Nur eine Frage

Nur eine Frage

DIE ZEIT
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Епизоди 25
Последна 27.05.2026

„Können Maschinen denken?“, „Ist Demokratie die beste Staatsform?“, „Ist Armut erblich?“. Oder: „Existiere ich wirklich?“ Das sind einfache, aber grundlegende Fragen, die viele von uns umtreiben, und auf die eine klare Antwort oft schwer zu finden ist. In dem Podcast „Nur eine Frage“ stellen wir diese vermeintlich simplen „Kinderfragen“ – der bestmöglichen Expertin, dem bestmöglichen Experten, den wir für das jeweilige Thema finden konnten. Wir haken so lange nach, bis wir eine definitive Antwort bekommen, am besten in Form eines klaren „Ja“ oder „Nein“.

Епизоди

  • Ist die Welt noch zu retten, Friederike Otto? 27.05.2026 1ч 3мин
    Im ZEIT-Podcast »Nur eine Frage« stellt ZEIT-Chefredakteur Jochen Wegner einfache, aber grundlegende Fragen, die viele von uns umtreiben, auf die eine klare Antwort jedoch schwer zu finden ist. Wir befragen die bestmögliche Expertin, den bestmöglichen Experten, den wir für das jeweilige Thema finden können. In dieser Folge von Nur eine Frage stellen wir der Klimaforscherin Friederike Otto die Frage: »Ist die Welt noch zu retten?« Friederike Otto ist eine der international einflussreichsten Klimaforscherinnen. Otto ist Physikerin und promovierte Philosophin, hat in Potsdam und Berlin studiert, in Oxford geforscht und ist heute Professorin für Klimawissenschaften am Imperial College in London. Sie ist Mitbegründerin der sogenannten Zuordnungsforschung (Attribution Science), die den Zusammenhang zwischen Extremwetterereignissen und Klimawandel untersucht. Otto hat auch die Forschungsinitiative World Weather Attribution (WWA) mit ins Leben gerufen und an mehreren Berichten des Weltklimarats (IPCC) mitgeschrieben. 2023 erhielt sie den Deutschen Umweltpreis.    Im Podcast erklärt Friederike Otto zunächst die physikalischen Grundlagen des Klimawandels und warum die Welt aus wissenschaftlicher Perspektive deswegen ein großes Problem hat: Derzeit liegt die globale Erwärmung bei etwa 1,4 Grad. Selbst wenn alle versprochenen Klimamaßnahmen umgesetzt würden, käme die Welt bis Ende des Jahrhunderts auf etwa 2,6 Grad – mit dramatischen Folgen: »Wir werden Temperaturen und Niederschläge erleben, die wir uns im Moment nicht vorstellen können«, sagt Otto. Am Beispiel der Flutkatastrophe im Ahrtal 2021 erläutert die Klimawissenschaftlerin ihre Methode der Zuordnungsforschung und zeigt, wie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Welt mit Klimawandel gegen eine hypothetische Welt ohne Klimawandel rechnen. Das Ergebnis: Der menschengemachte Klimawandel hat die Wahrscheinlichkeit eines solchen Extremereignisses verdoppelt.   Dennoch sieht Otto Grund zur Hoffnung: »Wenn wir aufhören, fossile Brennstoffe zu verbrennen, dann hört die globale Mitteltemperatur auf zu steigen.« Sie kritisiert den Einfluss der fossilen Industrie auf die Politik und dass die Debatte zu oft als Verzichtsdiskussion geführt werde. Dabei sei Klimaschutz für weitaus mehr bedeutsam: für ein zugängliches Gesundheitswesen, starke Institutionen und um gute Bildung zu ermöglichen und zu bewahren. »Beim Klimawandel geht es nicht nur darum, eine abstrakte Umwelt zu schützen, sondern eine hohe Lebensqualität für viele Menschen zu erreichen.« Die dafür nötigen Maßnahmen – Ausbau erneuerbarer Energien, bessere Gebäudeisolierung, öffentlicher Nahverkehr – seien längst bekannt und günstiger als fossile Alternativen.  Ottos abschließende Antwort auf die N1F-Frage ist: Ja, die Welt ist noch zu retten. »Wir als Menschheit verbocken zwar immer wieder viel, aber wir haben auch viele tolle Sachen erfunden, die das Leben für viele deutlich besser gemacht haben.«   Produktion: ifbbw, Pool ArtistsRedaktion: Sophie Hübner, Jens Lubbadeh, Sophia HubelVisuelle Produktion: Michael Pfister Alle Folgen des Podcasts finden Sie hier. Abonnieren Sie auch unseren N1F-Newsletter.Fragen, Kritik, Anregungen? Schreiben Sie eine Mail an n1f@zeit.de.
  • Ist Made in Germany am Ende, Moritz Schularick? 18.05.2026 53мин
    Deutschland steckt in einer Wirtschaftskrise. Das jahrzehntelange Erfolgsmodell des Exportweltmeisters funktioniert nicht mehr. Was Ökonom Moritz Schularick rät.  Im Podcast »Nur eine Frage« stellt ZEIT-Chefredakteur Jochen Wegner einfache, aber grundlegende Fragen, auf die eine klare Antwort schwer zu finden ist. Er befragt die bestmögliche Expertin, den bestmöglichen Experten, den wir für das jeweilige Thema finden können – und versucht, eine klare Antwort zu bekommen.   Made in Germany galt lange Zeit als Gütesiegel für Ingenieurskunst, Qualität und Exportstärke. Deutsche Autos waren gefragt in aller Welt und Garant für Wirtschaftsstärke und Wohlstand. Vorbei. Die deutsche Wirtschaft schwächelt: Auf die Kriege in der Ukraine und im Iran folgten Energiekrisen mit Preisschocks, anhaltende Inflation verunsichert seit Jahren Wirtschaft und Verbraucher und zuletzt reagierten wichtige deutsche Unternehmen wie Volkswagen mit massivem Stellenabbau auf teils hohe Gewinneinbrüche. Woran liegt's? Sind die Deutschen nicht innovativ, nicht mutig oder gar nicht fleißig genug?  Ist Made in Germany am Ende? Das fragen wir in der aktuellen Ausgabe des ZEIT-Podcasts Nur eine Frage den Ökonomen Moritz Schularick. Er ist Präsident des Kiel Instituts für Weltwirtschaft und eine der gefragtesten ökonomischen Stimmen Deutschlands. Schularick forscht und publiziert unter anderem zur Geschichte der Finanzmärkte, zu Populismus und den Ursachen sozialer Ungleichheit. In der Öffentlichkeit äußert er sich häufig zu Wirtschaftsfragen, übt Kritik und gibt politische Ratschläge. 2021 erschien sein Buch Der entzauberte Staat. Was Deutschland aus der Pandemie lernen muss, in dem er das Krisenmanagement der Bundesrepublik während der Coronapandemie kritisierte.   Schularick sagt: Das alte export- und industriezentrierte Wachstumsmodell der Bundesrepublik hat seine beste Zeit hinter sich. Deutschland sei über Jahre hinweg zu oft rückwärts in die Zukunft gelaufen – gebremst durch eine Mischung aus Trägheit nach dem Erfolg, Bürokratie und Regulierung sowie politischer Reformunfähigkeit. Vieles, was früher Wettbewerbsvorsprung bedeutete, lässt sich inzwischen leicht nachbauen. Entscheidend werde deshalb sein, wie schnell und wie mutig Deutschland Innovation zulasse: »Versuch und Irrtum« müsse wieder Teil der nationalen DNA werden – nicht nur als Idee, sondern als umsetzbare Praxis.  Dabei geht Schularick im Gespräch nicht nur auf Wirtschaftspolitik, sondern auch auf das Fundament dahinter ein: Wie handlungsfähig ist der Staat wirklich? Wie viel Energie steckt das System in die Gegenwart, statt in die Zukunft – etwa beim Thema Rentenpolitik? Und warum fühlt sich das Land in existenziellen Fragen zunehmend abhängig, statt souverän zu reagieren?  Am Ende macht er dennoch Hoffnung – nicht als Wunschdenken, sondern mit konkreten Feldern: Resilienz und Sicherheit, vor allem aber der europäische Binnenmarkt und Reformen, die Wettbewerbsfähigkeit ohne »großen Geldregen« anschieben könnten. Made in Germany sei vorbei für die Güter der zweiten industriellen Revolution – doch dass in Deutschland weiter produziert werden wird, steht für ihn nicht zur Debatte. Die eigentliche Frage lautet: Kann Deutschland wieder dynamischer und innovativer werden?  Produktion: ifbbw, Pool Artists Redaktion: Carl Friedrichs, Jens Lubbadeh  Fragen, Kritik, Anregungen? Schreiben Sie eine Mail an n1f@zeit.de. Alle N1F-Folgen finden Sie unter www.zeit.de/n1f. Dort können Sie auch den N1F-Newsletter abonnieren. 
  • KI-Übersetzung: Sind unsere Kinder glücklicher ohne soziale Medien, Jonathan Haidt? 29.04.2026 55мин
    Im ZEIT-Podcast Nur eine Frage stellt ZEIT-Chefredakteur Jochen Wegner einfache, aber grundlegende Fragen, die viele von uns umtreiben, auf die eine klare Antwort jedoch schwer zu finden ist. Wir befragen die bestmögliche Expertin, den bestmöglichen Experten, den wir für das jeweilige Thema finden können.  In dieser Folge von Nur eine Frage stellen wir dem Sozialpsychologen Jonathan Haidt die Frage: »Sind unsere Kinder glücklicher ohne soziale Medien?«  Jonathan Haidt, 62, ist ein US-amerikanischer Sozialpsychologe und Professor an der renommierten NYU Stern School of Business. Sein 2024 erschienenes Buch Generation Angst über die Schäden, die Smartphones und soziale Medien bei Kindern anrichten, stand mehr als 100 Wochen auf der Bestsellerliste der New York Times. 2026 ist sein Kinderratgeber Generation Glücklich erschienen, den er gemeinsam mit der US-Autorin Catherine Price verfasst hat.   Mehrere Länder haben damit begonnen, Smartphones aus dem Unterricht zu verbannen und ein Social-Media-Verbot für Jugendliche zu erlassen. Maßgeblich dafür verantwortlich sein dürfte Haidt, der seit Jahren vor den Gefahren von Smartphones und sozialen Medien warnt und zu eben jenen Maßnahmen rät.   Im Podcast begründet er, warum er soziale Medien für so gefährlich für Jugendliche und Kinder hält: Auf Plattformen wie Snapchat oder Instagram sind Jugendliche Sextortion ausgesetzt, also sexueller Erpressung. Alleine Snapchat berichte von rund 10.000 Hinweisen auf Sextortion-Vorfälle – pro Monat, sagt Haidt. Auch Cyberbullying, also die Schikane durch Mitschüler, sei ein großes Problem für Jugendliche. Anders als früher, als sich Schikane vorwiegend im lokalen Umfeld bewegte, verstärken soziale Medien das Problem immens.    Das zweite Problem, das Haidt sieht: »Der durchschnittliche US-amerikanische Teenager verbringt fünf Stunden am Tag in sozialen Medien. In Deutschland ist die Zahl etwas geringer. Hinzu kommen drei bis fünf Stunden mit anderen Bildschirmaktivitäten.« Die Folgen: Jugendliche bewegen sich zu wenig, bekommen nicht mehr genügend Schlaf und knüpfen weniger echte soziale Kontakte.   Und letztlich sorgt sich Haidt noch um die indirekten Effekte sozialer Medien auf Jugendliche: Die Zahl der Angststörungen, Depressionen und Selbstverletzungen unter Jugendlichen habe seit dem Jahr 2010 massiv zugenommen. Für Haidt ist der Fall klar: Das ist genau die Zeit, als Smartphones sich auf der ganzen Welt ausbreiteten und Social-Media-Plattformen wie Facebook beliebt wurden.   Er sieht darin den Hauptgrund für die Zunahme psychischer Erkrankungen bei Jugendlichen. Andere Forscher kritisieren diese Schlussfolgerung als vorschnell und verweisen auf mögliche andere belastende Faktoren wie die Klimakrise, die Finanzkrise und die Opioidkrise. Tatsächlich ist ein kausaler Zusammenhang zwischen Social Media und psychischen Erkrankungen nur schwer zu belegen – einfach, weil Smartphones überall sind und es keine Vergleichsgruppe gibt, die ohne diese Geräte lebt. Doch selbst wenn dieser Zusammenhang nur schwer beweisbar ist – »Social Media ist eine Plage für unsere Kinder«, sagt Haidt im Podcast.   Produktion: ifbbw, Pool Artists Redaktion: Lisa Hegemann, Jens Lubbadeh Alle Folgen des Podcasts finden Sie hier. Abonnieren Sie auch unseren N1F-Newsletter. Fragen, Kritik, Anregungen? Schreiben Sie eine Mail an n1f@zeit.de. 
  • Englische Originalfolge: Are Our Children Happier Without Social Media, Jonathan Haidt? 29.04.2026 51мин
    US-Psychologe Jonathan Haidt sieht die Kindheit bedroht: durch Smartphones, soziale Medien und KI-Teddybären. Auch Computer im Klassenzimmer seien falsch. Hat er recht?   Im ZEIT-Podcast Nur eine Frage stellt ZEIT-Chefredakteur Jochen Wegner einfache, aber grundlegende Fragen, die viele von uns umtreiben, auf die eine klare Antwort jedoch schwer zu finden ist. Wir befragen die bestmögliche Expertin, den bestmöglichen Experten, den wir für das jeweilige Thema finden können.  In dieser Folge von Nur eine Frage stellen wir dem Sozialpsychologen Jonathan Haidt die Frage: »Sind unsere Kinder glücklicher ohne soziale Medien?«  Jonathan Haidt, 62, ist ein US-amerikanischer Sozialpsychologe und Professor an der renommierten NYU Stern School of Business. Sein 2024 erschienenes Buch Generation Angst über die Schäden, die Smartphones und soziale Medien bei Kindern anrichten, stand mehr als 100 Wochen auf der Bestsellerliste der New York Times. 2026 ist sein Kinderratgeber Generation Glücklich erschienen, den er gemeinsam mit der US-Autorin Catherine Price verfasst hat.   Mehrere Länder haben damit begonnen, Smartphones aus dem Unterricht zu verbannen und ein Social-Media-Verbot für Jugendliche zu erlassen. Maßgeblich dafür verantwortlich sein dürfte Haidt, der seit Jahren vor den Gefahren von Smartphones und sozialen Medien warnt und zu eben jenen Maßnahmen rät.   Im Podcast begründet er, warum er soziale Medien für so gefährlich für Jugendliche und Kinder hält: Auf Plattformen wie Snapchat oder Instagram sind Jugendliche Sextortion ausgesetzt, also sexueller Erpressung. Alleine Snapchat berichte von rund 10.000 Hinweisen auf Sextortion-Vorfälle – pro Monat, sagt Haidt. Auch Cyberbullying, also die Schikane durch Mitschüler, sei ein großes Problem für Jugendliche. Anders als früher, als sich Schikane vorwiegend im lokalen Umfeld bewegte, verstärken soziale Medien das Problem immens.    Das zweite Problem, das Haidt sieht: »Der durchschnittliche US-amerikanische Teenager verbringt fünf Stunden am Tag in sozialen Medien. In Deutschland ist die Zahl etwas geringer. Hinzu kommen drei bis fünf Stunden mit anderen Bildschirmaktivitäten.« Die Folgen: Jugendliche bewegen sich zu wenig, bekommen nicht mehr genügend Schlaf und knüpfen weniger echte soziale Kontakte.   Und letztlich sorgt sich Haidt noch um die indirekten Effekte sozialer Medien auf Jugendliche: Die Zahl der Angststörungen, Depressionen und Selbstverletzungen unter Jugendlichen habe seit dem Jahr 2010 massiv zugenommen. Für Haidt ist der Fall klar: Das ist genau die Zeit, als Smartphones sich auf der ganzen Welt ausbreiteten und Social-Media-Plattformen wie Facebook beliebt wurden.   Er sieht darin den Hauptgrund für die Zunahme psychischer Erkrankungen bei Jugendlichen. Andere Forscher kritisieren diese Schlussfolgerung als vorschnell und verweisen auf mögliche andere belastende Faktoren wie die Klimakrise, die Finanzkrise und die Opioidkrise. Tatsächlich ist ein kausaler Zusammenhang zwischen Social Media und psychischen Erkrankungen nur schwer zu belegen – einfach, weil Smartphones überall sind und es keine Vergleichsgruppe gibt, die ohne diese Geräte lebt. Doch selbst wenn dieser Zusammenhang nur schwer beweisbar ist – »Social Media ist eine Plage für unsere Kinder«, sagt Haidt im Podcast.   Produktion: ifbbw, Pool Artists Redaktion: Lisa Hegemann, Jens Lubbadeh Alle Folgen des Podcasts finden Sie hier. Abonnieren Sie auch unseren N1F-Newsletter. Fragen, Kritik, Anregungen? Schreiben Sie eine Mail an n1f@zeit.de. 
  • Gibt es Zeit, Martin Bojowald? 22.04.2026 40мин
    Im ZEIT-Podcast »Nur eine Frage« stellt ZEIT-Chefredakteur Jochen Wegner einfache, aber grundlegende Fragen, die viele von uns umtreiben, auf die eine klare Antwort jedoch oft schwer zu finden ist. Wir befragen die bestmögliche Expertin, den bestmöglichen Experten, den wir für das jeweilige Thema finden können.   In dieser Folge von Nur eine Frage stellen wir dem theoretischen Physiker Martin Bojowald eine der fundamentalsten Fragen überhaupt: »Gibt es Zeit?«   Martin Bojowald wurde 1973 in Nordrhein-Westfalen geboren. Er forscht und lehrt an der Penn State University in den USA und gilt als einer der führenden Köpfe der Schleifenquantengravitation – einer Theorie, die versucht, Einsteins Allgemeine Relativitätstheorie mit der Quantenmechanik zu vereinen. Bereits kurz nach seiner Doktorarbeit formulierte Bojowald grundlegende Ideen, die ihm weltweit Aufmerksamkeit einbrachten: So glaubt der Physiker, dass vor unserem Universum ein anderes Universum existiert hat. Es könnte also eine Zeit vor der Zeit gegeben haben.   Im Podcast erläutert Martin Bojowald, was Zeit zu erklären so schwierig macht: Einerseits komme sie uns so alltäglich und natürlich vor. »Wir reden ständig über die Zeit, es klingt völlig selbstverständlich – aber wenn man genau hinsieht, ist es alles andere als leicht, Zeit wirklich zu definieren oder sie direkt zu messen.« Denn Uhren messen nicht die Zeit, sondern beobachten immer nur Veränderungen von Materie: die Bewegung von Uhrzeigern, den Zerfall von Atomen, die Rotation der Erde. Aber was ist Zeit dann überhaupt? Bojowald muss passen: »Tatsächlich haben wir keine wirklich gute Definition von Zeit.« Rätselhaft ist zudem eine besondere Eigenschaft, die Zeit besitzt: Als einzige der vier Dimensionen hat sie nur eine Richtung – von der Vergangenheit in die Zukunft, aber niemals umgekehrt. Warum? »Es gibt zurzeit keine wirkliche Erklärung dafür«, sagt Bojowald. Im Gespräch erläutert der Physiker die Konsequenzen aus der Schleifenquantengravitation: Dieser Theorie zufolge wäre der Raum kein Kontinuum, sondern bestünde aus kleinsten Einheiten, ähnlich wie Pixel bei einem Bild. Auch für die Zeit hätte das Konsequenzen, denn laut Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie ist sie untrennbar mit dem Raum verbunden. Auch sie bestünde dann aus kleinsten Einheiten, der sogenannten Planck-Zeit: Sie beträgt 5,4 mal 10 hoch minus 44 Sekunden – eine unvorstellbar kleine Zahl.   Die Schleifenquantengravitation verträgt sich auch nicht mit der Urknalltheorie. Im Gespräch erklärt Bojowald, dass seinem Modell zufolge die ansonsten immer anziehende Gravitationskraft bei extrem hoher Dichte plötzlich abstoßend wirkt. »Wenn es ein kollabierendes Vorgängeruniversum gegeben hat, könnte bei hoher Dichte der Kollaps aufgehalten und in eine Expansion umgekehrt worden sein«, sagt Bojowald. Aber: Auch die Zeit wäre dann nicht mit dem Urknall entstanden, wie es laut der gängigen Urknalltheorie der Fall war.   Bojowald arbeitet an der Vereinigung von Quantenphysik und Gravitation zur sogenannten »Weltformel« – ein Projekt, an dem Physiker seit rund einhundert Jahren vergeblich sitzen. Dennoch ist Bojowald optimistisch: »Es gibt spürbaren Fortschritt: Das mathematische Verständnis wächst, es werden neue Modelle entwickelt, die sich zumindest teilweise analysieren lassen. Daraus gewinnt man ein besseres Verständnis und kann wieder zu den Gleichungen zurückkehren, um sie ein Stück weiter zu verallgemeinern.« Dass künstliche Intelligenz einmal die Weltformel liefern wird, glaubt er nicht: Die grundlegend neuen Gleichungen zu finden, die dafür nötig wären, »verlangt Intuition«.   Bojowalds abschließende Antwort auf die zentrale Frage des Podcasts, ob es die Zeit gibt, lautet: »Ja.« Wenn er wetten müsste – einen Kasten Bier oder sein Haus –, würde er darauf setzen, dass die Zeit fundamental ist, also eine Grundeigenschaft des Universums. Einfach, weil sie so viele besondere Eigenschaften hat, di
  • Wiederholt sich Geschichte, Ute Frevert? 08.04.2026 1ч 20мин
    Früher hieß es: Roboter nehmen uns die Jobs weg, der Wald stirbt. Und heute? KI nimmt uns die Jobs weg, der Klimawandel bedroht uns. Drehen wir uns im Kreis?  Im Podcast "Nur eine Frage" stellt ZEIT-Chefredakteur Jochen Wegner einfache, aber grundlegende Fragen, auf die eine klare Antwort schwer zu finden ist. Er befragt die bestmögliche Expertin, den bestmöglichen Experten, den wir für das jeweilige Thema finden können – und versucht, eine klare Antwort zu bekommen.   Roboter nehmen uns die Jobs weg, der Wald stirbt – das sagten die Menschen in den Achtzigerjahren. Heute heißt es: KI nimmt uns die Jobs weg, das Klima kippt. Dazu kommen Brexit, Maga, AfD – überall der Wunsch, zu alten Zeiten zurückzukehren. Und ein Krieg in Europa, den kaum jemand für möglich gehalten hätte. Wer die Nachrichten verfolgt, denkt unwillkürlich: Hatten wir das nicht alles schon einmal? Sorge vor neuer Technik, Angst vor Umweltzerstörung, Überdruss an der Demokratie – drehen wir uns im Kreis?   Wir wollen in der neuen Folge von Nur eine Frage von Historikerin Ute Frevert wissen: Wiederholt sich Geschichte? Ute Frevert ist eine der prägendsten Historikerinnen Deutschlands. Sie war Direktorin am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin und hat dort den Forschungsbereich "Geschichte der Gefühle" aufgebaut und geleitet. Frevert lehrte auch in Bielefeld sowie Yale und ist Trägerin des Leibniz-Preises.   Im Gespräch geht es um die großen Muster der Geschichte – und ihre Grenzen: So glaubte der erste Geschichtsschreiber Thukydides an die ewige Wiederkehr der Geschichte. Für Thukydides, sagt Frevert, war Geschichte im Grunde eine Anleitung: Wer die Muster der Vergangenheit kennt, kann klüger handeln. Diese Ansicht hielt sich jahrhundertelang. Doch sie täuscht, betont die Historikerin. Zwar gebe es wiedererkennbare Muster – in der Angst vor neuer Technologie, im Aufstieg und Fall von Imperien, in der Sehnsucht nach starken Führern. Doch mindestens genauso prägend seien die Überraschungen, die Zufälle, das Nichtableitbare. "Wenn man genau hinschaut, sieht man mehr Unterschiede als Ähnlichkeiten", sagt Frevert. So spiele der Zufall in der Geschichte eine sehr große Rolle. Frevert nennt die Französische Revolution oder den Fall der Berliner Mauer als Beispiele für solche überraschenden und alles verändernden Wendungen. "Geschichte lässt sich nicht einsortieren. Sie überrascht uns immer wieder – und genau das macht sie so faszinierend und so wichtig."   Weiterhin analysiert Frevert im Gespräch, wie und warum Politiker wie Putin, Xi Jinping und Donald Trump dennoch suggerieren, dass Geschichte sich in großen Bögen abspiele. Sie geht auch darauf ein, inwieweit historische Vergleiche wie USA und Römisches Reich, Bundesrepublik und Weimarer Republik zulässig oder irreführend sind. Und weshalb Gefühle Geschichte nicht nur begleiten, sondern sie verändern können.   Produktion: ifbbw   Redaktion: Jens Lubbadeh, Carl Friedrichs   Fragen, Kritik, Anregungen? Schreiben Sie eine Mail an n1f@zeit.de. Alle "N1F"-Folgen finden Sie unter www.zeit.de/n1f. Dort können Sie auch den "N1F"-Newsletter abonnieren.
  • Will our children still need a driver's license, Dmitri Dolgov? 25.03.2026 48мин
    In San Francisco kann man die Zukunft sehen: Hier rollen selbstfahrende Autos durch die Straßen. Waymo-Chef Dmitri Dolgov erklärt, wie es zu dieser Revolution kam. Im Podcast "Nur eine Frage" stellt ZEIT-Chefredakteur Jochen Wegner einfache, aber grundlegende Fragen, auf die eine klare Antwort schwer zu finden ist. Er befragt die bestmögliche Expertin, den bestmöglichen Experten, den wir für das jeweilige Thema finden können – und versucht, eine klare Antwort zu bekommen. "Die ausgereifteste Verkörperung von künstlicher Intelligenz in der physischen Welt" nennt Dmitri Dolgov die selbstfahrenden Autos, die seine Firma betreibt. Der russisch-amerikanische Mathematiker und Physiker gehörte 2009 zu den Gründern von Googles geheimem Programm für selbstfahrende Autos. Heute ist Dolgov Co-Chef von Waymo, einem Schwesterunternehmen von Google.  In dieser Folge des ZEIT-Podcasts Nur eine Frage sprechen ZEIT-Chefredakteur Jochen Wegner und Silicon-Valley-Korrespondent Nicolas Killian mit Dolgov über die Frage, ob wir in Zukunft noch selbst Auto fahren müssen.  In San Francisco und in neun weiteren amerikanischen Städten gehören die selbstfahrenden Waymo-Autos mit ihren auffälligen Sensoren längst zum Stadtbild. Man bestellt sie per App, und sie bringen einen nahezu überallhin. Fast zwei Millionen Fahrten absolvieren die Roboterautos jeden Monat. Waymo hat damit weitgehend den lang gehegten Traum vom selbstfahrenden Auto verwirklicht. Im Podcast erklärt Dolgov, wie autonome Fahrzeuge in den vergangenen 15 Jahren von ersten Prototypen zu alltagstauglichen Transportmitteln geworden sind. Das Unternehmen expandiert in immer mehr Städte. Auch in Deutschland bereitet Waymo den Markteintritt vor und hat bereits eine Lobbyistin eingestellt. "Wir werden definitiv nach Berlin kommen", sagt Dolgov. Einen genauen Zeitplan will er nicht nennen, aber zur Ausgangsfrage, ob man in 15 Jahren in Berlin noch einen Führerschein braucht, sagt er: "Selbstfahrende Fahrzeuge werden überall sein." Produktion: ifbbw, Pool ArtistsRedaktion: Lisa Hegemann, Jakob von LindernHinweis: Die Untertitel im Video wurden mithilfe von KI-Tools erstellt. Alle Folgen des Podcasts finden Sie hier. Abonnieren Sie auch unseren N1F-Newsletter. Fragen, Kritik, Anregungen? Schreiben Sie eine Mail an n1f@zeit.de.  
  • Is life just a coincidence, Jack Szostak? 11.03.2026 45мин
    Blausäure, sagt Jack Szostak, sei "ein großartiger Weg, um Leben in Gang zu bringen". Der Satz klingt wie ein Paradox, stammt aber von einem der klügsten Köpfe der Biochemie: Jack Szostak erhielt 2009 den Nobelpreis für Medizin für die Erforschung der Telomere, der Schutzkappen der Chromosomen. Seit vielen Jahren untersucht er, wie vor vier Milliarden Jahren auf der noch jungen, unbelebten Erde das Leben entstand.   Eine schwierige Aufgabe, denn von den Anfängen des Lebens auf der Erde gibt es keine erhaltenen Fossilien. Und zudem ist es schon schwierig, zu definieren, was Leben eigentlich ist. Für Szostak beginnt es dort, wo Darwinsche Evolution einsetzt: sobald ein System sich selbst vervielfältigt, dabei Fehler macht und eine Selektion beginnt. Weiteres Kriterium: Alles irdische Leben auf Erden basiert auf Zellen. Der gemeinsame Vorfahre allen heutigen Lebens – unter Forschern auch Luca genannt (Last Universal Common Ancestor) – muss eine einfache Protozelle gewesen sein, bestehend aus einer primitiven Zellmembran und wahrscheinlich sehr kleinen Stückchen genetischer Information. Jack Szostak glaubt, dass dieser Informationsträger wahrscheinlich aus RNA bestand. Der Grund: RNA-Moleküle können sich selbst kopieren. Umhüllt von einer primitiven Membran, die sich schon aus einfachen Fettsäuren in Wasser selbst bildet, entsteht ein System, das sich selbst erhält. Das ist der Moment, in dem Chemie zu Biologie wird.  Im Gespräch erzählt Szostak, dass die Entstehung des Lebens unvermeidlich und unwahrscheinlich zugleich war: eine Kette physikalisch-chemischer Prozesse, die sich logisch erklären lässt und doch im Rückblick wie ein kosmischer Zufall wirkt. Ob es auch anderswo im Universum Leben gibt? "Vielleicht ist das Leben häufig. Vielleicht sind wir allein", sagt Szostak. "Ich weiß es nicht – und ich bin sehr zufrieden damit, das zuzugeben." Und wenn wir außerirdisches Leben fänden? "Das würde das Bild völlig verändern. Das würde uns sagen: Es ist kein unglaublich seltener und schwieriger Prozess." Doch der Forscher warnt auch: Das Wissen um den Ursprung des Lebens eröffnet gefährliche Möglichkeiten. Würde man ein "Spiegelbild-Bakterium erschaffen – eine exakte, aber molekular invertierte Kopie –, wäre es immun gegen alle bekannten Viren und möglicherweise auch gegen das menschliche Immunsystem. "Das wäre potenziell schlimmer als ein Atomkrieg", sagt Szostak. Und dennoch überwiegt in seinem Denken die Neugier, nicht die Angst. Vielleicht, so hofft er, wird künstliche Intelligenz eines Tages helfen, die letzten fehlenden Glieder der Kette zu finden – oder sogar neues Leben zu simulieren. Produktion: Pool ArtistsRedaktion: Jens Lubbadeh Fragen, Kritik, Anregungen? Schreiben Sie eine Mail an n1f@zeit.de. Alle N1F-Folgen finden Sie unter www.zeit.de/n1f. Dort können Sie auch den N1F-Newsletter abonnieren.
  • KI-Übersetzung: Ist das Leben ein Zufall, Jack Szostak? 11.03.2026 47мин
    Blausäure, sagt Jack Szostak, sei "ein großartiger Weg, um Leben in Gang zu bringen". Der Satz klingt wie ein Paradox, stammt aber von einem der klügsten Köpfe der Biochemie: Jack Szostak erhielt 2009 den Nobelpreis für Medizin für die Erforschung der Telomere, der Schutzkappen der Chromosomen. Seit vielen Jahren untersucht er, wie vor vier Milliarden Jahren auf der noch jungen, unbelebten Erde das Leben entstand.   Eine schwierige Aufgabe, denn von den Anfängen des Lebens auf der Erde gibt es keine erhaltenen Fossilien. Und zudem ist es schon schwierig, zu definieren, was Leben eigentlich ist. Für Szostak beginnt es dort, wo Darwinsche Evolution einsetzt: sobald ein System sich selbst vervielfältigt, dabei Fehler macht und eine Selektion beginnt. Weiteres Kriterium: Alles irdische Leben auf Erden basiert auf Zellen. Der gemeinsame Vorfahre allen heutigen Lebens – unter Forschern auch Luca genannt (Last Universal Common Ancestor) – muss eine einfache Protozelle gewesen sein, bestehend aus einer primitiven Zellmembran und wahrscheinlich sehr kleinen Stückchen genetischer Information. Jack Szostak glaubt, dass dieser Informationsträger wahrscheinlich aus RNA bestand. Der Grund: RNA-Moleküle können sich selbst kopieren. Umhüllt von einer primitiven Membran, die sich schon aus einfachen Fettsäuren in Wasser selbst bildet, entsteht ein System, das sich selbst erhält. Das ist der Moment, in dem Chemie zu Biologie wird.  Im Gespräch erzählt Szostak, dass die Entstehung des Lebens unvermeidlich und unwahrscheinlich zugleich war: eine Kette physikalisch-chemischer Prozesse, die sich logisch erklären lässt und doch im Rückblick wie ein kosmischer Zufall wirkt. Ob es auch anderswo im Universum Leben gibt? "Vielleicht ist das Leben häufig. Vielleicht sind wir allein", sagt Szostak. "Ich weiß es nicht – und ich bin sehr zufrieden damit, das zuzugeben." Und wenn wir außerirdisches Leben fänden? "Das würde das Bild völlig verändern. Das würde uns sagen: Es ist kein unglaublich seltener und schwieriger Prozess." Doch der Forscher warnt auch: Das Wissen um den Ursprung des Lebens eröffnet gefährliche Möglichkeiten. Würde man ein "Spiegelbild-Bakterium erschaffen – eine exakte, aber molekular invertierte Kopie –, wäre es immun gegen alle bekannten Viren und möglicherweise auch gegen das menschliche Immunsystem. "Das wäre potenziell schlimmer als ein Atomkrieg", sagt Szostak. Und dennoch überwiegt in seinem Denken die Neugier, nicht die Angst. Vielleicht, so hofft er, wird künstliche Intelligenz eines Tages helfen, die letzten fehlenden Glieder der Kette zu finden – oder sogar neues Leben zu simulieren. Produktion: ifbbw, Pool ArtistsRedaktion: Jens Lubbadeh Fragen, Kritik, Anregungen? Schreiben Sie eine Mail an n1f@zeit.de. Alle N1F-Folgen finden Sie unter www.zeit.de/n1f. Dort können Sie auch den N1F-Newsletter abonnieren.
  • Ist die Welt verrückt, Peter Zoller? 25.02.2026 1ч 6мин
    Im ZEIT-Podcast "Nur eine Frage" stellen wir einfache, aber grundlegende Fragen, die viele von uns umtreiben, auf die eine klare Antwort oft schwer zu finden ist. Wir befragen die bestmögliche Expertin, den bestmöglichen Experten, den wir für das jeweilige Thema finden können – so lange, bis wir eine definitive Antwort bekommen. In dieser Folge fragen wir den theoretischen Physiker Peter Zoller: Ist die Welt verrückt? Teilchen, die mal Welle, mal Teilchen sind – je nachdem, ob man hinschaut. Verschränkte Objekte, die über Galaxien hinweg instantan verbunden scheinen. Zufall, der nicht auf Unwissen beruht, sondern fundamental in der Natur steckt. 100 Jahre nach ihrer Begründung erscheint die Quantenmechanik noch immer absurd. Werden wir sie jemals verstehen? Peter Zoller ist Professor für Theoretische Physik an der Universität Innsbruck und Emeritus Research Director am Institut für Quantenoptik und Quanteninformation der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. 1995 lieferte er gemeinsam mit Ignacio Cirac einen Bauplan für einen Quantencomputer – das Ionenfallenmodell –, das heute zu den führenden Technologien auf diesem Gebiet gehört. Im Podcast erklärt Zoller die Grundpfeiler der Quantenmechanik: warum das berühmte Doppelspaltexperiment unser Weltbild erschüttert, was Einsteins "spukhafte Fernwirkung" wirklich bedeutet und weshalb die Experimente von Alain Aspect, John Clauser und Anton Zeilinger – ausgezeichnet mit dem Nobelpreis 2022 – Einstein am Ende widerlegten. Er erläutert, warum Schrödingers Katze im Alltag nie gleichzeitig tot und lebendig sein kann und warum der Zufall in der Natur nicht auf Unwissenheit beruht, sondern echt und fundamental ist. Zoller gibt aber auch Einblicke in die Praxis: Wie fängt man einzelne Atome in einer Falle? Warum sind Atome perfekte Qubits – ganz ohne Fabrikationsfehler? Und warum braucht es noch 10 bis 20 Jahre, bis Quantencomputer weltverändernde Anwendungen ermöglichen? Dabei zieht er Parallelen zur künstlichen Intelligenz, deren Grundideen ebenfalls Jahrzehnte brauchten, bevor die Hardware ihren Durchbruch erlaubte. "Unter der Woche sind wir Quanteningenieure", sagt Zoller. "Aber am Sonntagmorgen beim Kaffee denke ich schon nach: Was ist hier eigentlich passiert?" Seine Antwort auf die Titelfrage: "Nicht die Welt ist verrückt – wir denken zu kleinkariert. Die Natur ist viel komplexer und offener, als unser Denken es zulässt. Die Einschränkung liegt bei uns, nicht bei der Welt." Produktion: ifbbw, Pool Artists Redaktion: Jens Lubbadeh Alle Folgen unseres Podcasts finden Sie hier. Fragen, Kritik, Anregungen? Schreiben Sie eine Mail an n1f@zeit.de.
  • Englische Originalfolge: Are young people losing trust in traditional media, Richard Edelman? 11.02.2026 34мин
    Der PR-Chef Richard Edelman erhebt jedes Jahr das "Trust Barometer". Seine Erkenntnisse sind beunruhigend. Für die klassischen Medien hat er ein paar Tipps. Im ZEIT-Podcast "Nur eine Frage" stellt ZEIT-Chefredakteur Jochen Wegner einfache, aber grundlegende Fragen, die viele von uns umtreiben, auf die eine klare Antwort jedoch oft schwer zu finden ist. Wir befragen die bestmögliche Expertin, den bestmöglichen Experten, den wir für das jeweilige Thema finden können. Morgens die Zeitung aufschlagen, abends die tagesschau im Fernsehen gucken, und am Wochenende den Spiegel oder DIE ZEIT lesen? Über Generationen waren das die Hauptquellen der Deutschen, um sich zu informieren. Diese Zeiten sind vorbei. Es hat eine dramatische Verschiebung stattgefunden: Jüngere Menschen der Gen Z nutzen kaum noch traditionelle Medien und erhalten ihre Informationen vorwiegend oder fast ausschließlich über soziale Medien wie TikTok oder Instagram.  Warum ist das so? Verlieren junge Menschen das Vertrauen in traditionelle Medien? Diese Frage stellen wir in der neuen Ausgabe von Nur eine Frage dem PR-Experten Richard Edelman.  Edelman ist CEO der Kommunikationsberatung Edelman PR. Seit 25 Jahren veröffentlicht er jedes Jahr das Trust Barometer – eine jährliche weltweite Umfrage, in der er das Vertrauen der Menschen in zentrale Institutionen wie Regierung, Unternehmen, Medien und NGOs untersucht. Im N1F-Gespräch erklärt Edelman, dass junge Menschen Institutionen und damit auch den Medien zunehmend misstrauen. Er beschreibt eine Generation, die Nachrichten eher über Peers und Social-Media-Communitys validiert, als auf etablierte Marken und Experten zu vertrauen – eine Entwicklung, die sich seit der Pandemie stark beschleunigt hat. Laut Edelman können fast zwei Drittel der jungen Menschen zudem nicht mehr sicher unterscheiden, ob eine Nachricht von einer seriösen Quelle stammt oder Desinformation ist. Ein Befund, der weitreichende Folgen für Journalismus, Politik und Wirtschaft hat. Mit Blick auf Deutschland verbindet Edelman den Vertrauensrückgang in die Institutionen eng mit wirtschaftlicher Stagnation und Abstiegsängsten. "Nur wenige glauben noch, dass sie mal einen festen Job, ein höheres Einkommen als ihre Eltern oder gar ein eigenes Haus besitzen werden." Die ökonomischen Sorgen – von Jobangst über KI bis hin zu steigenden Lebenshaltungskosten – nähren den Groll unter den Menschen und das Gefühl, vom System benachteiligt zu sein. Eine Entwicklung, die zunehmend besorgniserregend ist und vor allem bei jungen Menschen ausgeprägter wird: Über die Hälfte der jungen Erwachsenen hält inzwischen gewaltsame Aktionen für legitime Mittel der Veränderung. Edelman fordert eine glaubwürdige Zukunftserzählung: "Die Menschen möchten die Chance auf eine Verbesserung ihrer Lage sehen, wenn sie hart arbeiten." Was bedeutet das für die klassischen Medien? "Sie konkurrieren um Aufmerksamkeit, gegen Unterhaltungsangebote wie YouTube, TikTok. Sie sollten das Beste von diesen neuen Medien übernehmen, ohne ihre Kernkompetenzen zu vernachlässigen." Edelman plädiert für mehr Tempo, mehr Authentizität und mehr Persönlichkeit: Journalismus müsse dahin, wo die jungen Zielgruppen sind – mit einer klaren, wiedererkennbaren Stimme, ohne die Sorgfalt bei der Faktenprüfung zu vernachlässigen. Vertrauen entstehe heute "von unten nach oben", betont Edelman. Durch häufigen Kontakt und echte Interaktion. Klassische Medien sollten weniger auf Klickjagd gehen und stattdessen Orientierung liefern: "Sie sollten den Menschen behilflich sein, mit der Geschwindigkeit des Lebens klarzukommen." Und vor allem: Die Menschen beruhigen und ihnen die "Hoffnung für die Zukunft wiedergeben".   Produktion: Pool Artists, Claudius Dobs Animation: Axel Rudolph Redaktion: Jens Lubbadeh Alle Folgen unseres Podcasts finden Sie hier. Fragen, Kritik, Anregungen? Schreiben Sie eine Mail an n1f@zeit.de. Mehr hören? Dann testen Sie unser Podcast-Abo mit Zugriff auf alle Dokupodcasts und unser Podca
  • KI-Übersetzung: Verlieren junge Menschen das Vertrauen in traditionelle Medien, Richard Edelman? 11.02.2026 30мин
    Der PR-Chef Richard Edelman erhebt jedes Jahr das "Trust Barometer". Seine Erkenntnisse sind beunruhigend. Für die klassischen Medien hat er ein paar Tipps. Im ZEIT-Podcast "Nur eine Frage" stellt ZEIT-Chefredakteur Jochen Wegner einfache, aber grundlegende Fragen, die viele von uns umtreiben, auf die eine klare Antwort jedoch oft schwer zu finden ist. Wir befragen die bestmögliche Expertin, den bestmöglichen Experten, den wir für das jeweilige Thema finden können. Morgens die Zeitung aufschlagen, abends die tagesschau im Fernsehen gucken, und am Wochenende den Spiegel oder DIE ZEIT lesen? Über Generationen waren das die Hauptquellen der Deutschen, um sich zu informieren. Vorbei. Es hat eine dramatische Verschiebung stattgefunden: Jüngere Menschen der Gen Z nutzen kaum noch traditionelle Medien und erhalten ihre Informationen vorwiegend oder fast ausschließlich über soziale Medien wie TikTok oder Instagram.  Warum ist das so? Verlieren junge Menschen das Vertrauen in traditionelle Medien? Diese Frage stellen wir in der neuen Ausgabe von Nur eine Frage dem PR-Experten Richard Edelman.  Edelman ist CEO der Kommunikationsberatung Edelman PR. Seit 25 Jahren veröffentlicht er jedes Jahr das Trust Barometer – eine jährliche weltweite Umfrage, in der er das Vertrauen der Menschen in zentrale Institutionen wie Regierung, Unternehmen, Medien und NGOs untersucht. Im N1F-Gespräch erklärt Edelman, dass junge Menschen Institutionen und damit auch den Medien zunehmend misstrauen. Er beschreibt eine Generation, die Nachrichten eher über Peers und Social-Media-Communitys validiert, als auf etablierte Marken und Experten zu vertrauen – eine Entwicklung, die sich seit der Pandemie stark beschleunigt hat. Laut Edelman können fast zwei Drittel der jungen Menschen zudem nicht mehr sicher unterscheiden, ob eine Nachricht von einer seriösen Quelle stammt oder Desinformation ist. Ein Befund, der weitreichende Folgen für Journalismus, Politik und Wirtschaft hat. Mit Blick auf Deutschland verbindet Edelman den Vertrauensrückgang in die Institutionen eng mit wirtschaftlicher Stagnation und Abstiegsängsten. "Nur wenige glauben noch, dass sie mal einen festen Job, ein höheres Einkommen als ihre Eltern oder gar ein eigenes Haus besitzen werden." Die ökonomischen Sorgen – von Jobangst über KI bis hin zu steigenden Lebenshaltungskosten – nähren den Groll unter den Menschen und das Gefühl, vom System benachteiligt zu sein. Eine Entwicklung, die zunehmend besorgniserregend ist und vor allem bei jungen Menschen ausgeprägter wird: Über die Hälfte der jungen Erwachsenen hält inzwischen gewaltsame Aktionen für legitime Mittel der Veränderung. Edelman fordert eine glaubwürdige Zukunftserzählung: "Die Menschen möchten die Chance auf eine Verbesserung ihrer Lage sehen, wenn sie hart arbeiten." Was bedeutet das für die klassischen Medien? "Sie konkurrieren um Aufmerksamkeit, gegen Unterhaltungsangebote wie YouTube, TikTok. Sie sollten das Beste von diesen neuen Medien übernehmen, ohne ihre Kernkompetenzen zu vernachlässigen." Edelman plädiert für mehr Tempo, mehr Authentizität und mehr Persönlichkeit: Journalismus müsse dahin, wo die jungen Zielgruppen sind – mit einer klaren, wiedererkennbaren Stimme, ohne die Sorgfalt bei der Faktenprüfung zu vernachlässigen. Vertrauen entstehe heute "von unten nach oben", betont Edelman. Durch häufigen Kontakt und echte Interaktion. Klassische Medien sollten weniger auf Klickjagd gehen und stattdessen Orientierung liefern: "Sie sollten den Menschen behilflich sein, mit der Geschwindigkeit des Lebens klarzukommen." Und vor allem: Die Menschen beruhigen und ihnen die "Hoffnung für die Zukunft wiedergeben". Produktion: Pool Artists, Claudius Dobs Animation: Axel Rudolph Redaktion: Jens Lubbadeh Alle Folgen unseres Podcasts finden Sie hier. Fragen, Kritik, Anregungen? Schreiben Sie eine Mail an n1f@zeit.de. Mehr hören? Dann testen Sie unser Podcast-Abo mit Zugriff auf alle Dokupodcasts und unser Podcast-Archiv. Jetzt 4 W
  • Zerstört das Internet die Demokratie, Ralph Hertwig? 28.01.2026 1ч 17мин
    Im neuen Podcast "Nur eine Frage" stellt ZEIT-Chefredakteur Jochen Wegner einfache, aber grundlegende Fragen, auf die eine klare Antwort schwer zu finden ist. Er befragt die bestmögliche Expertin, den bestmöglichen Experten, den wir für das jeweilige Thema finden können – und versucht, Antworten zu bekommen. In dieser Folge geht es um eine der womöglich größten menschlichen Errungenschaften: das Internet. Anfangs wurde es bejubelt als Raum grenzenloser Meinungsfreiheit, der weltweit Demokratiebestrebungen befördern würde. Die Realität heute ist eine andere: Social-Media-Plattformen wie X und Instagram dominieren den digitalen Raum, ihre Algorithmen belohnen Aufregung, während Fake-News, Hass und Hetze nur zögerlich oder gar nicht eingedämmt werden. Hat sich die Demokratie-Maschine Internet ins Gegenteil verkehrt? Zerstört das Internet die Demokratie – das fragen wir dieses Mal bei "Nur eine Frage" den Psychologen und Entscheidungsforscher Ralph Hertwig, Direktor des Forschungsbereichs Adaptive Rationalität am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin. Er beschäftigt sich seit rund fünf Jahren mit den Auswirkungen der Digitalisierung und der sozialen Medien auf die Demokratie – eine Zeit, in der ein Großteil der Forschung hierzu erst entstanden ist. Die Forschung zum Thema ist schwierig: Zum einen lassen sich in der Realität im Vergleich zu Laborbedingungen viel schlechter belastbare Experimente durchführen. Zum anderen ließen die Betreiber der Plattformen kaum unabhängige Forschung zu ihren Effekten zu – sie halten die Algorithmen unter Verschluss, um Geschäftsgeheimnisse zu schützen. Die Zusammenhänge und Wechselwirkungen zwischen digitalen Medien und demokratischen Gesellschaften sind zudem komplex, betont Hertwig. Sich ihre Einflüsse auf demokratische Prozesse anzusehen, sei aber dennoch wichtig – gerade weil sie so verschiedenartig sind. Laut einer Metaanalyse von Hertwig und seinem Forschungsteam können digitale Medien sowohl positive als auch negative Effekte auf Demokratien haben. Positiv wirkt sich offenbar aus, dass Menschen sich Wissen aneignen, politisch teilhaben und unterschiedliche Meinungen kennenlernen können. Zugleich korreliere das Aufkommen digitaler Medien allerdings auch mit Vertrauensverlust in Institutionen, wachsender Polarisierung sowie mehr Hass und Fehlinformationen. Dennoch: Man könne die aktuellen Krisen der Demokratie nicht ausschließlich mit sozialen Medien erklären, sagt der Forscher. Hertwig hebt bestimmte Geschäftsmodelle der großen Plattformen hervor. Ihre Algorithmen, die nach der Logik der sogenannten Aufmerksamkeitsökonomie funktionieren, könnten demokratieschädliche Effekte fördern und extreme Positionen und polarisierende Inhalte favorisieren. Wenn Realitäten verzerrt, Menschen getäuscht und Filterblasen gefördert werden, um Nutzerinteraktionen zu steigern, schade das der Demokratie, sagt Hertwig. Trotz allem plädiert Hertwig für Optimismus. Maßnahmen wie digitale Bildung, Förderung kritischer Denkweisen und kluge Regulierung der Plattformen könnten negative Effekte eingrenzen. Produktion: ifbbw Redaktion: Carl Friedrichs, Jens Lubbadeh Alle Folgen unseres Podcasts finden Sie hier. Fragen, Kritik, Anregungen? Schreiben Sie eine Mail an n1f@zeit.de.
  • Muss es Kriege geben, Herfried Münkler? 14.01.2026 1ч 37мин
    Im neuen Podcast "Nur eine Frage" stellt ZEIT-Chefredakteur Jochen Wegner einfache, aber grundlegende Fragen, auf die eine klare Antwort schwer zu finden ist. Er befragt die bestmögliche Expertin, den bestmöglichen Experten, den wir für das jeweilige Thema finden können – und versucht, eine klare Antwort zu bekommen. Seit Jahrhunderten träumt die Menschheit vom ewigen Frieden und führt doch stetig weiter Kriege. Warum kämpfen Menschen gegen Menschen und bringen einander um – obwohl fast alle Weltreligionen das Töten von Menschen verbieten, obwohl es die Menschenrechte gibt, obwohl die UN-Charta gebietet, den Weltfrieden zu wahren? Muss es Kriege geben? Das fragen wir bei "Nur eine Frage" dieses Mal den Politologen Herfried Münkler. Münkler hält eine Welt ohne Kriege für Wunschdenken: "Angesichts der Welt, in der wir leben, ist es nicht vorstellbar, dass es in absehbarer Zeit keine Kriege gibt." Der Grund: Es gibt keinen Hüter einer friedlichen Ordnung. "Die Geschichte der Vereinten Nationen vor dieser Aufgabe ist eine des Versagens", sagt er. Herfried Münkler ist der einflussreichste lebende deutsche Politologe und Autor von mehr als 30 Büchern. Er hat mehrere Bundeskanzler beraten, die ZEIT nannte ihn einen "Ein-Mann-Think-Tank". Seine Kritiker hingegen schimpften ihn schon einen "Extremisten der Mitte". Dennoch wurden Münklers 2002 und 2006 erschienene Werke "Die neuen Kriege" und "Wandel des Krieges" zu Bestsellern. Darin attestiert er eine Rückkehr zu "unordentlichen Kriegsformen", was sich maßgeblich in der Privatisierung und Asymmetrierung sowie Demilitarisierung der Kriege äußere. In seinem neuesten Werk "Macht im Umbruch" analysiert Münkler die Verschiebungen einer multipolaren und nicht länger regelbasierten Weltordnung des 21. Jahrhunderts und die Herausforderungen, denen sich Deutschland und Europa stellen müssen. Im Gespräch erklärt der Politologe Münkler, dass Kriege überhaupt erst mit der Sesshaftwerdung des Menschen aufkamen – erst jetzt habe es sich gelohnt, Orte mit ihren Ressourcen und Bewohnern zu verteidigen, statt Konflikten aus dem Weg zu gehen. So hätten es die Jäger- und Sammlergesellschaften davor getan, obwohl auch sie den Zustand latenter Gewalt kannten. Münkler zeichnet nach, wie sich Kriegsführung seit der Sesshaftwerdung entwickelt hat: von der frühzeitlichen Schlacht an der Tollense, über den Dreißigjährigen Krieg bis zur Zeit der Kabinettskriege und den Totalen Kriegen der Moderne. Münkler betont, dass die Auffassung von Krieg und Frieden als zwei unterschiedliche "politische Aggregatzustände" erst relativ spät aufkommt und erklärt, warum das trotz der Negativität des Krieges als zivilisatorische Errungenschaft gelten kann. Letztlich aber sei der Frieden immer auch eine Zeit zur Vorbereitung für den Ernstfall gewesen – ganz im Sinne des Philosophen Thomas Hobbes, sagt Münkler. Warum der Krieg trotz vermeintlicher zivilisatorischer Fortschritte und angesichts technologischer Errungenschaft ein ständiger und kostspieliger Begleiter der Politik bleibt, warum sich junge Männer zum Teil nach einer "Flucht aus dem Frieden" sehnen und ob künstliche Intelligenz eines Tages Kriege ohne Menschen möglich machen könnte – das und mehr erfahren Sie in der neuen Ausgabe von Nur eine Frage (N1F). Produktion: ifbbw Redaktion: Carl Friedrichs, Jens Lubbadeh Alle Folgen unseres Podcasts finden Sie hier: https://www.zeit.de/serie/nur-eine-frage-podcast Abonnieren Sie auch unseren N1F-Newsletter: https://www.zeit.de/serie/nur-eine-frage Fragen, Kritik, Anregungen? Schreiben Sie eine Mail an n1f@zeit.de.
  • Gibt es Gott, Heino Falcke? 17.12.2025 1ч 11мин
    In dieser Folge geht es um die Frage aller Fragen: Gibt es Gott? Wir haben sie Heino Falcke gestellt, Astrophysiker an der Radboud-Universität in Nimwegen. Falcke gilt als führender Radioastronom und erlangte weltweite Bekanntheit, als er 2019 die erste Aufnahme eines Schwarzen Lochs präsentierte. Für Falcke, der bekennender Christ ist, ist der Glaube kein Widerspruch zur Wissenschaft – sondern eine Ergänzung.
  • Ist Demokratie die beste Staatsform, Jan-Werner Müller? 03.12.2025 1ч 28мин
    Im ZEIT-Podcast "Nur eine Frage" stellt ZEIT-Chefredakteur Jochen Wegner einfache, aber grundlegende Fragen, die viele von uns umtreiben, auf die eine klare Antwort jedoch oft schwer zu finden ist. Wir befragen die bestmögliche Expertin, den bestmöglichen Experten, den wir für das jeweilige Thema finden können.  In dieser Ausgabe möchten wir vom Politikwissenschaftler Jan-Werner Müller wissen: Ist Demokratie die beste Staatsform? Jan-Werner Müller ist Professor für Politische Theorie an der Princeton University und international bekannt für seine Arbeiten zu Demokratie, Populismus und politischer Ideengeschichte Europas. Bekannt wurde er mit seinem Buch Was ist Populismus? sowie weiteren Werken zu Demokratieverständnis und Demokratiepraxis. Gerade in diesen Zeiten, sagt Müller, zeige sich, was nur die Demokratie könne: den Bürgerinnen und Bürgern das Recht einzuräumen, die Mächtigen zur Rechenschaft zu zwingen.  Im Gespräch erklärt der Princeton-Professor, warum Demokratie immer Konflikt organisiert und nicht Konsens, weshalb Parteien unverzichtbar bleiben, wieso Föderalismus in Krisen ein Schutzwall sein kann – und wie Demokratien in kleinen Schritten ausgehöhlt werden können. Außerdem: Was soziale Medien wirklich verändern, ob "illiberale Demokratie" ein irreführender Begriff ist und warum es trotz aller Frustrationen keinen empirischen Beleg für eine breite demokratieablehnende Stimmung in der Bevölkerung gibt. Müller argumentiert, Demokratie sei "institutionalisierte Ungewissheit": Man wisse nie, wer gewinnt – aber worauf man sich immer verlassen könne, seien faire Verfahren und Grundrechte. In Autokratien sei es umgekehrt. Müller warnt davor, Effektivität mit Autoritarismus zu verwechseln, und hält die Sehnsucht nach dem "wohlwollenden starken Entscheider" für gefährlich: Was, wenn der eines Tages nicht mehr wohlwollend ist? Demokratische Sicherungen – von unabhängiger Rechtspflege bis zur Dezentralisierung – sind dann lebenswichtig. Produktion: Pool ArtistsRedaktion: Jens LubbadehVideoproduktion: Claudius DobsAnimation: Axel RudolphFoto: Tre Cassetta Alle Folgen unseres Podcasts finden Sie hier. Fragen, Kritik, Anregungen? Schreiben Sie eine Mail an n1f@zeit.de.
  • Werden wir jemals Aliens finden, Dirk Schulze-Makuch? 26.11.2025 57мин
    Im ZEIT-Podcast Nur eine Frage stellt ZEIT-Chefredakteur Jochen Wegner einfache, aber grundlegende Fragen, die viele von uns umtreiben, auf die eine klare Antwort jedoch oft schwer zu finden ist. Wir befragen die bestmögliche Expertin, den bestmöglichen Experten, den wir für das jeweilige Thema finden können. In dieser Ausgabe wollen wir wissen: Werden wir jemals Aliens finden? Der Astrobiologe Dirk Schulze-Makuch sucht seit Jahrzehnten nach Leben im All – und glaubt, dass wir eines Tages außerirdisches Leben finden werden. Wie wahrscheinlich ist es denn, dass es außerirdisches Leben gibt? Schulze-Makuch tendiert zu "99 Prozent" – das letzte Prozent bleibt, bis wir Beweise haben. Entscheidend seien die universellen Bausteine des Lebens: ein Informationsträger (bei irdischem Leben sind das DNA und RNA), Energiespeicher (ATP) und eine Zellmembran. Habe das Leben den ersten Schritt einmal getan, werde es auch wahrscheinlicher, dass sich komplexes Leben entwickle. Womöglich haben wir außerirdisches Leben schon vor Jahrzehnten gefunden – und es unbewusst zerstört, vermutet Schulze-Makuch. In den Siebzigerjahren könnten die Experimente der Viking-Sonden auf dem Mars zu unachtsam abgelaufen sein. Aus Feldforschung in der Atacama-Wüste weiß Schulze-Makuch: Extrem angepasste Mikroben, die in sehr trockener Umgebung leben, können durch zu viel Wasser sterben. Genau das könnte damals möglichen Marsmikroben passiert sein, über die Viking einfach Wasser geschüttet hat. Damals hieß es: Es gibt kein Leben auf dem Mars. Spätere Missionen wie Phoenix, Curiosity und Perseverance fanden organische Moleküle – ein Befund, der die damalige Deutung infrage stellt.  Wo sonst außer auf dem Mars sollten wir noch nach Leben suchen? Schulze-Makuch sieht Chancen, auf dem Jupitermond Europa und dem Saturnmond Enceladus mit ihren Ozeanen fündig zu werden. Auch der Saturnmond Titan mit seinen Flüssen und Seen aus Kohlenwasserstoffen wäre ein guter Kandidat. Der Fund eines zweiten, unabhängigen Lebensursprungs im eigenen Sonnensystem wäre ein Gamechanger: Daraus könnte man ableiten, dass Leben im Universum häufig sein muss, ist Schulze-Makuch überzeugt.  Aber warum hören wir nichts von Außerirdischen, obwohl die Menschheit seit Jahrzehnten den Himmel abhört? Vielleicht funken die Außerirdischen nicht auf unseren Frequenzen, vermutet der Astrobiologe, sondern nutzen viel fortgeschrittenere Mittel der Kommunikation, jenseits der Lichtgeschwindigkeit – etwa über Quantenverschränkung. Auch diese Form der Kommunikation könnte eines Tages technisch möglich sein, glaubt Schulze-Makuch. Dann könnte die Menschheit auch möglichen Außerirdischen in den  entferntesten Regionen des Alls kommunizieren, ohne lange auf Antwort warten zu müssen.  Produktion: Pool ArtistsRedaktion: Jens LubbadehVideoproduktion: Claudius Dobs Animation: Axel RudolphFoto: Hahn und Hartung
  • Ist Armut erblich, Jutta Allmendinger? 12.11.2025 1ч 52мин
    Die Soziologin Jutta Allmendinger spricht bei “Nur eine Frage” über die vielen Formen von Armut und erklärt, warum Erben unproduktiv macht. Jutta Allmendinger ist Deutschlands bekannteste Soziologin und leitete viele Jahre lang das Wissenschaftszentrum Berlin. Seit Jahrzehnten erforscht sie das Thema soziale Ungleichheit. Sie ist die ehemalige Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin, war Direktorin am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung und hat viele deutsche Regierungen beraten. Heute ist sie Mitglied des Ethikrats und des Wissenschaftsrats. Im ZEIT-Podcast Nur eine Frage stellt ZEIT-Chefredakteur Jochen Wegner einfache, aber grundlegende Fragen, die viele von uns umtreiben, auf die eine klare Antwort aber oft schwer zu finden ist. Wir befragen die bestmögliche Expertin, den bestmöglichen Experten, den wir für das jeweilige Thema finden können – in dieser Ausgabe haben wir Jutta Allmendinger gefragt: Ist Armut erblich? Armut werde meist relativ gemessen und meist werde dabei nur auf das Einkommen geschaut, so Allmendinger: Wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens besitzt, gilt als armutsgefährdet. Bei den Einkommen gebe es in Deutschland große Ungleichheit, noch viel ausgeprägter aber sei sie beim Vermögen. Diese Ungleichheit hemme wirtschaftliche Dynamik, da Erben oft wenig investieren und ärmere Gruppen wenig Chancen zum Aufstieg sehen. Früher hätten Katastrophen und Kriege Ungleichheit reduziert, heute aber fehle es an politischen Maßnahmen wie einer höheren Erbschaftssteuer. Die politischen Folgen wachsender Ungleichheit bereiten Allmendinger Sorge, da diese populistische und extreme politische Kräfte stärkt. Sie fordert eine bessere Integrationspolitik und einen positiven Umgang mit Migration, denn ihr verdanke Deutschland seinen Wohlstand. Aber es geht nicht nur ums Geld. Jutta Allmendinger prägte erstmals den Begriff der Bildungsarmut und betont in dem Gespräch, wie wichtig eine frühkindliche Bildung ist, um Armut vorzubeugen. Hier sieht Allmendinger großen Handlungsbedarf. Das deutsche Bildungssystem berücksichtige die unterschiedlichen sozialen Hintergründe der Kinder unzureichend. Frühkindliche Bildung müsse dringend gestärkt werden, Corona habe die Ungleichheit zusätzlich verschärft. Jedes zweite Kind in Deutschland erfülle nicht das Mindestmaß der Kompetenzen beim Lesen und Rechnen. Doch Armut hat noch mehr Facetten: Wohnen, Gesundheit, Beziehungen, Lebenserwartung kann von Armut geprägt sein. Besondere Sorge bereitet Allmendinger die Wohnungsarmut, die insbesondere junge Menschen trifft, da Wohnraum knapp und teuer ist. Junge Generationen hätten kaum noch Möglichkeiten, Eigentum zu erwerben. Als weitere konkrete Maßnahmen gegen die Ungleichheit schlägt sie ein Grundstockkapital für junge Erwachsene abhängig vom Elternhaus, einen höheren Mindestlohn sowie die Reduzierung von Minijobs vor. Ein Grundeinkommen lehnt sie nicht ab, hält Bildung und Erwerbsarbeit aber für wichtiger. Der beste Weg zur Bekämpfung von Armut sei jedoch eine langfristige Investition in frühkindliche Bildung.   Produktion: Pool Artists Redaktion: Jens Lubbadeh Videoproduktion: Claudius Dobs Animation: Axel Rudolph   Alle Folgen unseres Podcasts finden Sie hier: https://t1p.de/ncx2p Fragen, Kritik, Anregungen? Schreiben Sie eine Mail an n1f@zeit.de   [ANZEIGE] Mehr hören? Dann testen Sie unser Podcastabo mit Zugriff auf alle Dokupodcasts und unser Podcastarchiv. Jetzt 4 Wochen kostenlos testen: https://t1p.de/iikdn
  • Braucht Deutschland die Atombombe, Claudia Major? 29.10.2025 1ч 28мин
    Im neuen Podcast Nur eine Frage stellt ZEIT-Chefredakteur Jochen Wegner einfache, aber grundlegende Fragen, auf die eine klare Antwort schwer zu finden ist. Er befragt die bestmögliche Expertin, den bestmöglichen Experten, den wir für das jeweilige Thema finden können – und versucht, eine klare Antwort zu bekommen. In dieser Folge fragt er die Sicherheitsexpertin Claudia Major, ob Deutschland eigene Atomwaffen anschaffen sollte. Major ist eine der profiliertesten deutschen Sicherheitsexpertinnen. Sie ist Vizepräsidentin für transatlantische Sicherheitsinitiativen beim German Marshall Fund und berät die Bundesregierung in Sicherheitsfragen. Ihr Spezialgebiet sind die Auswirkungen des russischen Angriffskriegs auf die transatlantischen Beziehungen, die nukleare Ordnung und wie man die EU und die Ukraine langfristig sichern kann. Major erklärt, warum sie eine deutsche Atombombe nicht nur für unnötig, sondern sogar für einen schweren Fehler hält: Ein atomarer Alleingang Deutschlands würde die Welt unsicherer machen, weil es andere Länder ermutigte, ebenfalls nuklear aufzurüsten. Major plädiert dafür, dass Deutschland und andere europäische Staaten erst einmal konventionell stark aufrüsten müssen. Der Aufbau eines eigenen europäischen Nukleararsenals wäre dann ein weiterer möglicher Schritt, den man gehen könne. "Atomwaffen sind eigentlich keine Kriegsführungs-, sondern zutiefst politische Waffen", sagt Major und meint damit die abschreckende Wirkung, die ihr möglicher Einsatz entfaltet. Es gelte, potenziellen Angreifern zu vermitteln, dass die Kosten eines Angriffs viel höher wären als der Nutzen. Auf dieser Annahme beruhe die riskante Ordnung in einer Welt mit Atomwaffen. Doch diese Ordnung wackelt: Laut Major funktioniert die atomare Abschreckung durch US-amerikanische Atombomben gegenüber Russland zwar noch. Aber die Verlässlichkeit der USA unter Präsident Donald Trump stehe infrage, und Europa müsse mittelfristig eine eigene Abwehrstrategie entwickeln.Für eine atomare Neuausrichtung in Europa sieht Major drei Szenarien: eine gemeinsame europäische Bombe, nationale Alleingänge einzelner Staaten oder ein Modell, das auf Frankreichs und Großbritanniens vorhandenen Atomarsenalen aufbaut. Die Sicherheitsexpertin hält nur Letzteres für realistisch, wenn auch nicht für perfekt. Denn weder Frankreich noch Großbritannien verstehen ihre Atomwaffen als Schutzschild für ganz Europa. Es müsse eine neue europäische Nuklearstrategie entwickelt werden. Eines bleibe in jedem Fall klar: "Jegliche Veränderung der nuklearen Ordnung, egal wie wir daran herumdoktern, bedeutet für alle Betroffenen, für die Europäer, aber auch für die anderen, für Russland, für China: Instabilität." Auch dürften die Europäer die Amerikaner bei einer Neuausrichtung ihrer Sicherheitsstrategie nicht vor den Kopf stoßen, sagt Major. Für sie ist die Frage nach der Atombombe ohnehin nicht die entscheidende. Viel grundlegender fragt sie: Wie können Deutschland und Europa sich wirksam schützen? Im Podcast spricht sie über glaubwürdige Abschreckung durch weitreichende Waffen, Flug- und Raketenabwehr, ausreichende Truppenstärke und Verteidigung gegen hybride Kriegsführung wie Cyberattacken, Propaganda und Sabotage. Majors Antwort auf unsere eine Frage in dieser Folge: "Deutschland braucht nukleare Abschreckung, aber keine eigenen Atombomben." Produktion: Pool Artists Redaktion: Jens Lubbadeh Videoproduktion: Claudius Dobs Animation: Axel Rudolph Alle Folgen unseres Podcasts finden Sie hier: https://t1p.de/ncx2p Fragen, Kritik, Anregungen? Schreiben Sie eine Mail an n1f@zeit.de   [ANZEIGE] Mehr hören? Dann testen Sie unser Podcastabo mit Zugriff auf alle Dokupodcasts und unser Podcastarchiv. Jetzt 4 Wochen kostenlos testen: https://t1p.de/iikdn
  • Werden wir unsterblich, Nir Barzilai? 22.10.2025 1ч 32мин
    Langsam altern, lange gesund bleiben, spät sterben: Das, was Superalte können, will Mediziner Nir Barzilai uns allen ermöglichen. Vier Medikamente könnten dabei helfen. Im neuen Podcast ”Nur eine Frage” stellt ZEIT-Chefredakteur Jochen Wegner einfache, aber grundlegende Fragen, die viele von uns umtreiben – auf die eine klare Antwort aber schwer zu finden ist. Er befragt die bestmögliche Expertin, den bestmöglichen Experten, den wir für das jeweilige Thema finden können – so lange, bis er die Antwort verstanden hat. Nir Barzilai ist einer der führenden Wissenschaftler auf dem Gebiet der Alternsforschung. Barzilai hat sogenannte Superalte untersucht, also Menschen, die älter als 100 Jahre geworden sind. Barzilai wollte wissen: Was ist ihr Geheimnis, das sie so lange leben lässt? Er glaubt, dass wir mit besonderen Medikamenten vielleicht viel älter werden können als heute – Kandidaten für diese Medikamente gibt es bereits. Produktion: Pool Artists Redaktion: Jens Lubbadeh Videoproduktion: Claudius Dobs Animation: Axel Rudolph Alle Folgen unseres Podcasts finden Sie hier: https://t1p.de/ncx2p Fragen, Kritik, Anregungen? Schreiben Sie eine Mail an n1f@zeit.de [ANZEIGE] Mehr hören? Dann testen Sie unser Podcastabo mit Zugriff auf alle Dokupodcasts und unser Podcastarchiv. Jetzt 4 Wochen kostenlos testen: https://t1p.de/iikdn