV1-Anstieg um mindestens 200 ml• und mindestens 12 %Typisch für:• Asthma bronchialeWichtig:• negativer Test schließt Asthma nicht sicher aus• Medikamentenpause vor Test beachten🧪 Methacholin-ProvokationNachweis bronchialer Hyperreagibilität:• FEV1-Abfall ≥ 20 % spricht dafürAber:• potenziell riskant• nur mit klarer Indikation, Erfahrung und Notfallausrüstung🩸 DiffusionskapazitätDLCO beurteilt den Transfer von Gas aus den Alveolen ins Blut.Nützlich bei:• interstitiellen Lungenerkrankungen• Emphysem• unklarer Belastungsdyspnoe• unklarer HypoxämieInterpretation:• DLCO + KCO erniedrigt → echte Diffusionsstörung, z. B. Fibrose oder Emphysem• DLCO erniedrigt, KCO normal → eher verminderte Austauschfläche/VerteilungsstörungStörfaktoren:• Anämie• Rauchen/Nikotinkonsum🩺 Typische Muster• Asthma: variable, reversible Obstruktion• COPD: persistierende Obstruktion, oft Überblähung, ggf. DLCO erniedrigt• Lungenfibrose: Restriktion + erniedrigte DLCO• Emphysem: Obstruktion + Überblähung + erniedrigte DLCO✅ Kernbotschaften• Tiffeneau-Index ist der Schlüsselwert für Obstruktion• niedrige Vitalkapazität allein beweist keine Restriktion• Restriktion wird über erniedrigte TLC bestätigt• Obstruktion führt oft zu Air Trapping und erhöhtem RV• DLCO immer im klinischen Kontext interpretieren
  • Befundung eines Röntgen-Thorax 10.08.2026 30min
    🏥 Thema der FolgeRöntgen-Thorax im klinischen Alltag: häufige Indikationen, systematische Befundung und typische Fallstricke.🩺 Wann ist der Röntgen-Thorax wichtig?Typische Einsatzgebiete:• Verdacht auf Pneumonie• Verlaufskontrolle bei kardiopulmonaler Stauung / Herzinsuffizienz• präoperatives Screening• Kontrolle von Schläuchen, Kathetern und Drainagen🔑 Grundprinzip: Bild nie ohne KlinikEin Röntgenbild allein stellt fast nie die Diagnose.Wichtig ist die Zusammenschau aus:• Anamnese• körperlicher Untersuchung• klinischem Kontext• BildbefundEine Verschattung ist zunächst nur eine Verschattung – die Differenzialdiagnose ergibt sich erst mit der Klinik.📐 Technische BasicsWichtige Grundlagen:• PA-Aufnahme: Herzgröße realistischer• AP-Aufnahme: Herz erscheint oft artifiziell größer• dichtere Strukturen = heller = Verschattung• luftreiche Strukturen = dunkler = AufhellungSeitenzuordnung:• Bildbetrachtung wie Patient gegenüberstehend• immer Patientenseite benennen, nicht Bildseite🧭 Befundschema: erst Qualität, dann von außen nach innenMerkwort für die Qualitätsprüfung: SIRI• Patient: richtige Person, Datum, Voraufnahmen?• Strahlengang: PA oder AP?• Inklusion: alles drauf, inklusive Randwinkel?• Rotation: Claviculaköpfchen symmetrisch?• Inspiration: ausreichend tief eingeatmet?Zusätzlich prüfen:• Belichtung / Penetration• Artefakte wie Hautfalten, Haare, Knöpfe, Mamillen🫁 Wichtige BefundstationenVon außen nach innen:• Weichteile• Skelett• Zwerchfell• Oberbauch• Pleura• Atemwege• Lungenparenchym• Hilus• Mediastinum• Herz🧠 Nützliche KonzepteSilhouettenphänomen:• rechter Herzrand aufgehoben → Prozess im rechten Mittellappen• linke Zwerchfellkontur aufgehoben → eher linker UnterlappenPathologien immer beschreiben nach:• Lokalisation• Größe• Anzahl• fokal oder diffus• Aufhellung oder Verschattung• Begrenzung• Form• Muster: alveolär, interstitiell, homogen🩻 Fremdmaterial aktiv mitbefundenWorauf achten?• Magensonde: Spitze sicher im Magen• Endotrachealtubus: ca. 5 ± 2 cm oberhalb der Karina• ZVK: Spitze im unteren Drittel der V. cava superior / kavoatrialer Übergang• Thoraxdrainage: Seitenlöcher intrathorakal, Komplikationen mitprüfen• Schrittmacher / ICD: Lage der Sonden, Dislokation, Bruch⚠️ Typische Stolperfallen• flache Inspiration täuscht basale Verschattungen vor• Hautfalte simuliert Pneumothorax• Mamille simuliert Rundherd• AP-Aufnahme simuliert Kardiomegalie• Rotation verfälscht Hilus und Mediastinum• auffälliger Hauptbefund lenkt von Nebenbefunden ab💡 Klinisch relevante MusterPneumonie:• alveoläre, oft unscharfe Verschattung• evtl. BronchopneumogrammAtelektase:• Verschattung plus Volumenverlustzeichen• Verziehung von Fissuren, Hilus oder MediastinumLungenödem / Stauung:• vermehrte Gefäßzeichnung• kraniale Umverteilung• interstitielle oder alveoläre Ödemzeichen• Pleuraergüsse• evtl. vergrößerte Herzsilhouette📝 Take-home-Messages• Qualität zuerst• immer gleiches Schema• Befunde präzise beschreiben, nicht vorschnell diagnostizieren• Fremdmaterial nie vergessen• Röntgen-Thorax immer zusammen mit der Klinik interpretieren
  • Pulsoxymetrie und Blutgasanalyse (BGA) 09.08.2026 42min
    🔎 Thema der FolgePulsoxymetrie und Blutgasanalyse (BGA) als Basiswerkzeuge in Akut-, Intensiv- und Notfallmedizin:schnell messen, richtig einordnen, Fehler erkennen, klinisch handeln.🫁 Physiologische Grundlagen• Nur ca. 2 % des Sauerstoffs sind frei gelöst, ca. 98 % an Hämoglobin gebunden• Normale Sättigung bedeutet nicht automatisch normalen Sauerstoffgehalt• Sauerstofftransport hängt wesentlich auch vom Hämoglobin ab• CO₂ wird überwiegend als Bicarbonat transportiert und ist zentral für den Säure-Basen-HaushaltWichtige Merke:• SpO₂ / SaO₂ ≠ PaO₂• PaO₂ allein beschreibt nicht den gesamten O₂-Transport• Klinik immer zusammen mit Hb, Sättigung, pH und CO₂ bewerten📈 SauerstoffbindungskurveDie O₂-Bindungskurve ist S-förmig:• im oberen Bereich: große PaO₂-Änderungen → kleine Sättigungsänderungen• im steilen Bereich: kleine PaO₂-Abfälle → deutlicher SättigungsabfallVerschiebungen:• Linksverschiebung: höhere O₂-Affinität, schlechtere GewebeabgabeUrsachen: Alkalose, Hypokapnie, Hypothermie, CO-Hb, MetHb• Rechtsverschiebung: leichtere O₂-AbgabeUrsachen: Azidose, Hyperkapnie, Fieber⚠️ Sonderfall:Bei CO-Vergiftung kann das Pulsoxymeter scheinbar normale Werte anzeigen.📟 PulsoxymetrieStärken:• nicht invasiv• schnell verfügbar• kontinuierliches Monitoring von SpO₂ und PulsTypische Einsatzbereiche:• Dyspnoe• perioperatives Monitoring• COPD-Exazerbation• Sedierung / Opioidgabe• Notfall- und IntensivmedizinGrenzen und Fehlerquellen:• schlechte Perfusion, Schock, Hypothermie• Bewegungsartefakte, Tremor• Nagellack, Kunstnägel, Umgebungslicht• Dys-Hämoglobine• misst kein CO₂, keinen pH, kein Laktat, kein BicarbonatWichtiger Praxispunkt:Unter O₂-Gabe kann Hypoventilation mit CO₂-Anstieg trotz noch normaler SpO₂ übersehen werden.🎯 Zielwerte für Sauerstoff• Erwachsene meist: ca. 92–96 %• bei Hyperkapnierisiko, v. a. COPD: häufig 88–92 %Merke:Sauerstoff ist ein Medikament — gezielt geben, titrieren, kontrollieren.🩸 BlutgasanalyseFormen:• arteriell: Goldstandard für Oxygenierung und Ventilation• venös: gut für pH, HCO₃⁻, Laktat, metabolische Einschätzung• kapillär: begrenzt nützlich, für Oxygenierung weniger zuverlässigWichtiger Fehler:Venöse pO₂- und Sättigungswerte nie mit arteriellen Normwerten vergleichen.🧪 Präanalytik der BGAHäufige Fehlerquellen:• Luftblasen → pO₂ falsch hoch, pCO₂ falsch niedrig• verzögerte Analyse → pH und pO₂ sinken, pCO₂ und Laktat steigen• unzureichendes Mischen → Gerinnsel• Hämolyse möglichWenn Werte nicht plausibel sind: zuerst Präanalytik prüfen.🧭 Systematische BGA-InterpretationImmer in derselben Reihenfolge:1. pH2. pCO₂3. HCO₃⁻ / Base Excess4. Kompensation5. Oxygenierung6. Laktat, Elektrolyte, Glukose, HbTypische Muster:• respiratorische Azidose: pH ↓, pCO₂ ↑• respiratorische Alkalose: pH ↑, pCO₂ ↓• metabolische Azidose: HCO₃⁻ ↓, BE negativer• metabolische Alkalose: HCO₃⁻ ↑, BE ↑Gemischte Störungen sind häufig und werden nur durch systematisches Vorgehen erkannt.🚨 Klinische Kernpunkte• SpO₂ allein reicht nicht zur Beurteilung der Ventilation• bei Sedierung/Opioiden früh an Hyperkapnie denken• Laktat > 2 mmol/l relevant, ab 4 mmol/l besonders alarmierend• BGA immer im Kontext der aktuellen Sauerstoffgabe interpretieren• Hyperoxie vermeiden✅ Take-home-Messages• Pulsoxymetrie = schnell, nicht invasiv, gut fürs Monitoring, aber begrenzt• BGA = invasiver, dafür deutlich informationsreicher• Nie Einzelwerte isoliert bewerten• Immer Klinik + SpO₂ + pH + pCO₂ + HCO₃⁻ + Laktat + Hb zusammen denken• Besonders bei COPD mit Hyperkapnierisiko: Zielbereich oft 88–92 %
  • Thoraxschmerzen in der Praxis 08.08.2026 36min
    🚨 Akute Thoraxschmerzen: erst lebensbedrohlich denkenNicht übersehen werden dürfen vor allem:• akutes Koronarsyndrom / Herzinfarkt• Lungenarterienembolie• Aortendissektion• Pneumothorax, v. a. Spannungspneumothorax👀 Die erste Minute: klinischer ErsteindruckZuerst den Menschen beurteilen, nicht nur den Schmerz:• blass, kaltschweißig, unruhig, stark ängstlich?• Dyspnoe, Tachypnoe, Zyanose?• wach, orientiert, ansprechbar?• Kreislaufinstabilität, Synkope, Bewusstseinsstörung?📈 Wichtige Vitalparameter und Red FlagsSofort erheben:• Herzfrequenz• Blutdruck• Atemfrequenz• SpO2• Temperatur• BewusstseinszustandRed Flags:• Hypotonie oder massive Hypertonie• Tachykardie > 120/min oder ausgeprägte Bradykardie• neue Ruhedyspnoe, Tachypnoe• SpO2 < 90 %• Synkope / kürzliche BewusstlosigkeitSauerstoff gezielt bei Hypoxämie oder respiratorischer Insuffizienz, nicht reflexhaft.🗣️ Fokussierte AnamneseWichtige Fragen:• Beginn: plötzlich/perakut oder schleichend?• Dauer: > 20 Minuten?• Lokalisation: retrosternal, einseitig, punktförmig?• Ausstrahlung: Arm, Schulter, Hals, Unterkiefer, Rücken, Oberbauch?• Charakter: drückend, stechend, reißend, vernichtend?• Belastungsabhängig, atemabhängig, palpierbar?• Begleitsymptome: Dyspnoe, Übelkeit, Hämoptysen, Synkope, Fieber, neurologische Symptome?• Risikofaktoren: KHK, Hypertonie, Diabetes, Rauchen, TVT/LE, OP, Immobilisation, Tumor, Schwangerschaft/Wochenbett• Medikamente: Antikoagulanzien, ASS, NSAR, PDE-5-Hemmer🩺 Körperliche UntersuchungZielgerichtet, ohne Notfallversorgung zu verzögern:• Lunge: seitendifferente Atemgeräusche, Pneumothorax, Pleuraerguss• Herz: neues Geräusch, Perikardreiben, Arrhythmie• Thoraxwand: Druckschmerz, Costochondritis, Interkostalneuralgie• Beine: Ödeme, einseitige Schwellung• Aortendissektion: Pulse, Blutdruck an beiden Armen, neurologische DefiziteWichtig: reproduzierbarer Brustwandschmerz spricht eher für muskuloskelettal, schließt kardial aber nicht sicher aus.🫀 EKG und weitere AkutdiagnostikEin 12-Kanal-EKG gehört bei relevantem oder unklarem Thoraxschmerz früh dazu.Beachten:• ST-Hebungen / ST-Senkungen• T-Wellen-Veränderungen• neue Schenkelblöcke• RhythmusstörungenMerke: Ein unauffälliges EKG schließt einen Herzinfarkt nicht sicher aus. Je nach Verlauf sind Wiederholungen und hochsensitives Troponin nötig.🚑 Wann sofort Rettungsdienst?Im ambulanten Setting Notruf bei:• Red Flags• Verdacht auf ACS, LE, Aortendissektion, Spannungspneumothorax• auffälligem EKG• klinischer Instabilität• relevanter UnsicherheitPatienten nicht selbst fahren lassen und nicht allein schicken.💊 Akutmaßnahmen in der PraxisBis zum Eintreffen des Rettungsdienstes:• Ruhe, körperliche Entlastung• nicht allein lassen• Monitoring, wiederholte Vitalzeichen• venösen Zugang, wenn ohne Verzögerung möglichMedikamente:• ASS bei klinischem ACS-Verdacht und fehlender Kontraindikation• Nitroglycerin nur bei passender Situation und ausreichendem Blutdruck• keine Nitrate bei Hypotonie, Rechtsherzinfarkt-Verdacht, Aortenstenose, PDE-5-Hemmern• bei möglicher Aortendissektion antithrombotische Therapie nicht unkritisch geben⚠️ Häufige gefährliche Differenzialdiagnosen• ACS: drückend, retrosternal, Ausstrahlung, vegetative Symptome• LE: plötzliche Dyspnoe, Tachykardie, atemabhängiger Schmerz, ggf. Synkope• Aortendissektion: plötzlich, maximal, reißend, Rücken-/Bauch-Ausstrahlung• Pneumothorax: plötzlich, einseitig, stechend, Dyspnoe• Perimyokarditis/Myokarditis: stechend, lage- und atemabhängig, oft nach Infekt• Boerhaave-Syndrom: heftiger Schmerz nach Erbrechen🧭 Bei stabilen PatientenOhne Red Flags können helfen:• Marburger Herz-Score zur Abschätzung einer KHK• ambulante kardiologische Abklärung bei passender Konstellation• differenzialdiagnostisch auch an muskuloskelettale, gastroösophageale, pulmonale, biliäre, pankreatische oder psychische Ursachen denken
  • Akute Dyspnoe in der Praxis – sicher einschätzen, richtig handeln 07.08.2026 32min
    🚨 Akut neu aufgetretene Luftnot ist ein Notfall, bis gefährliche Ursachen ausgeschlossen sind. Entscheidend ist zuerst:Wie krank ist die Person gerade – und muss sofort der Rettungsdienst alarmiert werden?🩺 Red Flags in der PraxisSofort notfallmäßig handeln bei:• schlechter klinischer Eindruck• Ruhedyspnoe, Sprechdyspnoe• deutlicher Tachypnoe• Atemhilfsmuskulatur, erschöpfte Atmung• Stridor• Zyanose• Thoraxschmerz• Kreislaufinstabilität, Kaltschweißigkeit• auffälligem EKG• Verdacht auf ACS, Lungenembolie, Lungenödem, Pneumothorax, Anaphylaxie👉 Bei Unsicherheit lieber frühzeitig Rettungsdienst oder Notaufnahme.📋 Sofortmaßnahmen• Oberkörper hoch lagern• nicht allein lassen• Vitalparameter vollständig messen: Atemfrequenz, SpO2, Puls, Blutdruck, Temperatur• Monitoring und 12-Kanal-EKG• Sauerstoff titriert bei Hypoxämie oder klinischem Verdacht• fokussierte Untersuchung und kurze Basisanamnese parallelWichtig:Eine normale Sauerstoffsättigung schließt schwere Ursachen nicht aus.🔎 Wichtige Untersuchungspunkte• Atemfrequenz wirklich zählen• Bewusstseinslage, Sprechfähigkeit, Atemarbeit beurteilen• Herz- und Lungenauskultation• einseitig fehlendes Atemgeräusch → an Pneumothorax, Pleuraerguss, Atelektase denken• Beine auf TVT-Zeichen untersuchen• Orthopnoe und paroxysmale nächtliche Dyspnoe erfragen❗Gefährliche DifferenzialdiagnosenKardial:• akutes Koronarsyndrom• akute Herzinsuffizienz / kardiales Lungenödem• RhythmusstörungenPulmonal:• Asthma- oder COPD-Exazerbation• Pneumonie• Lungenembolie• Pneumothorax• AspirationWeitere:• Anaphylaxie / Angioödem• metabolische Azidose• Sepsis• Intoxikation• psychogene Hyperventilation erst als Ausschlussdiagnose💊 Akuttherapie: praxisrelevante BasicsBei obstruktiver Dyspnoe:• Salbutamol inhalativ oder vernebelt• bei schwerer Obstruktion zusätzlich Ipratropium• systemische Glukokortikoide frühzeitigBei COPD:• O2 kontrolliert titrieren• Ziel-SpO2 meist 88–92 % bei Hyperkapnie-RisikoBei kardialem Lungenödem:• Oberkörperhochlagerung• Sauerstoff bei Hypoxämie• Nitrate nur bei passender Konstellation und ohne Kontraindikationen• Furosemid nur bei klinischer Volumenüberladung, nicht reflexhaftBei Anaphylaxie:• Adrenalin i.m. ist die lebensrettende Ersttherapie• nicht durch Antihistaminika oder Steroide ersetzen🧠 Praktische Merksätze• Atemfrequenz ist oft der wichtigste Frühmarker.• Normale SpO2 beruhigt nicht sicher.• Bekannte COPD/Asthma erklärt nicht automatisch jede Dyspnoe.• „Psychisch“ ist eine Ausschlussdiagnose.• Instabile Patientinnen und Patienten nicht lange ambulant abklären.🗣️ Kommunikation ist Teil der Therapie• ruhig sprechen• kurze Fragen stellen• klare Anweisungen geben• Angst ernst nehmen• besser: „Wir bleiben bei Ihnen und kümmern uns jetzt sofort.“✅ Take-home-MessageAkute Dyspnoe in der Allgemeinmedizin bedeutet:rasch einschätzen, Red Flags erkennen, Vitalparameter + EKG früh erheben, gefährliche Ursachen aktiv mitdenken und bei Warnzeichen sofort notfallmäßig versorgen. Wenn unklar oder instabil: Rettungsdienst.
  • Husten in der Praxis - strukturiertes Vorgehen 06.08.2026 31min
    ⏱️ Zeitliche Einordnung• Akut: bis 3 Wochen• Subakut: > 3 bis 8 Wochen• Chronisch: > 8 WochenMerke: Husten über 8 Wochen gehört weiter abgeklärt.🚨 Red Flags zuerstWarnzeichen bei akutem/subakutem Husten:• Stridor• Dyspnoe, Tachypnoe• Tachykardie• neu erniedrigte Sauerstoffsättigung, Zyanose• Thoraxschmerz• Hämoptysen• schaumiger Auswurf• Rauch-/Reizstoffinhalation• frisches Thoraxtrauma• schwere Immunsuppression• ausgeprägte Gebrechlichkeit• B-Symptomatik: Fieber, Nachtschweiß, GewichtsverlustWichtige gefährliche Ursachen:• Pneumonie• Lungenembolie• Pneumothorax• kardiale Dekompensation/Lungenödem• Asthma-Anfall, COPD-Exazerbation• Aspiration🩺 Anamnese in der PraxisWichtige Fragen:• seit wann, plötzlich oder schleichend?• trocken oder produktiv?• tagsüber, nachts, morgens?• Auswurf: klar, zäh, eitrig, schaumig, blutig?• Auslöser: Belastung, Allergene, Beruf, Rauch, Jahreszeit?• Medikamente, v. a. ACE-Hemmer?• Begleitsymptome: Fieber, Schnupfen, Halsschmerz, Luftnot, Giemen, Orthopnoe• Vorerkrankungen: Asthma, COPD, Herzinsuffizienz, Malignom, Immunsuppression• Raucherstatus• Dysphagie/Aspirationsereignis, Reiseanamnese, ImpfstatusPraxispunkt: Gelb-grünes Sputum beweist keine bakterielle Infektion.🔎 Körperliche Untersuchung• Allgemeineindruck und Atemarbeit• Vitalparameter: Temperatur, Puls, Blutdruck, Atemfrequenz, SpO2• Inspektion: asymmetrische Thoraxbewegung, Atemhilfsmuskulatur, Fassthorax• Perkussion: gedämpft bei Pneumonie/Lungenödem, hypersonor bei Asthma/Pneumothorax• Auskultation:• feuchte Rasselgeräusche → Pneumonie, Lungenödem• Giemen/Brummen → Asthma, COPD• Stridor → obere Atemwege/Aspiration• „stille Lunge“ = Alarmsignal• Herz, Halsvenen, Beinödeme mitbeurteilen• Rachen/Kopf-Hals untersuchen🦠 Häufige Ursachen• viraler Atemwegsinfekt / akute Bronchitis: häufigste Ursache, meist selbstlimitierend• postinfektiöser Husten: kann noch Tage bis Wochen anhalten• Pneumonie: Fieber, reduzierter AZ, Tachypnoe, fokale Befunde, SpO2-Abfall• Influenza / COVID-19• Pertussis: stakkatoartiger, oft nächtlicher Husten mit Würgen/Erbrechen• Asthma / cough variant asthma• COPD-Exazerbation• Herzinsuffizienz• Lungenembolie• Pneumothorax• Aspiration💊 Therapie: pragmatisch und leitliniennahGrundsatz: kausal behandeln, symptomatisch nur gezielt.Bei viralem Infekt/akuter Bronchitis:• Aufklärung und Sicherheitsnetz• Schonung, ausreichend trinken, Rauchverzicht• keine routinemäßigen Antibiotika bei Erwachsenen ohne Red FlagsSymptomatisch:• Expektoranzien nur bei zähem Schleim• z. B. Ambroxol, NAC, Bromhexin• Antitussiva nur bei trockenem Reizhusten, eher kurzfristig nachts• z. B. Dextromethorphan, Codein zurückhaltendWichtig: Expektoranzien und Hustenstiller nicht kombinieren.Bei obstruktiver Komponente:• Salbutamol inhalativ bei Bedarf• bei Asthma/COPD an inhalative bzw. antientzündliche Therapie denken🧠 Kernaussagen• Erst Red Flags, dann Feindiagnostik• Ohne Warnzeichen reichen Anamnese und Untersuchung meist aus• Akuter Husten ist meist viral• Antibiotika nicht reflexhaft verordnen• Husten + Luftnot/Thoraxschmerz/Hämoptysen = gefährliche Ursachen aktiv ausschließen• Husten > 8 Wochen ist chronisch und abklärungsbedürftig📌 Sicherheitsnetz für Patientinnen und PatientenWiedervorstellung bei:• zunehmender Luftnot• anhaltend hohem Fieber• blutigem Auswurf• starken Thoraxschmerzen• Verwirrtheit• deutlicher Verschlechterung• fehlender Besserung im erwartbaren Verlauf
  • Meningitisches Syndrom - Akutmanagment 05.08.2026 24min
    🚨 KernaussageKopfschmerzen plus Fieber ohne klaren anderen Infektfokus sind Meningitis, bis das Gegenteil bewiesen ist. Bei klinischem Verdacht immer zunächst wie bei bakterieller Meningitis handeln: schnell, strukturiert, ohne Therapieverzoegerung.👀 Klinik: woran denken?Klassische Trias:• Kopfschmerzen• Fieber• MeningismusWichtig:• Die Trias ist oft unvollstaendig• Meningismus kann bei Somnolenz oder Koma fehlen• Schon Kopfschmerzen plus Fieber muessen den Verdacht ausloesenZusaetzliche Warnzeichen:• Photophobie• Uebelkeit, Erbrechen• Bewusstseinsstoerung• fokal-neurologische Defizite• Hirnnervenausfaelle• epileptische Anfaelle• Hyponatriaemie• Sepsis bis septischer SchockBesonders alarmierend:• petechiale oder makulopapuloese Hautveraenderungen• Purpura fulminans• Verdacht auf Meningokokken oder Waterhouse-Friderichsen-Syndrom⚡ Akutmanagement: was sofort passieren mussAlles parallel organisieren, nicht nacheinander.Sofortmassnahmen:• cABCDE• Isolation und Hygienemassnahmen• Monitoring: EKG, Blutdruck, Sauerstoffsaettigung, Atmung, Temperatur• frueh ueberwachter Bereich oder Intensivstation🧪 Diagnostik vor Therapie? Nur wenn ohne VerzoegerungWichtig:• Blutkulturen vor Antibiotika, wenn moeglich• mindestens zwei Sets aus getrennten Punktionsstellen• Labor inklusive BGA, Blutbild, CRP, PCT, Glukose, Elektrolyte, Laktat, Nierenwerte, Leberwerte, Gerinnung💉 Initialtherapie beim ErwachsenenMerksatz: Blutkulturen – Dexamethason – Antibiotika – AciclovirTypisches Initialschema:• Dexamethason 10 Milligramm intravenoes• danach moeglichst etwa 10 Minuten spaeter:• Ceftriaxon 4 Gramm intravenoes oder• Cefotaxim 2 bis 4 Gramm intravenoes• plus Ampicillin 2 Gramm intravenoes• plus Aciclovir intravenoes, gewichts- und nierenfunktionsadaptiertWichtig:• Antibiotika nicht wegen Bildgebung, Gerinnung oder Liquorpunktion verzoegern• Aciclovir mitdenken bei moeglicher viraler Meningoenzephalitis, vor allem HSV🩺 Supportivtherapie• bedarfsgerechte Volumentherapie• Hypoglykaemie korrigieren• Analgesie, z. B. Metamizol oder Ibuprofen• Antipyrese bei Bedarf• engmaschige Kontrolle von Kreislauf, Diurese, Laktat, Elektrolyten und Nierenfunktion🖥️ Bildgebung und LiquorNach Therapiebeginn:• cCT Neurocranium• CT der Nasennebenhoehlen bei FokusfrageAchten auf:• Hirndruckzeichen• Hirnoedem, Blutung, Ventrikulitis• Sinusvenenthrombose• Sinusitis oder Mastoiditis als HerdLumbalpunktion:• so frueh wie moeglich, aber nicht vor Therapie, wenn Zeit verloren geht• nur bei ausreichender Gerinnung und ohne Hinweis auf gefaehrliche Hirndrucksituation• bei Hirndruckzeichen neurochirurgische RueckspracheLiquor-Basisdiagnostik:• Zellzahl, Zytologie• Glukose und Liquor-Serum-Glukosequotient• Laktat• Gesamtprotein• Grampraeparat• Kultur• PCR je nach Verdacht• Rueckstellprobe sichern🔬 Typische LiquormusterBakteriell:• trueb-eitrig• hohe Zellzahl, meist neutrophil• Protein erhoeht• Glukose erniedrigt• Laktat erhoehtViral:• meist klar• niedrigere Zellzahl, eher lymphozytaer• Glukose meist normal• Laktat oft nicht deutlich erhoeht🏥 Wichtige Folgeentscheidungen• HNO frueh einbinden bei Verdacht auf Sinusitis oder Mastoiditis• bei gramnegativen Diplokokken: an Meningokokken denken, Isolation fortfuehren, Meldepflicht, Postexpositionsprophylaxe fuer enge Kontakte• bei unklarem Verlauf interdisziplinaer denken: Neurologie, Infektiologie, Mikrobiologie, Virologie, Neurochirurgie, Intensivmedizin✅ Take-home-Messages• Denke bei Kopfschmerzen plus Fieber immer an Meningitis• Warte nicht auf den steifen Nacken• Therapie rettet Leben: nicht durch Diagnostik verzoegern• Blutkulturen zuerst, dann Dexamethason, dann Antibiotika plus Aciclovir• Bildgebung und Liquor sind wichtig, aber nachrangig gegenueber dem fruehen Therapiebeginn
  • Kopfschmerzen - Akutmanagment 04.08.2026 33min
    🚑 GrundprinzipKopfschmerzen brauchen fast immer beides:• Symptomkontrolle• diagnostische EinordnungZiel ist vor allem, sekundäre Kopfschmerzen früh zu erkennen, z. B.:• Subarachnoidalblutung• Meningitis/Enzephalitis• Dissektion• Glaukomanfall• Sinus-/Venenthrombose• intrakranielle Raumforderung🩺 Basismaßnahmen im NotfallErstversorgung nach cABCDE:• Vitalparameter inkl. Temperatur• ggf. Monitoring/EKG• i.v.-Zugang, Blutentnahme• bei Bedarf BlutgasanalyseSinnvolles Akutlabor:• Blutbild, CRP, PCT• Glukose, Elektrolyte• Kreatinin, Harnstoff, eGFR• Leberwerte, CK• Gerinnung, ggf. D-Dimere• Laktat💊 AkuttherapieAnalgesie ernst nehmen, aber neurologisch beurteilbar bleiben.Mögliche Optionen:• Ibuprofen 400–800 mg oral• Metamizol 500–1000 mg oral oder 1–2,5 g i.v.• Kombination von Nicht-Opioiden bei stärkeren Schmerzen• bei Bedarf Opioid, z. B. Oxycodon oral oder Piritramid i.v. titriertBei neuralgiformem Schmerz:• Carbamazepin• Pregabalin• in Ausnahmefällen Phenytoin i.v. unter Monitoring🗂️ Die 5 W der Kopfschmerzanamnese1. Wann und wie lange?• plötzlich oder schleichend?• erster Kopfschmerz dieser Art?• Attackenlänge?2. Wie stark?• Schmerzskala 0–10• Vernichtungskopfschmerz = Alarmzeichen3. Wo?• einseitig/beidseitig?• periorbital, temporal, okzipital, holozephal?• Hals-/Nackenausstrahlung?4. Wie?• dumpf, drückend, pulsierend, bohrend, elektrisierend?5. Welche Begleitumstände?• Übelkeit, Erbrechen, Photophobie, Phonophobie• Aura• Lageabhängigkeit• Fieber• Vorerkrankungen, Tumor, HIV, Immunsuppression• Antikoagulation, Hormone, Substanzkonsum• Schwangerschaft/Wochenbett• Thromboserisiko🔎 Fokussierte UntersuchungWichtig sind vor allem:• Bewusstsein/Kognition• Meningismus• Sprache/Sprechen• Gesichtsfeld, Visus• rotes oder hartes Auge• Pupillen/Okulomotorik• Horner-Syndrom• Fazialisfunktion, Sensibilität• Motorik, Reflexe, Koordination, GangMerke:Neues fokal-neurologisches Defizit = sekundäre Ursache, bis das Gegenteil bewiesen ist⚠️ Wichtige Red Flags• Donnerschlag- oder Vernichtungskopfschmerz• Fieber• Meningismus• Bewusstseinsstörung• neue Sehstörung• rotes/verhärtetes Auge• Hals-/Nackenschmerz• Lageabhängigkeit• epileptischer Anfall• Tumoranamnese• Immunsuppression/HIV• Schwangerschaft/Wochenbett• erhöhte Thromboseneigung• erstmaliger oder deutlich veränderter Kopfschmerz im höheren Alter🖥️ Bildgebung & LiquorFaustregeln:• je unklarer die Anamnese, desto eher Bildgebung• je älter bei Erstmanifestation, desto eher Bildgebung• je kränker der Gesamteindruck, desto eher BildgebungTypische Zuordnungen:• Subarachnoidalblutung, Bewusstseinsstörung, Schlaganfallzeichen: sofort CT + CT-A• Dissektion: dringlich MRT + MR-Angiografie• Sinus-/Hirnvenenthrombose: MRT + MR-Venografie oder CT-Venografie• erhöhter intrakranieller Druck/Raumforderung: sofort CT• bei Verdacht auf ZNS-Infektion: nach Bildgebung und Ausschluss von Kontraindikationen Liquorpunktion🌩️ Primäre Kopfschmerzen in der NotaufnahmeMigräneTypisch:• einseitig, pulsierend• 4–72 Stunden• Übelkeit, Erbrechen, Licht-/Lärmempfindlichkeit• ggf. AuraAkuttherapie:• ASS oder Metamizol• plus Antiemetikum, z. B. Metoclopramid• bei Bedarf Triptan• Status migraenosus: ggf. Prednisolon oder Dexamethason i.v.ClusterkopfschmerzTypisch:• streng einseitig, peri-/supraorbital• 15–180 Minuten• autonome Zeichen: Lakrimation, Rhinorrhö, konjunktivale Injektion• starke motorische UnruheAkuttherapie:• 100 % Sauerstoff, 12 l/min über Maske mit Reservoir• Sumatriptan s.c. oder Zolmitriptan intranasal• orale Standardanalgetika meist unzureichend📌 Take-home-Messages• Kopfschmerztherapie ist immer auch Ursachenabklärung.• Strukturiertes Vorgehen rettet Diagnosen.• Red Flags aktiv suchen.• Bei mehreren Warnhinweisen nach der gefährlichsten Ursache handeln.• Migräne und Clusterkopfschmerz gezielt und früh behandeln.
  • Akute Intoxikation - Akutmanagment 03.08.2026 26min
    🚨 GrundsatzJede akute Vergiftung – auch schon der begründete Verdacht – ist ein medizinischer Notfall.Kernreihenfolge:• Vitalfunktionen sichern• Exposition beenden• Informationen sammeln• Diagnostik + supportive Therapie einleiten• Antidot und Giftelimination prüfenWichtig:• früh Hilfe organisieren• Giftnotrufzentrale/Giftinformationszentrum kontaktieren• Eigenschutz beachten🩺 Akutanamnese: die wichtigsten FragenUnter Zeitdruck gezielt erheben:• Wer ist der Patient?• Wo ist der Patient?• Welche Substanz?• Welche Menge?• Wann war die Exposition?• Welcher Aufnahmeweg: oral, inhalativ, dermal, okulär, parenteral?• Welche Symptome bestehen?• Welche Vorerkrankungen/Risikofaktoren gibt es?• Was wurde bereits unternommen?Merke:• Fremdanamnese ist hilfreich, aber oft ungenau• Angaben immer mit Klinik, Vitalparametern, Labor und Verlauf abgleichenAchte besonders auf:• Vigilanzminderung und Aspirationsrisiko• Bradypnoe bei möglicher Opioidintoxikation• Hinweise auf Toxidrome• Pflaster, Tablettenreste, Gerüche, Injektionsspuren, kontaminierte Kleidung☣️ Exposition beenden• Giftquelle entfernen oder deaktivieren• Patient aus dem Gefahrenbereich bringen• kontaminierte Kleidung entfernen• bei Gefahrstofflagen: Selbstschutz zuerst, Spezialkräfte sichern die Lage📞 Giftnotruf früh einschaltenHilfreiche Angaben:• Alter, Gewicht• vermutete Substanz• Menge, Zeitpunkt• Symptome, Vitalparameter• bereits erfolgte Maßnahmen🔬 BasisdiagnostikUnverzichtbar:• Blutzucker• Blutgasanalyse• EKGZusätzlich je nach Lage:• Anionenlücke• osmolale Lücke• Blutalkohol• toxikologisches ScreeningWichtig:• Screening unterstützt, ersetzt aber nicht die klinische Beurteilung🧠 Toxidrome erkennenTypische Muster:• opioid: Miosis, Vigilanzminderung, Atemdepression• anticholinerg: Mydriasis, trockene Haut, Harnverhalt, Delir• cholinerg: Speichelfluss, Bronchorrhoe, Diarrhö, Bradykardie, Miosis• sympathomimetisch: Unruhe, Tachykardie, Hypertonie, Schwitzen, Mydriasis💉 Empirische Therapie bei Bewusstseinsstörung• Glukose 25 g i.v., wenn Hypoglykämie nicht ausgeschlossen• Thiamin frühzeitig bei Risikopatienten, oft 100–200 mg i.v.• Naloxon bei Atemdepression: 0,2–0,4 mg i.v., titriert nach Ventilation• Flumazenil nur sehr selektiv bei vermuteter reiner BenzodiazepinintoxikationWichtig bei Naloxon:• auf ausreichende Atmung titrieren, nicht auf volle Wachheit• Wirkdauer kürzer als viele Opioide → Überwachung nötig🧴 Expositionsweg: Haut und Augen• sofort großzügig mit Wasser oder NaCl spülen• Kleidung entfernen• vor Auskühlung schützen• Augen lang und kontinuierlich spülen• keine Neutralisation ätzender Substanzen🥤 Expositionsweg: IngestionAktivkohle:• oft 1 g/kg KG, bei Erwachsenen häufig 50 g• v. a. innerhalb 1–2 Stunden sinnvoll• nicht bei Aspirationsgefahr, Ileus, Blutung, Perforation, Krampfgefahr oder ungeeigneter SubstanzWichtig:• Erbrechen auslösen nicht empfohlen• Magenspülung nur in Ausnahmefällen und unter klaren Voraussetzungen• anterograde Darmspülung bei ausgewählten schweren Fällen🌬️ Expositionsweg: InhalationSofortmaßnahme:• hochdosiert SauerstoffZusätzlich je nach Situation:• frühe Intubation/Beatmung• Bronchospasmolytika• Natriumhydrogencarbonat-Inhalation in Einzelfällen• Hydroxocobalamin bei Zyanidverdacht/Rauchgasinhalation• hyperbare Sauerstofftherapie bei schwerer CO-Intoxikation erwägen🏥 Weiterbehandlung und Organisation• engmaschiges Monitoring• Sekundärfolgen behandeln: Azidose, Elektrolytstörungen, Krampfanfälle, Hypo-/Hyperthermie, hämodynamische Instabilität• ggf. intensivmedizinische Therapie• ggf. Hämodialyse• Transportziel nach Ressourcen wählen🧪 AsservierungFür toxikologische/forensische Diagnostik sichern:• Urin• Blut/Serum/Plasma• Erbrochenes oder Mageninhalt• bei Schwermetallen: Vollblut
  • Umgang mit fremdaggressivem Verhalten im medizinischen Alltag 20.07.2026 30min
    🚨 Thema der FolgeUmgang mit fremdaggressivem Verhalten im medizinischen Alltag – relevant in Notaufnahme, Station, Psychiatrie, Rettungsdienst, Hausarztpraxis und Intensivmedizin.🛡️ GrundprinzipienEigenschutz hat immer Priorität.Nie allein in potenziell gefährliche Situationen gehen.Früh Unterstützung holen: Team, Pflege, Sicherheitsdienst, ggf. Polizei.Immer so positionieren, dass ein Rückzug möglich bleibt.⚠️ Fremdaggressives Verhalten: wichtige UrsachenAggression ist ein Symptom, keine Diagnose.Mögliche Hintergründe:• Psychose, Manie, Persönlichkeitsstörung• Intoxikation, Entzug, Alkoholentzugsdelir• Delir, Demenz, hirnorganisches Psychosyndrom• Hypoglykämie, Hypoxie• Schädel-Hirn-Trauma, Enzephalitis, zerebrale Ischämie• Massive psychosoziale Krise🧩 Vorbereitung und TeamorganisationWenn möglich vorab:• Informationen zur Vorgeschichte einholen• gefährliche Gegenstände entfernen• Unbeteiligte aus der Situation bringen• Medikamente und Monitoring vorbereiten• Rollen im Team festlegen: spricht, beobachtet, dokumentiert, alarmiertEin Hauptansprechpartner ist meist am sinnvollsten.🗣️ DeeskalationDeeskalation ist eine zentrale Intervention.Wichtige Elemente:• ruhig, klar, respektvoll, selbstsicher auftreten• offene Körperhaltung, Hände sichtbar• Abstand halten, nicht bedrängen, nicht umzingeln• kurze, einfache, wiederholte Botschaften• aktiv zuhören, Gefühle benennen, Ich-Botschaften nutzen• Wahlmöglichkeiten anbieten, um Kontrolle zurückzugeben🩺 Diagnostik nicht vergessenBasisdiagnostik je nach Sicherheit der Situation:• Eigen- und Fremdanamnese• psychopathologischer Befund• internistische und neurologische Untersuchung• Vitalparameter• Blutzucker immer mitdenken• Labor, Drogenscreening, EKG bei Bedarf• bei spezieller Fragestellung: cCT, MRT, EEGBesonders wichtig: Bei älteren Menschen mit neuer Agitation immer zuerst an Delir denken.⚖️ Rechtliche AspekteEntscheidend ist die Einordnung in einen Krankheitskontext.• keine krankheitsbedingte Aggression: Polizei/Vollzugsbehörden• krankheitsbedingte somatische Ursache: ggf. rechtfertigender Notstand• krankheitsbedingte psychiatrische Ursache: Unterbringung nach Landesrecht prüfenFür Maßnahmen gegen den Willen der Person braucht es eine belastbare rechtliche Grundlage.⛓️ ZwangsmaßnahmenNur ultima ratio bei akuter Gefährdung.Mögliche Maßnahmen:• Festhalten• Isolation• FixierungGrundsätze:• so kurz wie möglich• ausreichend geschultes Personal• kontinuierliche Überwachung• Bauchlage vermeiden• lückenlose Dokumentation• Nachbesprechung mit Patient und Team💊 Medikamentöse KriseninterventionZiel: ausreichende Beruhigung für sichere Diagnostik, Therapie und Transport – nicht Bestrafung.Bevorzugt:• freiwillige orale oder inhalative Gabe vor i.m./i.v.• schnell wirksame, gut steuerbare SubstanzenWichtige Gruppen:• Antipsychotika: z. B. Haloperidol, Promethazin, Aripiprazol• Benzodiazepine: z. B. Lorazepam, Midazolam, DiazepamWichtige Cave:• Kombination Antipsychotikum + Benzodiazepin nur ausnahmsweise• bei oraler Antikoagulation keine i.m.-Injektion• nach i.v./i.m.-Sedierung engmaschiges Monitoring von Bewusstsein, Atmung, Kreislauf📋 Dokumentation und NachsorgeDokumentiert werden sollten:• konkretes beobachtbares Verhalten• Deeskalationsversuche• Alternativen• Diagnostik• Medikation, Wirkung, Nebenwirkungen• Monitoring• Begründung von ZwangsmaßnahmenNach dem Vorfall:• Nachbesprechung mit der betroffenen Person• Team-Debriefing• bei Übergriffen auf Personal: medizinische Versorgung, Meldung, betriebsärztliche/psychologische Unterstützung, ggf. Anzeige✅ Take-home-Messages• Geh nie allein hinein.• Deeskaliere ruhig, klar und mit Abstand.• Denke immer auch an somatische Ursachen.• Blutzucker und Vitalparameter nicht vergessen.• Zwangsmaßnahmen nur als letztes Mittel.• Gute Dokumentation schützt Patienten und Behandelnde.
  • Akute Psychose - Akutmanagment 19.07.2026 27min
    🎙️ Akute Psychose in der Praxis – sicher erkennen, ruhig handeln, strukturiert behandeln🧭 Warum das Thema wichtig istAkute Psychosen sind oft Notfälle – und nicht automatisch „nur psychiatrisch“.Immer mitdenken:• primär psychiatrische Ursachen• neurologische, metabolische, infektiöse, autoimmune Ursachen• Intoxikationen, Entzug, Medikamente, Drogen🚨 Erstkontakt: Sicherheit zuerstVor Betreten des Raums:• Infos einholen: Auslöser, Bedrohungen, Vorerkrankungen, Substanzen, Medikation, Waffenhinweise• gefährliche Gegenstände entfernen• Fluchtwege sichern• Unterstützung in Nähe haltenGrundsatz:So wenig Zwang wie möglich, so viel Freiwilligkeit wie möglich.🗣️ Gesprächsführung in der AkutsituationDeeskalierend wirken:• ruhig, langsam, klar sprechen• kurze Sätze, klare Struktur• nicht konfrontieren, nicht „Wahn korrigieren“• Leidensdruck validieren, ohne Inhalte zu bestätigenHilfreich:„Ich sehe, dass Sie sich bedroht fühlen, und möchte verstehen, was los ist.“🧠 Psychopathologie gezielt erfassenWichtig sind:• Wahn: Verfolgung, Bedrohung, Beziehungswahn• Halluzinationen, v. a. akustisch• Ich-Störungen: Gedankeneingebung, -entzug, Gedankenlautwerden• formale Denkstörungen: Gedankenabreißen, Inkohärenz, VorbeiredenMerke:Optische Halluzinationen sprechen eher für organische Ursache oder Intoxikation.👀 Beobachtung zähltViele Betroffene berichten Symptome nicht spontan.Achten auf:• Antwortlatenz• Blick- und Aufmerksamkeitsstörungen• Selbstgespräche• Lauschen in den Raum• misstrauisches Umschauen• bizarr wirkendes Verhalten⚠️ Gefährdung früh einschätzenFremdgefährdung:• Gewaltandrohung, frühere Gewalt• Verfolgungswahn, Bedrohungserleben• Waffen, Substanzkonsum, Impulskontrollstörung• fehlende KrankheitseinsichtEigengefährdung:• Suizidversuche, fehlendes Netz• imperative Stimmen• Hoffnungslosigkeit, Schuld, depressive Einengung• Belastungen, Non-Adhärenz, SubstanzkonsumImmer aktiv nach Suizidalität fragen – auch in der Psychose.🩺 Diagnostik: organisch mitdenkenBasis:• internistische und neurologische Untersuchung• Vitalparameter• EKG vor geplanter antipsychotischer Therapie• Labor: Blutbild, Elektrolyte, Nierenwerte, Leberwerte, CRP, Glukose• Urin-DrogenscreeningJe nach Konstellation:• cMRT• EEG• Liquor• Infektionsdiagnostik, Autoimmun- und StoffwechselabklärungRed Flags für organische Ursachen:• Erstmanifestation im höheren Alter• fluktuierende Vigilanz• Fieber, Krampfanfälle• neurologische Defizite• optische Halluzinationen• enger zeitlicher Bezug zu Medikamenten, Drogen oder somatischer Erkrankung💊 AkuttherapieZiele:• Sicherheit• Angst- und Spannungsreduktion• Reizabschirmung• ursachengerechte BehandlungGrundsatz:Orale freiwillige Medikation bevorzugen.Häufige Optionen:• Olanzapin: gut bei Agitiertheit• Risperidon: gut oral bei kooperativen Patienten• Aripiprazol: eher weniger sedierend• Amisulprid, Ziprasidon: je nach Setting• Haloperidol: wirksam, aber EPS- und QT-Risiko beachten• Lorazepam: bei Anspannung, Agitation• Midazolam i.v.: rasch wirksam, nur mit MonitoringWichtige Sicherheitsregeln:• i.m. Olanzapin nicht zeitnah mit parenteralen Benzodiazepinen kombinieren• Benzodiazepine bei unklarer Intoxikation zurückhaltend einsetzen• QT-Verlängerung unter Antipsychotika beachten🏥 Weiterbehandlung planenJe nach Ursache und Gefährdung:• somatische Fachabteilung• offene psychiatrische Station• geschützte Unterbringung bei fehlender Absprachefähigkeit oder relevanter Eigen-/Fremdgefährdung📝 Praktische Take-aways• ruhig und wertschätzend bleiben• Reize reduzieren• Gefährdung wiederholt prüfen• Nebenwirkungen früh erkennen, z. B. Akathisie• sauber dokumentieren• immer auch an organische Ursachen denken✅ Die 3 Kernbotschaften1. Ruhig und strukturiert handeln2. Psychose nie vorschnell als rein psychiatrisch einordnen3. Eigen- und Fremdgefährdung früh und wiederholt beurteilen
  • Vigilanzminderung - Akutmanagment 18.07.2026 34min
    🧠 Vigilanzminderung in der NotaufnahmeVigilanzminderung bzw. Koma unklarer Ursache ist ein hochakuter interdisziplinärer Notfall. Entscheidend ist: schnell strukturieren, parallel handeln, Ursache finden und sofort behandelbare Auslöser nicht verpassen.🚨 Grundprinzipien• Koma unklarer Ursache ist keine rein neurologische Fragestellung• Hohe Sterblichkeit, oft mehrere Ursachen gleichzeitig• Ein gefundener Befund ist nicht automatisch die Ursache• Unauffällige Neurologie ist keine Entwarnung🧩 Pathophysiologische Einteilung1. Primäre Hirnfunktionsstörung mit akuter Läsion• Hirnstamm-/Thalamusläsion• Blutung, Ödem, Einklemmung• akute epileptogene Läsion• ZNS-Entzündung2. Primäre Hirnfunktionsstörung ohne akute Läsion• epileptischer Anfall / Status epilepticus ohne neue Läsion• Pseudokoma, akinetische Krise3. Sekundäre diffuse Hirnfunktionsstörung• kardio-respiratorisch• metabolisch / homöostatisch• septische Enzephalopathie• Intoxikation⏱️ Die ersten 15 MinutenVersorgung im cABCDE-Schema, idealerweise interdisziplinär und parallel.Wichtige Sofortmaßnahmen:• Intubationsbereitschaft sichern• O2-Gabe, Beatmung prüfen/optimieren• Monitoring: EKG, RR, SpO2, AF, Temperatur• 2 i.v.-Zugänge• vorsichtige balancierte Volumentherapie🧪 BasisdiagnostikFrüh und parallel:• Blutgasanalyse, wiederholt• Labor: Blutbild, CRP, PCT, Glukose, Elektrolyte, Laktat, Nieren- und Leberwerte, Gerinnung, Troponin, CK, TSH, Ethanol• Blutkulturen bei Infektverdacht vor Antibiotika, wenn ohne relevante Verzögerung• Rückstellproben für Toxikologie/Spiegel asservieren• 12-Kanal-EKG• Thoraxröntgen• Urinprobe / ggf. Blasenkatheter🗣️ FremdanamneseBesonders wichtig:• Beginn und Dynamik• Erstereignis oder bekannt?• Fieber, Luftnot, Schmerzen, Krampf, fokale Defizite, Trauma• Medikamente, Drogen, Notfallmedikation• Auffindesituation• Zeugen/Angehörige erreichbar?🔎 Klinisch-neurologische UntersuchungZiel: Schweregrad einschätzen, Hinweise auf fokale Läsion oder Status epilepticus finden.Wesentliche Punkte:• GCS, oft hilfreicher: FOUR-Score• Blickstellung, Pupillen, Lichtreaktion• Hirnstammreflexe• Motorische Reaktion auf Schmerz• Tonus, Reflexe, Pyramidenbahnzeichen• Meningismus, Temperatur• auf konvulsive Anfälle/Status achten⚡ Sofort behandelbare UrsachenUnverzüglich erkennen und therapieren:• Status epilepticus → Benzodiazepin, dann Antiepileptikum• Meningitis/Enzephalitis → Blutkulturen, Dexamethason, kalkulierte Antiinfektiva• respiratorische Insuffizienz / Hyperkapnie → Atemweg und Beatmung• Hypoglykämie → i.v. Glukose, ggf. Thiamin bei Alkoholabusus• schwere Elektrolytstörungen, z. B. Hyponatriämie• Sepsis / septische Enzephalopathie• Opioid-Toxidrom → Naloxon titriert🩻 BildgebungInnerhalb der nächsten 15 Minuten ideal:• cCT• CT-Angiografie der supraaortalen GefäßeZiele:• Blutung, Ischämie, Ödem, Hirndruck• Gefäßverschluss, Dissektion• epileptogene strukturelle LäsionenWichtig:Ein unauffälliges CT beendet die Diagnostik nicht.🤝 Team-Time-outNach Erstversorgung und nach Bildgebung:• Befunde gemeinsam abgleichen• Vitalbedrohung?• Intubation nötig?• Sofort therapiepflichtige Ursache gefunden?• Passt der Befund wirklich zur Bewusstseinsstörung?🏥 Weiterführende Diagnostik auf IntensivstationBei unklarem Befund:• Lumbalpunktion frühzeitig, wenn möglich• EEG zum Ausschluss eines nicht-konvulsiven Status epilepticus• MRT bei weiter bestehendem Verdacht• toxikologische, metabolische, endokrinologische und infektiologische Abklärung📌 Take-home-Messages• Parallel statt nacheinander handeln• Sofort reversible Ursachen aktiv suchen• cCT/CTA ist zentral, aber nicht abschließend• Mehrere Ursachen können gleichzeitig vorliegen• Nur ein neuroanatomisch plausibler Befund erklärt das Koma• Nie zu früh mit der Diagnostik aufhören
  • Schwindel - Akutmanagment 17.07.2026 31min
    🚨 Thema der FolgeNotfallmanagement bei Schwindel: strukturiertes Vorgehen zwischen harmloser peripherer Ursache und potenziell lebensbedrohlichem posterioren Schlaganfall.🧭 GrundprinzipSchwindel ist ein Symptom, keine Diagnose.Die subjektive Stärke sagt wenig über die Gefährlichkeit aus.Wichtig:• nicht auf Bauchgefühl verlassen• Anamnese + Basisdiagnostik + klinische Untersuchung + Gesamtsynthese• im Zweifel zentral, bis das Gegenteil bewiesen ist🔎 BegriffsklärungVestibulärer Schwindel (Vertigo):Bewegungsillusion – Drehen, Schwanken, Kippen, GezogenseinNicht vestibulärer Schwindel (Dizziness):Unsicherheit, Benommenheit, Präsynkope, Schwarzwerden vor AugenVestibulär weiter differenzieren:• peripher: Innenohr / Vestibularorgan• zentral: Hirnstamm / Kleinhirn⚡ Akutziele im Notfall1. Lebensbedrohliche Ursachen erkennen• Hirnstammischämie / Kleinhirninfarkt• Rhythmusstörungen• Hypotonie / Hypertonie• Hypoglykämie• Elektrolytstörungen• Intoxikation / Entzug2. Akut behandelbare periphere Ursachen identifizieren• benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel (BPLS)• Neuropathia vestibularis• Menière-Attacke🩺 BasismaßnahmenZu Beginn immer:• Vitalparameter• 12-Kanal-EKG• i.v.-Zugang• Blutentnahme, ggf. BGASinnvolle Labore:• Blutbild, CRP• Glukose• Elektrolyte inkl. Na, K, Mg• Nierenwerte• Leberwerte• Troponin, CK• TSH• Gerinnung• ggf. Ethanol💬 Wichtige AnamneseZentrale Fragen:• echte Bewegungsillusion oder eher Benommenheit?• plötzlich oder schleichend?• anhaltend oder attackenartig?• Dauer: Sekunden, Minuten, Stunden?• auslösbar durch Lagewechsel/Kopfbewegung?• Hörminderung, Tinnitus, Ohrdruck?• neurologische Symptome: Doppelbilder, Dysarthrie, Dysphagie, Schwäche, Sensibilitätsstörung?• Medikamente, Alkohol, Drogen?🧠 Klinische SchlüsselpunkteBeim akuten vestibulären Syndrom ist die Unterscheidung peripher vs. zentral entscheidend.HINTS nur bei anhaltendem akuten vestibulären Syndrom:• Head Impulse• Nystagmus• Test of SkewZentral verdächtig schon bei einem Befund:• normaler Kopfimpulstest• richtungswechselnder Nystagmus• Skew Deviation🚩 Red Flags für zentrale Ursache• Bewusstseinsstörung• zentrale Okulomotorikstörung• vertikaler, torsionaler oder atypischer Nystagmus• Rumpfataxie / Dysmetrie• Dysarthrie, Aphasie, Paresen, Hypästhesie• apoplektiformer Beginn• unklare Befunde trotz anhaltender Symptomatik🧪 Typische periphere SyndromeBPLS:• Sekunden bis wenige Minuten• lageabhängig• beschwerdefrei in Ruhe• Therapie: Befreiungsmanöver, z. B. EpleyNeuropathia vestibularis:• anhaltender Schwindel über Stunden bis Tage• Übelkeit/Erbrechen• pathologischer Kopfimpulstest• keine Hörstörung• Therapie: kurz symptomatisch, frühe Mobilisation, vestibuläre Physiotherapie, ggf. GlukokortikoideMorbus Menière:• Attacken über 20 Minuten bis Stunden• Hörminderung, Tinnitus, Ohrdruck• symptomatische Akuttherapie, HNO-Mitbetreuung💊 Symptomatische TherapieBei Übelkeit/Erbrechen:• Dimenhydrinat• alternativ MetoclopramidWichtig:• Antivertiginosa nur kurzzeitig• längere Gabe kann vestibuläre Kompensation bremsen🖥️ BildgebungBei Verdacht auf zentrale Ursache:• bevorzugt kranielle MRT mit DWI, FLAIR, T2, GefäßdarstellungWichtig:• frühe MRT kann bei posteriorer Ischämie falsch negativ sein• starke Klinik schlägt unauffällige Frühbildgebung📌 Take-home-Messages• Erst fragen: Bewegungsillusion ja oder nein?• Viel Übelkeit beweist keine periphere Ursache• HINTS ist hochrelevant – aber nur im richtigen Setting• Anamnese hilft, ersetzt aber nie die Untersuchung• Dokumentation des Nystagmus exakt festhalten• Wenn zentrale Ursache nicht sicher ausgeschlossen ist: stationär denken

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