DocYouUp - Bring dein Wissen aufs nächste Level!

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Land Duitsland
Taal DE-DE
Afleveringen 197
Laatste 09.08.2026

Ein Podcast zu medizinischen Themen für junge Ärzte und Studierende. Er behandelt die Grundlagen sowie praktische Tipps für den täglichen Dienst in Klinik oder Praxis. Zielgruppe sind vor allem Medizinstudierende und Berufseinsteiger im medizinischen Bereich. Der Podcast soll Wissen verständlich und praxisnah vermitteln.

Afleveringen

  • Pulsoxymetrie und Blutgasanalyse (BGA) 09.08.2026 42min
    🔎 Thema der FolgePulsoxymetrie und Blutgasanalyse (BGA) als Basiswerkzeuge in Akut-, Intensiv- und Notfallmedizin:schnell messen, richtig einordnen, Fehler erkennen, klinisch handeln.🫁 Physiologische Grundlagen• Nur ca. 2 % des Sauerstoffs sind frei gelöst, ca. 98 % an Hämoglobin gebunden• Normale Sättigung bedeutet nicht automatisch normalen Sauerstoffgehalt• Sauerstofftransport hängt wesentlich auch vom Hämoglobin ab• CO₂ wird überwiegend als Bicarbonat transportiert und ist zentral für den Säure-Basen-HaushaltWichtige Merke:• SpO₂ / SaO₂ ≠ PaO₂• PaO₂ allein beschreibt nicht den gesamten O₂-Transport• Klinik immer zusammen mit Hb, Sättigung, pH und CO₂ bewerten📈 SauerstoffbindungskurveDie O₂-Bindungskurve ist S-förmig:• im oberen Bereich: große PaO₂-Änderungen → kleine Sättigungsänderungen• im steilen Bereich: kleine PaO₂-Abfälle → deutlicher SättigungsabfallVerschiebungen:• Linksverschiebung: höhere O₂-Affinität, schlechtere GewebeabgabeUrsachen: Alkalose, Hypokapnie, Hypothermie, CO-Hb, MetHb• Rechtsverschiebung: leichtere O₂-AbgabeUrsachen: Azidose, Hyperkapnie, Fieber⚠️ Sonderfall:Bei CO-Vergiftung kann das Pulsoxymeter scheinbar normale Werte anzeigen.📟 PulsoxymetrieStärken:• nicht invasiv• schnell verfügbar• kontinuierliches Monitoring von SpO₂ und PulsTypische Einsatzbereiche:• Dyspnoe• perioperatives Monitoring• COPD-Exazerbation• Sedierung / Opioidgabe• Notfall- und IntensivmedizinGrenzen und Fehlerquellen:• schlechte Perfusion, Schock, Hypothermie• Bewegungsartefakte, Tremor• Nagellack, Kunstnägel, Umgebungslicht• Dys-Hämoglobine• misst kein CO₂, keinen pH, kein Laktat, kein BicarbonatWichtiger Praxispunkt:Unter O₂-Gabe kann Hypoventilation mit CO₂-Anstieg trotz noch normaler SpO₂ übersehen werden.🎯 Zielwerte für Sauerstoff• Erwachsene meist: ca. 92–96 %• bei Hyperkapnierisiko, v. a. COPD: häufig 88–92 %Merke:Sauerstoff ist ein Medikament — gezielt geben, titrieren, kontrollieren.🩸 BlutgasanalyseFormen:• arteriell: Goldstandard für Oxygenierung und Ventilation• venös: gut für pH, HCO₃⁻, Laktat, metabolische Einschätzung• kapillär: begrenzt nützlich, für Oxygenierung weniger zuverlässigWichtiger Fehler:Venöse pO₂- und Sättigungswerte nie mit arteriellen Normwerten vergleichen.🧪 Präanalytik der BGAHäufige Fehlerquellen:• Luftblasen → pO₂ falsch hoch, pCO₂ falsch niedrig• verzögerte Analyse → pH und pO₂ sinken, pCO₂ und Laktat steigen• unzureichendes Mischen → Gerinnsel• Hämolyse möglichWenn Werte nicht plausibel sind: zuerst Präanalytik prüfen.🧭 Systematische BGA-InterpretationImmer in derselben Reihenfolge:1. pH2. pCO₂3. HCO₃⁻ / Base Excess4. Kompensation5. Oxygenierung6. Laktat, Elektrolyte, Glukose, HbTypische Muster:• respiratorische Azidose: pH ↓, pCO₂ ↑• respiratorische Alkalose: pH ↑, pCO₂ ↓• metabolische Azidose: HCO₃⁻ ↓, BE negativer• metabolische Alkalose: HCO₃⁻ ↑, BE ↑Gemischte Störungen sind häufig und werden nur durch systematisches Vorgehen erkannt.🚨 Klinische Kernpunkte• SpO₂ allein reicht nicht zur Beurteilung der Ventilation• bei Sedierung/Opioiden früh an Hyperkapnie denken• Laktat > 2 mmol/l relevant, ab 4 mmol/l besonders alarmierend• BGA immer im Kontext der aktuellen Sauerstoffgabe interpretieren• Hyperoxie vermeiden✅ Take-home-Messages• Pulsoxymetrie = schnell, nicht invasiv, gut fürs Monitoring, aber begrenzt• BGA = invasiver, dafür deutlich informationsreicher• Nie Einzelwerte isoliert bewerten• Immer Klinik + SpO₂ + pH + pCO₂ + HCO₃⁻ + Laktat + Hb zusammen denken• Besonders bei COPD mit Hyperkapnierisiko: Zielbereich oft 88–92 %
  • Thoraxschmerzen in der Praxis 08.08.2026 36min
    🚨 Akute Thoraxschmerzen: erst lebensbedrohlich denkenNicht übersehen werden dürfen vor allem:• akutes Koronarsyndrom / Herzinfarkt• Lungenarterienembolie• Aortendissektion• Pneumothorax, v. a. Spannungspneumothorax👀 Die erste Minute: klinischer ErsteindruckZuerst den Menschen beurteilen, nicht nur den Schmerz:• blass, kaltschweißig, unruhig, stark ängstlich?• Dyspnoe, Tachypnoe, Zyanose?• wach, orientiert, ansprechbar?• Kreislaufinstabilität, Synkope, Bewusstseinsstörung?📈 Wichtige Vitalparameter und Red FlagsSofort erheben:• Herzfrequenz• Blutdruck• Atemfrequenz• SpO2• Temperatur• BewusstseinszustandRed Flags:• Hypotonie oder massive Hypertonie• Tachykardie > 120/min oder ausgeprägte Bradykardie• neue Ruhedyspnoe, Tachypnoe• SpO2 < 90 %• Synkope / kürzliche BewusstlosigkeitSauerstoff gezielt bei Hypoxämie oder respiratorischer Insuffizienz, nicht reflexhaft.🗣️ Fokussierte AnamneseWichtige Fragen:• Beginn: plötzlich/perakut oder schleichend?• Dauer: > 20 Minuten?• Lokalisation: retrosternal, einseitig, punktförmig?• Ausstrahlung: Arm, Schulter, Hals, Unterkiefer, Rücken, Oberbauch?• Charakter: drückend, stechend, reißend, vernichtend?• Belastungsabhängig, atemabhängig, palpierbar?• Begleitsymptome: Dyspnoe, Übelkeit, Hämoptysen, Synkope, Fieber, neurologische Symptome?• Risikofaktoren: KHK, Hypertonie, Diabetes, Rauchen, TVT/LE, OP, Immobilisation, Tumor, Schwangerschaft/Wochenbett• Medikamente: Antikoagulanzien, ASS, NSAR, PDE-5-Hemmer🩺 Körperliche UntersuchungZielgerichtet, ohne Notfallversorgung zu verzögern:• Lunge: seitendifferente Atemgeräusche, Pneumothorax, Pleuraerguss• Herz: neues Geräusch, Perikardreiben, Arrhythmie• Thoraxwand: Druckschmerz, Costochondritis, Interkostalneuralgie• Beine: Ödeme, einseitige Schwellung• Aortendissektion: Pulse, Blutdruck an beiden Armen, neurologische DefiziteWichtig: reproduzierbarer Brustwandschmerz spricht eher für muskuloskelettal, schließt kardial aber nicht sicher aus.🫀 EKG und weitere AkutdiagnostikEin 12-Kanal-EKG gehört bei relevantem oder unklarem Thoraxschmerz früh dazu.Beachten:• ST-Hebungen / ST-Senkungen• T-Wellen-Veränderungen• neue Schenkelblöcke• RhythmusstörungenMerke: Ein unauffälliges EKG schließt einen Herzinfarkt nicht sicher aus. Je nach Verlauf sind Wiederholungen und hochsensitives Troponin nötig.🚑 Wann sofort Rettungsdienst?Im ambulanten Setting Notruf bei:• Red Flags• Verdacht auf ACS, LE, Aortendissektion, Spannungspneumothorax• auffälligem EKG• klinischer Instabilität• relevanter UnsicherheitPatienten nicht selbst fahren lassen und nicht allein schicken.💊 Akutmaßnahmen in der PraxisBis zum Eintreffen des Rettungsdienstes:• Ruhe, körperliche Entlastung• nicht allein lassen• Monitoring, wiederholte Vitalzeichen• venösen Zugang, wenn ohne Verzögerung möglichMedikamente:• ASS bei klinischem ACS-Verdacht und fehlender Kontraindikation• Nitroglycerin nur bei passender Situation und ausreichendem Blutdruck• keine Nitrate bei Hypotonie, Rechtsherzinfarkt-Verdacht, Aortenstenose, PDE-5-Hemmern• bei möglicher Aortendissektion antithrombotische Therapie nicht unkritisch geben⚠️ Häufige gefährliche Differenzialdiagnosen• ACS: drückend, retrosternal, Ausstrahlung, vegetative Symptome• LE: plötzliche Dyspnoe, Tachykardie, atemabhängiger Schmerz, ggf. Synkope• Aortendissektion: plötzlich, maximal, reißend, Rücken-/Bauch-Ausstrahlung• Pneumothorax: plötzlich, einseitig, stechend, Dyspnoe• Perimyokarditis/Myokarditis: stechend, lage- und atemabhängig, oft nach Infekt• Boerhaave-Syndrom: heftiger Schmerz nach Erbrechen🧭 Bei stabilen PatientenOhne Red Flags können helfen:• Marburger Herz-Score zur Abschätzung einer KHK• ambulante kardiologische Abklärung bei passender Konstellation• differenzialdiagnostisch auch an muskuloskelettale, gastroösophageale, pulmonale, biliäre, pankreatische oder psychische Ursachen denken
  • Akute Dyspnoe in der Praxis – sicher einschätzen, richtig handeln 07.08.2026 32min
    🚨 Akut neu aufgetretene Luftnot ist ein Notfall, bis gefährliche Ursachen ausgeschlossen sind. Entscheidend ist zuerst:Wie krank ist die Person gerade – und muss sofort der Rettungsdienst alarmiert werden?🩺 Red Flags in der PraxisSofort notfallmäßig handeln bei:• schlechter klinischer Eindruck• Ruhedyspnoe, Sprechdyspnoe• deutlicher Tachypnoe• Atemhilfsmuskulatur, erschöpfte Atmung• Stridor• Zyanose• Thoraxschmerz• Kreislaufinstabilität, Kaltschweißigkeit• auffälligem EKG• Verdacht auf ACS, Lungenembolie, Lungenödem, Pneumothorax, Anaphylaxie👉 Bei Unsicherheit lieber frühzeitig Rettungsdienst oder Notaufnahme.📋 Sofortmaßnahmen• Oberkörper hoch lagern• nicht allein lassen• Vitalparameter vollständig messen: Atemfrequenz, SpO2, Puls, Blutdruck, Temperatur• Monitoring und 12-Kanal-EKG• Sauerstoff titriert bei Hypoxämie oder klinischem Verdacht• fokussierte Untersuchung und kurze Basisanamnese parallelWichtig:Eine normale Sauerstoffsättigung schließt schwere Ursachen nicht aus.🔎 Wichtige Untersuchungspunkte• Atemfrequenz wirklich zählen• Bewusstseinslage, Sprechfähigkeit, Atemarbeit beurteilen• Herz- und Lungenauskultation• einseitig fehlendes Atemgeräusch → an Pneumothorax, Pleuraerguss, Atelektase denken• Beine auf TVT-Zeichen untersuchen• Orthopnoe und paroxysmale nächtliche Dyspnoe erfragen❗Gefährliche DifferenzialdiagnosenKardial:• akutes Koronarsyndrom• akute Herzinsuffizienz / kardiales Lungenödem• RhythmusstörungenPulmonal:• Asthma- oder COPD-Exazerbation• Pneumonie• Lungenembolie• Pneumothorax• AspirationWeitere:• Anaphylaxie / Angioödem• metabolische Azidose• Sepsis• Intoxikation• psychogene Hyperventilation erst als Ausschlussdiagnose💊 Akuttherapie: praxisrelevante BasicsBei obstruktiver Dyspnoe:• Salbutamol inhalativ oder vernebelt• bei schwerer Obstruktion zusätzlich Ipratropium• systemische Glukokortikoide frühzeitigBei COPD:• O2 kontrolliert titrieren• Ziel-SpO2 meist 88–92 % bei Hyperkapnie-RisikoBei kardialem Lungenödem:• Oberkörperhochlagerung• Sauerstoff bei Hypoxämie• Nitrate nur bei passender Konstellation und ohne Kontraindikationen• Furosemid nur bei klinischer Volumenüberladung, nicht reflexhaftBei Anaphylaxie:• Adrenalin i.m. ist die lebensrettende Ersttherapie• nicht durch Antihistaminika oder Steroide ersetzen🧠 Praktische Merksätze• Atemfrequenz ist oft der wichtigste Frühmarker.• Normale SpO2 beruhigt nicht sicher.• Bekannte COPD/Asthma erklärt nicht automatisch jede Dyspnoe.• „Psychisch“ ist eine Ausschlussdiagnose.• Instabile Patientinnen und Patienten nicht lange ambulant abklären.🗣️ Kommunikation ist Teil der Therapie• ruhig sprechen• kurze Fragen stellen• klare Anweisungen geben• Angst ernst nehmen• besser: „Wir bleiben bei Ihnen und kümmern uns jetzt sofort.“✅ Take-home-MessageAkute Dyspnoe in der Allgemeinmedizin bedeutet:rasch einschätzen, Red Flags erkennen, Vitalparameter + EKG früh erheben, gefährliche Ursachen aktiv mitdenken und bei Warnzeichen sofort notfallmäßig versorgen. Wenn unklar oder instabil: Rettungsdienst.
  • Husten in der Praxis - strukturiertes Vorgehen 06.08.2026 31min
    ⏱️ Zeitliche Einordnung• Akut: bis 3 Wochen• Subakut: > 3 bis 8 Wochen• Chronisch: > 8 WochenMerke: Husten über 8 Wochen gehört weiter abgeklärt.🚨 Red Flags zuerstWarnzeichen bei akutem/subakutem Husten:• Stridor• Dyspnoe, Tachypnoe• Tachykardie• neu erniedrigte Sauerstoffsättigung, Zyanose• Thoraxschmerz• Hämoptysen• schaumiger Auswurf• Rauch-/Reizstoffinhalation• frisches Thoraxtrauma• schwere Immunsuppression• ausgeprägte Gebrechlichkeit• B-Symptomatik: Fieber, Nachtschweiß, GewichtsverlustWichtige gefährliche Ursachen:• Pneumonie• Lungenembolie• Pneumothorax• kardiale Dekompensation/Lungenödem• Asthma-Anfall, COPD-Exazerbation• Aspiration🩺 Anamnese in der PraxisWichtige Fragen:• seit wann, plötzlich oder schleichend?• trocken oder produktiv?• tagsüber, nachts, morgens?• Auswurf: klar, zäh, eitrig, schaumig, blutig?• Auslöser: Belastung, Allergene, Beruf, Rauch, Jahreszeit?• Medikamente, v. a. ACE-Hemmer?• Begleitsymptome: Fieber, Schnupfen, Halsschmerz, Luftnot, Giemen, Orthopnoe• Vorerkrankungen: Asthma, COPD, Herzinsuffizienz, Malignom, Immunsuppression• Raucherstatus• Dysphagie/Aspirationsereignis, Reiseanamnese, ImpfstatusPraxispunkt: Gelb-grünes Sputum beweist keine bakterielle Infektion.🔎 Körperliche Untersuchung• Allgemeineindruck und Atemarbeit• Vitalparameter: Temperatur, Puls, Blutdruck, Atemfrequenz, SpO2• Inspektion: asymmetrische Thoraxbewegung, Atemhilfsmuskulatur, Fassthorax• Perkussion: gedämpft bei Pneumonie/Lungenödem, hypersonor bei Asthma/Pneumothorax• Auskultation:• feuchte Rasselgeräusche → Pneumonie, Lungenödem• Giemen/Brummen → Asthma, COPD• Stridor → obere Atemwege/Aspiration• „stille Lunge“ = Alarmsignal• Herz, Halsvenen, Beinödeme mitbeurteilen• Rachen/Kopf-Hals untersuchen🦠 Häufige Ursachen• viraler Atemwegsinfekt / akute Bronchitis: häufigste Ursache, meist selbstlimitierend• postinfektiöser Husten: kann noch Tage bis Wochen anhalten• Pneumonie: Fieber, reduzierter AZ, Tachypnoe, fokale Befunde, SpO2-Abfall• Influenza / COVID-19• Pertussis: stakkatoartiger, oft nächtlicher Husten mit Würgen/Erbrechen• Asthma / cough variant asthma• COPD-Exazerbation• Herzinsuffizienz• Lungenembolie• Pneumothorax• Aspiration💊 Therapie: pragmatisch und leitliniennahGrundsatz: kausal behandeln, symptomatisch nur gezielt.Bei viralem Infekt/akuter Bronchitis:• Aufklärung und Sicherheitsnetz• Schonung, ausreichend trinken, Rauchverzicht• keine routinemäßigen Antibiotika bei Erwachsenen ohne Red FlagsSymptomatisch:• Expektoranzien nur bei zähem Schleim• z. B. Ambroxol, NAC, Bromhexin• Antitussiva nur bei trockenem Reizhusten, eher kurzfristig nachts• z. B. Dextromethorphan, Codein zurückhaltendWichtig: Expektoranzien und Hustenstiller nicht kombinieren.Bei obstruktiver Komponente:• Salbutamol inhalativ bei Bedarf• bei Asthma/COPD an inhalative bzw. antientzündliche Therapie denken🧠 Kernaussagen• Erst Red Flags, dann Feindiagnostik• Ohne Warnzeichen reichen Anamnese und Untersuchung meist aus• Akuter Husten ist meist viral• Antibiotika nicht reflexhaft verordnen• Husten + Luftnot/Thoraxschmerz/Hämoptysen = gefährliche Ursachen aktiv ausschließen• Husten > 8 Wochen ist chronisch und abklärungsbedürftig📌 Sicherheitsnetz für Patientinnen und PatientenWiedervorstellung bei:• zunehmender Luftnot• anhaltend hohem Fieber• blutigem Auswurf• starken Thoraxschmerzen• Verwirrtheit• deutlicher Verschlechterung• fehlender Besserung im erwartbaren Verlauf
  • Meningitisches Syndrom - Akutmanagment 05.08.2026 24min
    🚨 KernaussageKopfschmerzen plus Fieber ohne klaren anderen Infektfokus sind Meningitis, bis das Gegenteil bewiesen ist. Bei klinischem Verdacht immer zunächst wie bei bakterieller Meningitis handeln: schnell, strukturiert, ohne Therapieverzoegerung.👀 Klinik: woran denken?Klassische Trias:• Kopfschmerzen• Fieber• MeningismusWichtig:• Die Trias ist oft unvollstaendig• Meningismus kann bei Somnolenz oder Koma fehlen• Schon Kopfschmerzen plus Fieber muessen den Verdacht ausloesenZusaetzliche Warnzeichen:• Photophobie• Uebelkeit, Erbrechen• Bewusstseinsstoerung• fokal-neurologische Defizite• Hirnnervenausfaelle• epileptische Anfaelle• Hyponatriaemie• Sepsis bis septischer SchockBesonders alarmierend:• petechiale oder makulopapuloese Hautveraenderungen• Purpura fulminans• Verdacht auf Meningokokken oder Waterhouse-Friderichsen-Syndrom⚡ Akutmanagement: was sofort passieren mussAlles parallel organisieren, nicht nacheinander.Sofortmassnahmen:• cABCDE• Isolation und Hygienemassnahmen• Monitoring: EKG, Blutdruck, Sauerstoffsaettigung, Atmung, Temperatur• frueh ueberwachter Bereich oder Intensivstation🧪 Diagnostik vor Therapie? Nur wenn ohne VerzoegerungWichtig:• Blutkulturen vor Antibiotika, wenn moeglich• mindestens zwei Sets aus getrennten Punktionsstellen• Labor inklusive BGA, Blutbild, CRP, PCT, Glukose, Elektrolyte, Laktat, Nierenwerte, Leberwerte, Gerinnung💉 Initialtherapie beim ErwachsenenMerksatz: Blutkulturen – Dexamethason – Antibiotika – AciclovirTypisches Initialschema:• Dexamethason 10 Milligramm intravenoes• danach moeglichst etwa 10 Minuten spaeter:• Ceftriaxon 4 Gramm intravenoes oder• Cefotaxim 2 bis 4 Gramm intravenoes• plus Ampicillin 2 Gramm intravenoes• plus Aciclovir intravenoes, gewichts- und nierenfunktionsadaptiertWichtig:• Antibiotika nicht wegen Bildgebung, Gerinnung oder Liquorpunktion verzoegern• Aciclovir mitdenken bei moeglicher viraler Meningoenzephalitis, vor allem HSV🩺 Supportivtherapie• bedarfsgerechte Volumentherapie• Hypoglykaemie korrigieren• Analgesie, z. B. Metamizol oder Ibuprofen• Antipyrese bei Bedarf• engmaschige Kontrolle von Kreislauf, Diurese, Laktat, Elektrolyten und Nierenfunktion🖥️ Bildgebung und LiquorNach Therapiebeginn:• cCT Neurocranium• CT der Nasennebenhoehlen bei FokusfrageAchten auf:• Hirndruckzeichen• Hirnoedem, Blutung, Ventrikulitis• Sinusvenenthrombose• Sinusitis oder Mastoiditis als HerdLumbalpunktion:• so frueh wie moeglich, aber nicht vor Therapie, wenn Zeit verloren geht• nur bei ausreichender Gerinnung und ohne Hinweis auf gefaehrliche Hirndrucksituation• bei Hirndruckzeichen neurochirurgische RueckspracheLiquor-Basisdiagnostik:• Zellzahl, Zytologie• Glukose und Liquor-Serum-Glukosequotient• Laktat• Gesamtprotein• Grampraeparat• Kultur• PCR je nach Verdacht• Rueckstellprobe sichern🔬 Typische LiquormusterBakteriell:• trueb-eitrig• hohe Zellzahl, meist neutrophil• Protein erhoeht• Glukose erniedrigt• Laktat erhoehtViral:• meist klar• niedrigere Zellzahl, eher lymphozytaer• Glukose meist normal• Laktat oft nicht deutlich erhoeht🏥 Wichtige Folgeentscheidungen• HNO frueh einbinden bei Verdacht auf Sinusitis oder Mastoiditis• bei gramnegativen Diplokokken: an Meningokokken denken, Isolation fortfuehren, Meldepflicht, Postexpositionsprophylaxe fuer enge Kontakte• bei unklarem Verlauf interdisziplinaer denken: Neurologie, Infektiologie, Mikrobiologie, Virologie, Neurochirurgie, Intensivmedizin✅ Take-home-Messages• Denke bei Kopfschmerzen plus Fieber immer an Meningitis• Warte nicht auf den steifen Nacken• Therapie rettet Leben: nicht durch Diagnostik verzoegern• Blutkulturen zuerst, dann Dexamethason, dann Antibiotika plus Aciclovir• Bildgebung und Liquor sind wichtig, aber nachrangig gegenueber dem fruehen Therapiebeginn
  • Kopfschmerzen - Akutmanagment 04.08.2026 33min
    🚑 GrundprinzipKopfschmerzen brauchen fast immer beides:• Symptomkontrolle• diagnostische EinordnungZiel ist vor allem, sekundäre Kopfschmerzen früh zu erkennen, z. B.:• Subarachnoidalblutung• Meningitis/Enzephalitis• Dissektion• Glaukomanfall• Sinus-/Venenthrombose• intrakranielle Raumforderung🩺 Basismaßnahmen im NotfallErstversorgung nach cABCDE:• Vitalparameter inkl. Temperatur• ggf. Monitoring/EKG• i.v.-Zugang, Blutentnahme• bei Bedarf BlutgasanalyseSinnvolles Akutlabor:• Blutbild, CRP, PCT• Glukose, Elektrolyte• Kreatinin, Harnstoff, eGFR• Leberwerte, CK• Gerinnung, ggf. D-Dimere• Laktat💊 AkuttherapieAnalgesie ernst nehmen, aber neurologisch beurteilbar bleiben.Mögliche Optionen:• Ibuprofen 400–800 mg oral• Metamizol 500–1000 mg oral oder 1–2,5 g i.v.• Kombination von Nicht-Opioiden bei stärkeren Schmerzen• bei Bedarf Opioid, z. B. Oxycodon oral oder Piritramid i.v. titriertBei neuralgiformem Schmerz:• Carbamazepin• Pregabalin• in Ausnahmefällen Phenytoin i.v. unter Monitoring🗂️ Die 5 W der Kopfschmerzanamnese1. Wann und wie lange?• plötzlich oder schleichend?• erster Kopfschmerz dieser Art?• Attackenlänge?2. Wie stark?• Schmerzskala 0–10• Vernichtungskopfschmerz = Alarmzeichen3. Wo?• einseitig/beidseitig?• periorbital, temporal, okzipital, holozephal?• Hals-/Nackenausstrahlung?4. Wie?• dumpf, drückend, pulsierend, bohrend, elektrisierend?5. Welche Begleitumstände?• Übelkeit, Erbrechen, Photophobie, Phonophobie• Aura• Lageabhängigkeit• Fieber• Vorerkrankungen, Tumor, HIV, Immunsuppression• Antikoagulation, Hormone, Substanzkonsum• Schwangerschaft/Wochenbett• Thromboserisiko🔎 Fokussierte UntersuchungWichtig sind vor allem:• Bewusstsein/Kognition• Meningismus• Sprache/Sprechen• Gesichtsfeld, Visus• rotes oder hartes Auge• Pupillen/Okulomotorik• Horner-Syndrom• Fazialisfunktion, Sensibilität• Motorik, Reflexe, Koordination, GangMerke:Neues fokal-neurologisches Defizit = sekundäre Ursache, bis das Gegenteil bewiesen ist⚠️ Wichtige Red Flags• Donnerschlag- oder Vernichtungskopfschmerz• Fieber• Meningismus• Bewusstseinsstörung• neue Sehstörung• rotes/verhärtetes Auge• Hals-/Nackenschmerz• Lageabhängigkeit• epileptischer Anfall• Tumoranamnese• Immunsuppression/HIV• Schwangerschaft/Wochenbett• erhöhte Thromboseneigung• erstmaliger oder deutlich veränderter Kopfschmerz im höheren Alter🖥️ Bildgebung & LiquorFaustregeln:• je unklarer die Anamnese, desto eher Bildgebung• je älter bei Erstmanifestation, desto eher Bildgebung• je kränker der Gesamteindruck, desto eher BildgebungTypische Zuordnungen:• Subarachnoidalblutung, Bewusstseinsstörung, Schlaganfallzeichen: sofort CT + CT-A• Dissektion: dringlich MRT + MR-Angiografie• Sinus-/Hirnvenenthrombose: MRT + MR-Venografie oder CT-Venografie• erhöhter intrakranieller Druck/Raumforderung: sofort CT• bei Verdacht auf ZNS-Infektion: nach Bildgebung und Ausschluss von Kontraindikationen Liquorpunktion🌩️ Primäre Kopfschmerzen in der NotaufnahmeMigräneTypisch:• einseitig, pulsierend• 4–72 Stunden• Übelkeit, Erbrechen, Licht-/Lärmempfindlichkeit• ggf. AuraAkuttherapie:• ASS oder Metamizol• plus Antiemetikum, z. B. Metoclopramid• bei Bedarf Triptan• Status migraenosus: ggf. Prednisolon oder Dexamethason i.v.ClusterkopfschmerzTypisch:• streng einseitig, peri-/supraorbital• 15–180 Minuten• autonome Zeichen: Lakrimation, Rhinorrhö, konjunktivale Injektion• starke motorische UnruheAkuttherapie:• 100 % Sauerstoff, 12 l/min über Maske mit Reservoir• Sumatriptan s.c. oder Zolmitriptan intranasal• orale Standardanalgetika meist unzureichend📌 Take-home-Messages• Kopfschmerztherapie ist immer auch Ursachenabklärung.• Strukturiertes Vorgehen rettet Diagnosen.• Red Flags aktiv suchen.• Bei mehreren Warnhinweisen nach der gefährlichsten Ursache handeln.• Migräne und Clusterkopfschmerz gezielt und früh behandeln.
  • Akute Intoxikation - Akutmanagment 03.08.2026 26min
    🚨 GrundsatzJede akute Vergiftung – auch schon der begründete Verdacht – ist ein medizinischer Notfall.Kernreihenfolge:• Vitalfunktionen sichern• Exposition beenden• Informationen sammeln• Diagnostik + supportive Therapie einleiten• Antidot und Giftelimination prüfenWichtig:• früh Hilfe organisieren• Giftnotrufzentrale/Giftinformationszentrum kontaktieren• Eigenschutz beachten🩺 Akutanamnese: die wichtigsten FragenUnter Zeitdruck gezielt erheben:• Wer ist der Patient?• Wo ist der Patient?• Welche Substanz?• Welche Menge?• Wann war die Exposition?• Welcher Aufnahmeweg: oral, inhalativ, dermal, okulär, parenteral?• Welche Symptome bestehen?• Welche Vorerkrankungen/Risikofaktoren gibt es?• Was wurde bereits unternommen?Merke:• Fremdanamnese ist hilfreich, aber oft ungenau• Angaben immer mit Klinik, Vitalparametern, Labor und Verlauf abgleichenAchte besonders auf:• Vigilanzminderung und Aspirationsrisiko• Bradypnoe bei möglicher Opioidintoxikation• Hinweise auf Toxidrome• Pflaster, Tablettenreste, Gerüche, Injektionsspuren, kontaminierte Kleidung☣️ Exposition beenden• Giftquelle entfernen oder deaktivieren• Patient aus dem Gefahrenbereich bringen• kontaminierte Kleidung entfernen• bei Gefahrstofflagen: Selbstschutz zuerst, Spezialkräfte sichern die Lage📞 Giftnotruf früh einschaltenHilfreiche Angaben:• Alter, Gewicht• vermutete Substanz• Menge, Zeitpunkt• Symptome, Vitalparameter• bereits erfolgte Maßnahmen🔬 BasisdiagnostikUnverzichtbar:• Blutzucker• Blutgasanalyse• EKGZusätzlich je nach Lage:• Anionenlücke• osmolale Lücke• Blutalkohol• toxikologisches ScreeningWichtig:• Screening unterstützt, ersetzt aber nicht die klinische Beurteilung🧠 Toxidrome erkennenTypische Muster:• opioid: Miosis, Vigilanzminderung, Atemdepression• anticholinerg: Mydriasis, trockene Haut, Harnverhalt, Delir• cholinerg: Speichelfluss, Bronchorrhoe, Diarrhö, Bradykardie, Miosis• sympathomimetisch: Unruhe, Tachykardie, Hypertonie, Schwitzen, Mydriasis💉 Empirische Therapie bei Bewusstseinsstörung• Glukose 25 g i.v., wenn Hypoglykämie nicht ausgeschlossen• Thiamin frühzeitig bei Risikopatienten, oft 100–200 mg i.v.• Naloxon bei Atemdepression: 0,2–0,4 mg i.v., titriert nach Ventilation• Flumazenil nur sehr selektiv bei vermuteter reiner BenzodiazepinintoxikationWichtig bei Naloxon:• auf ausreichende Atmung titrieren, nicht auf volle Wachheit• Wirkdauer kürzer als viele Opioide → Überwachung nötig🧴 Expositionsweg: Haut und Augen• sofort großzügig mit Wasser oder NaCl spülen• Kleidung entfernen• vor Auskühlung schützen• Augen lang und kontinuierlich spülen• keine Neutralisation ätzender Substanzen🥤 Expositionsweg: IngestionAktivkohle:• oft 1 g/kg KG, bei Erwachsenen häufig 50 g• v. a. innerhalb 1–2 Stunden sinnvoll• nicht bei Aspirationsgefahr, Ileus, Blutung, Perforation, Krampfgefahr oder ungeeigneter SubstanzWichtig:• Erbrechen auslösen nicht empfohlen• Magenspülung nur in Ausnahmefällen und unter klaren Voraussetzungen• anterograde Darmspülung bei ausgewählten schweren Fällen🌬️ Expositionsweg: InhalationSofortmaßnahme:• hochdosiert SauerstoffZusätzlich je nach Situation:• frühe Intubation/Beatmung• Bronchospasmolytika• Natriumhydrogencarbonat-Inhalation in Einzelfällen• Hydroxocobalamin bei Zyanidverdacht/Rauchgasinhalation• hyperbare Sauerstofftherapie bei schwerer CO-Intoxikation erwägen🏥 Weiterbehandlung und Organisation• engmaschiges Monitoring• Sekundärfolgen behandeln: Azidose, Elektrolytstörungen, Krampfanfälle, Hypo-/Hyperthermie, hämodynamische Instabilität• ggf. intensivmedizinische Therapie• ggf. Hämodialyse• Transportziel nach Ressourcen wählen🧪 AsservierungFür toxikologische/forensische Diagnostik sichern:• Urin• Blut/Serum/Plasma• Erbrochenes oder Mageninhalt• bei Schwermetallen: Vollblut
  • Umgang mit fremdaggressivem Verhalten im medizinischen Alltag 20.07.2026 30min
    🚨 Thema der FolgeUmgang mit fremdaggressivem Verhalten im medizinischen Alltag – relevant in Notaufnahme, Station, Psychiatrie, Rettungsdienst, Hausarztpraxis und Intensivmedizin.🛡️ GrundprinzipienEigenschutz hat immer Priorität.Nie allein in potenziell gefährliche Situationen gehen.Früh Unterstützung holen: Team, Pflege, Sicherheitsdienst, ggf. Polizei.Immer so positionieren, dass ein Rückzug möglich bleibt.⚠️ Fremdaggressives Verhalten: wichtige UrsachenAggression ist ein Symptom, keine Diagnose.Mögliche Hintergründe:• Psychose, Manie, Persönlichkeitsstörung• Intoxikation, Entzug, Alkoholentzugsdelir• Delir, Demenz, hirnorganisches Psychosyndrom• Hypoglykämie, Hypoxie• Schädel-Hirn-Trauma, Enzephalitis, zerebrale Ischämie• Massive psychosoziale Krise🧩 Vorbereitung und TeamorganisationWenn möglich vorab:• Informationen zur Vorgeschichte einholen• gefährliche Gegenstände entfernen• Unbeteiligte aus der Situation bringen• Medikamente und Monitoring vorbereiten• Rollen im Team festlegen: spricht, beobachtet, dokumentiert, alarmiertEin Hauptansprechpartner ist meist am sinnvollsten.🗣️ DeeskalationDeeskalation ist eine zentrale Intervention.Wichtige Elemente:• ruhig, klar, respektvoll, selbstsicher auftreten• offene Körperhaltung, Hände sichtbar• Abstand halten, nicht bedrängen, nicht umzingeln• kurze, einfache, wiederholte Botschaften• aktiv zuhören, Gefühle benennen, Ich-Botschaften nutzen• Wahlmöglichkeiten anbieten, um Kontrolle zurückzugeben🩺 Diagnostik nicht vergessenBasisdiagnostik je nach Sicherheit der Situation:• Eigen- und Fremdanamnese• psychopathologischer Befund• internistische und neurologische Untersuchung• Vitalparameter• Blutzucker immer mitdenken• Labor, Drogenscreening, EKG bei Bedarf• bei spezieller Fragestellung: cCT, MRT, EEGBesonders wichtig: Bei älteren Menschen mit neuer Agitation immer zuerst an Delir denken.⚖️ Rechtliche AspekteEntscheidend ist die Einordnung in einen Krankheitskontext.• keine krankheitsbedingte Aggression: Polizei/Vollzugsbehörden• krankheitsbedingte somatische Ursache: ggf. rechtfertigender Notstand• krankheitsbedingte psychiatrische Ursache: Unterbringung nach Landesrecht prüfenFür Maßnahmen gegen den Willen der Person braucht es eine belastbare rechtliche Grundlage.⛓️ ZwangsmaßnahmenNur ultima ratio bei akuter Gefährdung.Mögliche Maßnahmen:• Festhalten• Isolation• FixierungGrundsätze:• so kurz wie möglich• ausreichend geschultes Personal• kontinuierliche Überwachung• Bauchlage vermeiden• lückenlose Dokumentation• Nachbesprechung mit Patient und Team💊 Medikamentöse KriseninterventionZiel: ausreichende Beruhigung für sichere Diagnostik, Therapie und Transport – nicht Bestrafung.Bevorzugt:• freiwillige orale oder inhalative Gabe vor i.m./i.v.• schnell wirksame, gut steuerbare SubstanzenWichtige Gruppen:• Antipsychotika: z. B. Haloperidol, Promethazin, Aripiprazol• Benzodiazepine: z. B. Lorazepam, Midazolam, DiazepamWichtige Cave:• Kombination Antipsychotikum + Benzodiazepin nur ausnahmsweise• bei oraler Antikoagulation keine i.m.-Injektion• nach i.v./i.m.-Sedierung engmaschiges Monitoring von Bewusstsein, Atmung, Kreislauf📋 Dokumentation und NachsorgeDokumentiert werden sollten:• konkretes beobachtbares Verhalten• Deeskalationsversuche• Alternativen• Diagnostik• Medikation, Wirkung, Nebenwirkungen• Monitoring• Begründung von ZwangsmaßnahmenNach dem Vorfall:• Nachbesprechung mit der betroffenen Person• Team-Debriefing• bei Übergriffen auf Personal: medizinische Versorgung, Meldung, betriebsärztliche/psychologische Unterstützung, ggf. Anzeige✅ Take-home-Messages• Geh nie allein hinein.• Deeskaliere ruhig, klar und mit Abstand.• Denke immer auch an somatische Ursachen.• Blutzucker und Vitalparameter nicht vergessen.• Zwangsmaßnahmen nur als letztes Mittel.• Gute Dokumentation schützt Patienten und Behandelnde.
  • Akute Psychose - Akutmanagment 19.07.2026 27min
    🎙️ Akute Psychose in der Praxis – sicher erkennen, ruhig handeln, strukturiert behandeln🧭 Warum das Thema wichtig istAkute Psychosen sind oft Notfälle – und nicht automatisch „nur psychiatrisch“.Immer mitdenken:• primär psychiatrische Ursachen• neurologische, metabolische, infektiöse, autoimmune Ursachen• Intoxikationen, Entzug, Medikamente, Drogen🚨 Erstkontakt: Sicherheit zuerstVor Betreten des Raums:• Infos einholen: Auslöser, Bedrohungen, Vorerkrankungen, Substanzen, Medikation, Waffenhinweise• gefährliche Gegenstände entfernen• Fluchtwege sichern• Unterstützung in Nähe haltenGrundsatz:So wenig Zwang wie möglich, so viel Freiwilligkeit wie möglich.🗣️ Gesprächsführung in der AkutsituationDeeskalierend wirken:• ruhig, langsam, klar sprechen• kurze Sätze, klare Struktur• nicht konfrontieren, nicht „Wahn korrigieren“• Leidensdruck validieren, ohne Inhalte zu bestätigenHilfreich:„Ich sehe, dass Sie sich bedroht fühlen, und möchte verstehen, was los ist.“🧠 Psychopathologie gezielt erfassenWichtig sind:• Wahn: Verfolgung, Bedrohung, Beziehungswahn• Halluzinationen, v. a. akustisch• Ich-Störungen: Gedankeneingebung, -entzug, Gedankenlautwerden• formale Denkstörungen: Gedankenabreißen, Inkohärenz, VorbeiredenMerke:Optische Halluzinationen sprechen eher für organische Ursache oder Intoxikation.👀 Beobachtung zähltViele Betroffene berichten Symptome nicht spontan.Achten auf:• Antwortlatenz• Blick- und Aufmerksamkeitsstörungen• Selbstgespräche• Lauschen in den Raum• misstrauisches Umschauen• bizarr wirkendes Verhalten⚠️ Gefährdung früh einschätzenFremdgefährdung:• Gewaltandrohung, frühere Gewalt• Verfolgungswahn, Bedrohungserleben• Waffen, Substanzkonsum, Impulskontrollstörung• fehlende KrankheitseinsichtEigengefährdung:• Suizidversuche, fehlendes Netz• imperative Stimmen• Hoffnungslosigkeit, Schuld, depressive Einengung• Belastungen, Non-Adhärenz, SubstanzkonsumImmer aktiv nach Suizidalität fragen – auch in der Psychose.🩺 Diagnostik: organisch mitdenkenBasis:• internistische und neurologische Untersuchung• Vitalparameter• EKG vor geplanter antipsychotischer Therapie• Labor: Blutbild, Elektrolyte, Nierenwerte, Leberwerte, CRP, Glukose• Urin-DrogenscreeningJe nach Konstellation:• cMRT• EEG• Liquor• Infektionsdiagnostik, Autoimmun- und StoffwechselabklärungRed Flags für organische Ursachen:• Erstmanifestation im höheren Alter• fluktuierende Vigilanz• Fieber, Krampfanfälle• neurologische Defizite• optische Halluzinationen• enger zeitlicher Bezug zu Medikamenten, Drogen oder somatischer Erkrankung💊 AkuttherapieZiele:• Sicherheit• Angst- und Spannungsreduktion• Reizabschirmung• ursachengerechte BehandlungGrundsatz:Orale freiwillige Medikation bevorzugen.Häufige Optionen:• Olanzapin: gut bei Agitiertheit• Risperidon: gut oral bei kooperativen Patienten• Aripiprazol: eher weniger sedierend• Amisulprid, Ziprasidon: je nach Setting• Haloperidol: wirksam, aber EPS- und QT-Risiko beachten• Lorazepam: bei Anspannung, Agitation• Midazolam i.v.: rasch wirksam, nur mit MonitoringWichtige Sicherheitsregeln:• i.m. Olanzapin nicht zeitnah mit parenteralen Benzodiazepinen kombinieren• Benzodiazepine bei unklarer Intoxikation zurückhaltend einsetzen• QT-Verlängerung unter Antipsychotika beachten🏥 Weiterbehandlung planenJe nach Ursache und Gefährdung:• somatische Fachabteilung• offene psychiatrische Station• geschützte Unterbringung bei fehlender Absprachefähigkeit oder relevanter Eigen-/Fremdgefährdung📝 Praktische Take-aways• ruhig und wertschätzend bleiben• Reize reduzieren• Gefährdung wiederholt prüfen• Nebenwirkungen früh erkennen, z. B. Akathisie• sauber dokumentieren• immer auch an organische Ursachen denken✅ Die 3 Kernbotschaften1. Ruhig und strukturiert handeln2. Psychose nie vorschnell als rein psychiatrisch einordnen3. Eigen- und Fremdgefährdung früh und wiederholt beurteilen
  • Vigilanzminderung - Akutmanagment 18.07.2026 34min
    🧠 Vigilanzminderung in der NotaufnahmeVigilanzminderung bzw. Koma unklarer Ursache ist ein hochakuter interdisziplinärer Notfall. Entscheidend ist: schnell strukturieren, parallel handeln, Ursache finden und sofort behandelbare Auslöser nicht verpassen.🚨 Grundprinzipien• Koma unklarer Ursache ist keine rein neurologische Fragestellung• Hohe Sterblichkeit, oft mehrere Ursachen gleichzeitig• Ein gefundener Befund ist nicht automatisch die Ursache• Unauffällige Neurologie ist keine Entwarnung🧩 Pathophysiologische Einteilung1. Primäre Hirnfunktionsstörung mit akuter Läsion• Hirnstamm-/Thalamusläsion• Blutung, Ödem, Einklemmung• akute epileptogene Läsion• ZNS-Entzündung2. Primäre Hirnfunktionsstörung ohne akute Läsion• epileptischer Anfall / Status epilepticus ohne neue Läsion• Pseudokoma, akinetische Krise3. Sekundäre diffuse Hirnfunktionsstörung• kardio-respiratorisch• metabolisch / homöostatisch• septische Enzephalopathie• Intoxikation⏱️ Die ersten 15 MinutenVersorgung im cABCDE-Schema, idealerweise interdisziplinär und parallel.Wichtige Sofortmaßnahmen:• Intubationsbereitschaft sichern• O2-Gabe, Beatmung prüfen/optimieren• Monitoring: EKG, RR, SpO2, AF, Temperatur• 2 i.v.-Zugänge• vorsichtige balancierte Volumentherapie🧪 BasisdiagnostikFrüh und parallel:• Blutgasanalyse, wiederholt• Labor: Blutbild, CRP, PCT, Glukose, Elektrolyte, Laktat, Nieren- und Leberwerte, Gerinnung, Troponin, CK, TSH, Ethanol• Blutkulturen bei Infektverdacht vor Antibiotika, wenn ohne relevante Verzögerung• Rückstellproben für Toxikologie/Spiegel asservieren• 12-Kanal-EKG• Thoraxröntgen• Urinprobe / ggf. Blasenkatheter🗣️ FremdanamneseBesonders wichtig:• Beginn und Dynamik• Erstereignis oder bekannt?• Fieber, Luftnot, Schmerzen, Krampf, fokale Defizite, Trauma• Medikamente, Drogen, Notfallmedikation• Auffindesituation• Zeugen/Angehörige erreichbar?🔎 Klinisch-neurologische UntersuchungZiel: Schweregrad einschätzen, Hinweise auf fokale Läsion oder Status epilepticus finden.Wesentliche Punkte:• GCS, oft hilfreicher: FOUR-Score• Blickstellung, Pupillen, Lichtreaktion• Hirnstammreflexe• Motorische Reaktion auf Schmerz• Tonus, Reflexe, Pyramidenbahnzeichen• Meningismus, Temperatur• auf konvulsive Anfälle/Status achten⚡ Sofort behandelbare UrsachenUnverzüglich erkennen und therapieren:• Status epilepticus → Benzodiazepin, dann Antiepileptikum• Meningitis/Enzephalitis → Blutkulturen, Dexamethason, kalkulierte Antiinfektiva• respiratorische Insuffizienz / Hyperkapnie → Atemweg und Beatmung• Hypoglykämie → i.v. Glukose, ggf. Thiamin bei Alkoholabusus• schwere Elektrolytstörungen, z. B. Hyponatriämie• Sepsis / septische Enzephalopathie• Opioid-Toxidrom → Naloxon titriert🩻 BildgebungInnerhalb der nächsten 15 Minuten ideal:• cCT• CT-Angiografie der supraaortalen GefäßeZiele:• Blutung, Ischämie, Ödem, Hirndruck• Gefäßverschluss, Dissektion• epileptogene strukturelle LäsionenWichtig:Ein unauffälliges CT beendet die Diagnostik nicht.🤝 Team-Time-outNach Erstversorgung und nach Bildgebung:• Befunde gemeinsam abgleichen• Vitalbedrohung?• Intubation nötig?• Sofort therapiepflichtige Ursache gefunden?• Passt der Befund wirklich zur Bewusstseinsstörung?🏥 Weiterführende Diagnostik auf IntensivstationBei unklarem Befund:• Lumbalpunktion frühzeitig, wenn möglich• EEG zum Ausschluss eines nicht-konvulsiven Status epilepticus• MRT bei weiter bestehendem Verdacht• toxikologische, metabolische, endokrinologische und infektiologische Abklärung📌 Take-home-Messages• Parallel statt nacheinander handeln• Sofort reversible Ursachen aktiv suchen• cCT/CTA ist zentral, aber nicht abschließend• Mehrere Ursachen können gleichzeitig vorliegen• Nur ein neuroanatomisch plausibler Befund erklärt das Koma• Nie zu früh mit der Diagnostik aufhören
  • Schwindel - Akutmanagment 17.07.2026 31min
    🚨 Thema der FolgeNotfallmanagement bei Schwindel: strukturiertes Vorgehen zwischen harmloser peripherer Ursache und potenziell lebensbedrohlichem posterioren Schlaganfall.🧭 GrundprinzipSchwindel ist ein Symptom, keine Diagnose.Die subjektive Stärke sagt wenig über die Gefährlichkeit aus.Wichtig:• nicht auf Bauchgefühl verlassen• Anamnese + Basisdiagnostik + klinische Untersuchung + Gesamtsynthese• im Zweifel zentral, bis das Gegenteil bewiesen ist🔎 BegriffsklärungVestibulärer Schwindel (Vertigo):Bewegungsillusion – Drehen, Schwanken, Kippen, GezogenseinNicht vestibulärer Schwindel (Dizziness):Unsicherheit, Benommenheit, Präsynkope, Schwarzwerden vor AugenVestibulär weiter differenzieren:• peripher: Innenohr / Vestibularorgan• zentral: Hirnstamm / Kleinhirn⚡ Akutziele im Notfall1. Lebensbedrohliche Ursachen erkennen• Hirnstammischämie / Kleinhirninfarkt• Rhythmusstörungen• Hypotonie / Hypertonie• Hypoglykämie• Elektrolytstörungen• Intoxikation / Entzug2. Akut behandelbare periphere Ursachen identifizieren• benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel (BPLS)• Neuropathia vestibularis• Menière-Attacke🩺 BasismaßnahmenZu Beginn immer:• Vitalparameter• 12-Kanal-EKG• i.v.-Zugang• Blutentnahme, ggf. BGASinnvolle Labore:• Blutbild, CRP• Glukose• Elektrolyte inkl. Na, K, Mg• Nierenwerte• Leberwerte• Troponin, CK• TSH• Gerinnung• ggf. Ethanol💬 Wichtige AnamneseZentrale Fragen:• echte Bewegungsillusion oder eher Benommenheit?• plötzlich oder schleichend?• anhaltend oder attackenartig?• Dauer: Sekunden, Minuten, Stunden?• auslösbar durch Lagewechsel/Kopfbewegung?• Hörminderung, Tinnitus, Ohrdruck?• neurologische Symptome: Doppelbilder, Dysarthrie, Dysphagie, Schwäche, Sensibilitätsstörung?• Medikamente, Alkohol, Drogen?🧠 Klinische SchlüsselpunkteBeim akuten vestibulären Syndrom ist die Unterscheidung peripher vs. zentral entscheidend.HINTS nur bei anhaltendem akuten vestibulären Syndrom:• Head Impulse• Nystagmus• Test of SkewZentral verdächtig schon bei einem Befund:• normaler Kopfimpulstest• richtungswechselnder Nystagmus• Skew Deviation🚩 Red Flags für zentrale Ursache• Bewusstseinsstörung• zentrale Okulomotorikstörung• vertikaler, torsionaler oder atypischer Nystagmus• Rumpfataxie / Dysmetrie• Dysarthrie, Aphasie, Paresen, Hypästhesie• apoplektiformer Beginn• unklare Befunde trotz anhaltender Symptomatik🧪 Typische periphere SyndromeBPLS:• Sekunden bis wenige Minuten• lageabhängig• beschwerdefrei in Ruhe• Therapie: Befreiungsmanöver, z. B. EpleyNeuropathia vestibularis:• anhaltender Schwindel über Stunden bis Tage• Übelkeit/Erbrechen• pathologischer Kopfimpulstest• keine Hörstörung• Therapie: kurz symptomatisch, frühe Mobilisation, vestibuläre Physiotherapie, ggf. GlukokortikoideMorbus Menière:• Attacken über 20 Minuten bis Stunden• Hörminderung, Tinnitus, Ohrdruck• symptomatische Akuttherapie, HNO-Mitbetreuung💊 Symptomatische TherapieBei Übelkeit/Erbrechen:• Dimenhydrinat• alternativ MetoclopramidWichtig:• Antivertiginosa nur kurzzeitig• längere Gabe kann vestibuläre Kompensation bremsen🖥️ BildgebungBei Verdacht auf zentrale Ursache:• bevorzugt kranielle MRT mit DWI, FLAIR, T2, GefäßdarstellungWichtig:• frühe MRT kann bei posteriorer Ischämie falsch negativ sein• starke Klinik schlägt unauffällige Frühbildgebung📌 Take-home-Messages• Erst fragen: Bewegungsillusion ja oder nein?• Viel Übelkeit beweist keine periphere Ursache• HINTS ist hochrelevant – aber nur im richtigen Setting• Anamnese hilft, ersetzt aber nie die Untersuchung• Dokumentation des Nystagmus exakt festhalten• Wenn zentrale Ursache nicht sicher ausgeschlossen ist: stationär denken
  • Hitzschlag - Akutmanagment 16.07.2026 29min
    🌡️ Hitzschlag: medizinischer NotfallHitzschlag ist eine der gefährlichsten hitzebedingten Notfallsituationen überhaupt. Unbehandelt drohen Multiorganversagen, neurologische Schäden und Tod. Entscheidend für Prognose und Outcome: frühes Erkennen und sofortige, konsequente Kühlung.🚑 MerksatzSchnelles Kühlen rettet Leben.🧠 DefinitionHitzschlag = schwerer Hitzeschaden mit- Körperkerntemperatur typischerweise > 40,5 °C- neurologischer Störung- drohendem oder bestehendem OrganversagenUrsache ist ein Versagen der Thermoregulation mit Zellschädigung, Inflammation, Gerinnungsstörung, Endothelschaden und Kreislaufversagen.👥 FormenKlassischer Hitzschlag- durch hohe Umgebungstemperaturen- v. a. ältere Menschen, Kinder, Pflegebedürftige, Vorerkrankte, Personen unter MedikamentenAnstrengungshitzschlag- durch starke körperliche Belastung, oft zusätzlich Hitze- v. a. junge, zuvor gesunde Menschen, z. B. Sport, Militär, Bauarbeit☀️ Abgrenzung zum SonnenstichSonnenstich- meist leichter Hitzeschaden des Kopfes- oft Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Nackenschmerz, meningeales Reizbild- Temperatur oft < 40 °CHitzschlag- deutliche Erhöhung der Körperkerntemperatur- zentrale neurologische Symptome sind wegweisendWichtig: Sonnenstich kann ähnlich aussehen oder in einen Hitzschlag übergehen.🔍 Klinische ZeichenTypisch ist die Kombination aus:- Hitzeexposition- neurologischer Auffälligkeit- erhöhter KörperkerntemperaturMögliche Symptome- Desorientiertheit, Verwirrtheit, Delir, Agitation- Ataxie, Krampfanfälle, Koma- Tachykardie, später Hypotonie bis Schock- Tachypnoe, Hyperventilation- Übelkeit, ErbrechenHautbefund- heiß, gerötet, trocken oder noch feucht- Schwitzen schließt Hitzschlag nicht aus🩺 Präklinisches Vorgehen- Versorgung nach cABCDE- Fremdanamnese nutzen: Hitze, Sport, Flüssigkeitsmangel, Alkohol, Drogen, Medikamente- Vitalparameter und neurologischen Status erfassen- Körperkerntemperatur messen: tympanisch, rektal, bei Intubation ösophageal- axilläre Messung ist unzuverlässigBei Ateminsuffizienz oder Koma:- Atemweg sichern, ggf. RSI/Intubation- Sauerstoffgabe- Krampfanfälle leitliniengerecht behandeln, z. B. Benzodiazepine❄️ Zentrale Therapie: sofortige KühlungZiel:- Körperkerntemperatur rasch unter 39 °C senken- aktive Kühlung dann reduzieren/beenden, um Hypothermie zu vermeidenPraktische Methoden- Kaltwasser- oder Eiswasserimmersion: effektivste Methode- Kühlpacks in Tücher gewickelt an Leisten, Axillen, Kopf- Haut befeuchten + Luftzug/Ventilation- bei schweren Fällen intern oder extrakorporal kühlenWichtig:- Temperatur engmaschig kontrollieren- keine Antipyretika wie Paracetamol oder ASS💧 Klinik und Intensivmedizin- Cooling first, parallel Diagnostik und Organunterstützung- Volumengabe mit balancierten kristalloiden Lösungen- engmaschiges Monitoring: Temperatur, EKG, Blutdruck, SpO2, BGA, Diurese- Labor: Elektrolyte, Nierenwerte, Leberwerte, CK, Myoglobin, Gerinnung, Laktat, Osmolalität- Komplikationen früh erkennen und behandeln⚠️ Wichtige Differenzialdiagnosen- Hitzeerschöpfung, Hitzesynkope, Hitzekrämpfe- Sepsis, Meningitis, Enzephalitis- anticholinerges Syndrom- serotonerges Syndrom- malignes neuroleptisches Syndrom- Intoxikationen- thyreotoxische Krise, Addison-Krise, maligne Hyperthermie🧨 Komplikationen- Hirnödem, Delir, Koma- Rhabdomyolyse- akutes Nierenversagen- Leberversagen- ARDS- Gerinnungsstörungen bis DIC- Tod🚨 Red Flags- neurologische Störung bei Hitzeexposition- normale periphere Temperatur schließt Hitzschlag nicht aus- Schwitzen schließt Hitzschlag nicht aus- Antipyretika helfen nicht- auch junge, sportliche Menschen können rasch dekompensieren✅ Take-home-Points1. Hitzschlag = Hyperthermie + neurologische Störung + Organversagensrisiko2. Wichtigste Therapie: sofortige, rasche Kühlung3. Antipyretika sind wirkungslos und potenziell schädlich
  • Akutes Querschnittsyndrom: neurologischer Notfall - Akutmanagment 15.07.2026 26min
    🧠 Akutes Querschnittsyndrom: neurologischer NotfallJedes akute Querschnittsyndrom ist ein Zeit- und Diagnostik-Notfall. Auch scheinbar milde sensible Ausfälle können rasch progredient und dauerhaft behindernd werden.📌 Definition und klinische MusterAkut bilaterale, höhenbezogene neurologische Defizite durch Schädigung des Rückenmarks oder akute Dekompensation einer chronischen Myelopathie.Wichtige Syndrome:• Komplettes vs. inkomplettes Querschnittsyndrom• Arteria-spinalis-anterior-Syndrom: motorische Ausfälle + gestörtes Schmerz-/Temperaturempfinden, Hinterstrangfunktionen eher erhalten• Brown-Séquard-Syndrom: hemilaterale Rückenmarksläsion mit dissoziierten sensomotorischen Ausfällen• Konus-Kauda-Syndrom: Sattelanästhesie, Harn-/Stuhlstörung, periphere Beinparesen🚨 Differenzialdiagnosen mitdenkenNicht jede beidseitige Beinschwäche ist spinal:• Leriche-Syndrom• Guillain-Barré-Syndrom• bilaterales Mantelkantensyndrom• psychogene Lähmung• ausgedehnte Hirnstammläsion bei sehr hohem Syndrom🩺 AkutmanagementVersorgung nach cABCDE, enges Monitoring und frühe interdisziplinäre Einbindung.Wichtige Sofortmaßnahmen:• Monitoring: EKG, SpO2, Atemfrequenz, Blutdruck beidseits, Temperatur• i.v.-Zugang, Labor, Blutgasanalyse bei Bedarf• zurückhaltende initiale Volumengabe mit balancierter Vollelektrolytlösung• Thromboseprophylaxe situationsgerecht• Restharnsonografie, bei Bedarf Blasenkatheter• suffiziente Analgesie• bei Risiko: Magenschutz, Darmmanagement• bei Trauma: sofort Traumazentrum, Neurochirurgie/Traumatologie🔎 Klinische UntersuchungDie klinische Höhenlokalisation steuert die Bildgebung.Besonders wichtig:• Beginn: Minuten, Stunden oder Tage?• plötzlich = eher vaskulär• subakut = eher entzündlich, infektiös oder kompressiv• Rückenschmerz, radikulärer Schmerz, gürtelförmige Parästhesien• Motorik, Tonus, Reflexe, Pyramidenbahnzeichen• sensibles Niveau kartieren• sakrale Funktionen prüfen: Sattelbereich, Analsphinkter, Blasen-/Mastdarmfunktion• Hirnnerven untersuchen bei Verdacht auf Hirnstamm• Pulse und Ischämiezeichen an allen Extremitäten prüfen⚠️ Atemfunktion nicht übersehenHohe zervikale Läsionen, besonders auf Höhe C3/C4, können das Zwerchfell gefährden und vital bedrohlich sein.🖼️ Bildgebung: was zuerst?Standard:• notfallmäßige MRT der WirbelsäuleAusnahmen:• Verdacht auf Hirnstammschädigung: zuerst CT Kopf + CTA der supraaortalen Gefäße• Verdacht auf Arteria-spinalis-anterior-Syndrom oder Leriche-Syndrom: zuerst CTA der gesamten AortaMerke:Unauffällige Erstbildgebung beendet die Diagnostik nicht. Bei weiterem Verdacht fehlende Wirbelsäulenabschnitte nachuntersuchen, ggf. MRT Kopf oder Liquordiagnostik ergänzen.🏥 Ursachen mit ZeitkritikSofort erkennen und behandeln:• kompressive Myelopathie: Fraktur, Blutung, Bandscheibenprolaps, Tumor, Abszess, Spondylodiszitis• vaskuläre Ursachen: spinale Ischämie, Aortendissektion, Aortenverschluss• entzündliche/infektiöse Myelitis• hochzervikale Läsion mit Atemgefährdung🤝 Wer muss dazu?• Neurochirurgie/Traumatologie bei Kompression, Trauma, Spondylodiszitis• Gefäß- oder Thoraxchirurgie bei Aortendissektion, Aortenverschluss, Aneurysma• Intensivstation bei respiratorischer Insuffizienz, hohem Querschnitt, Hirnstammsyndrom oder vegetativer Instabilität✅ Take-homeFrüh erkennen, sauber lokalisieren, passende Bildgebung wählen, sofort interdisziplinär handeln: Genau diese Kombination entscheidet beim akuten Querschnittsyndrom über den neurologischen Outcome.
  • Status epilepticus beim Erwachsenen – schnell erkennen, konsequent behandeln, Ursache mitdenken 14.07.2026 23min
    ⏱️ DefinitionEin Status epilepticus liegt vor, wenn• ein epileptischer Anfall 5 Minuten oder länger anhält• oder mindestens 2 Anfälle auftreten, ohne Wiedererlangen des Bewusstseins dazwischenWichtig: Die 5-Minuten-Grenze ist therapeutisch entscheidend. Ab dann sofort behandeln.🚑 Klinische EinordnungPragmatisch im Akutfall:• konvulsiv vs. nicht konvulsiv• nach klinischer Durchbrechung: mit oder ohne BewusstlosigkeitDer konvulsive Status ist ein akut lebensbedrohlicher Notfall. Der nicht konvulsive Status braucht ebenfalls rasche Diagnostik und Therapie, meist EEG-gestützt.🩺 BasismaßnahmenSofort:• Selbstgefährdung minimieren, Kopf schützen, Gefahrenquellen entfernen• Atemwege sichern, Aspirationsrisiko senken• nichts in den Mund einführen• Sauerstoff, Monitoring, i.v.-Zugang• Intubationsbereitschaft herstellenPoint-of-Care:• Blutzucker sofort messen• Hypoglykämie direkt behandeln• bei passender Konstellation an Thiamin vor/mit Glukose denkenWeitere Basisdiagnostik:• Blutbild, CRP, Elektrolyte, Nieren- und Leberwerte• Calcium, Magnesium, Phosphat• Laktat, CK, Troponin, TSH, Gerinnung• Ethanol, ggf. Medikamentenspiegel• Blutgasanalyse im Verlauf• Rückstellprobe für Toxikologie🧾 Wichtige AnamneseFremdanamnese kann entscheidend sein:• Beginn und Dauer?• Kopftrauma?• bereits gegebene Notfallmedikation?• bekannte Epilepsie?• Dauermedikation oder Absetzen?• Hinweise auf Alkoholentzug, Intoxikation, Infekt, metabolische Ursache?• Schwangerschaft? → Eklampsie mitdenken💊 Stufentherapie1. Stufe: BenzodiazepineBeginn 5 Minuten nach Anfallsbeginn, bei Persistenz zweite Gabe nach 5–10 Minuten.Typische Optionen:• Lorazepam i.v.• Clonazepam i.v.• Midazolam i.v.• Diazepam i.v.Wenn kein i.v.-Zugang:• Midazolam i.m. oder intranasal• alternativ Diazepam rektal oder Midazolam bukkalPraxispunkt: Benzodiazepine nicht unterdosieren.2. Stufe: benzodiazepinrefraktärer StatusSpätestens innerhalb von 30 Minuten:• Levetiracetam• Valproat• FosphenytoinWeitere Optionen:• Phenytoin• Phenobarbital• LacosamidWichtig:• mehrere Wirkstoffe nacheinander sind möglich, bevor in Narkose eskaliert wird• danach Erhaltungstherapie fortführen3. Stufe: refraktärer StatusSpätestens nach 60 Minuten:• Intubationsnarkose• Intensivstation• kontinuierliches EEGTypische Medikamente:• Propofol• Midazolam• ThiopentalZiel: klinische und elektrophysiologische Statuskontrolle, oft mit Burst-Suppression im EEG.4. Stufe: suprarefraktärer StatusTherapie in spezialisierten Zentren, z. B.:• Ketamin• hochdosierte Barbiturate• Inhalationsanästhetika• enterale Antiseizure-Medikation• ketogene Diät• epilepsiechirurgische Verfahren• selten EKT🔍 Ursache immer mitdenkenDer Status epilepticus ist ein Symptom, keine Grunderkrankung.Wichtige Ursachen:• Schlaganfall, Blutung, Enzephalitis, Meningitis• Hypoglykämie, Elektrolytstörungen, Hypoxie• Sepsis, Intoxikation, Alkoholentzug• Eklampsie• Medikamentenfehler oder Non-Adhärenz⚠️ Praktische Merksätze• Auf die Uhr schauen• ausreichend dosieren• nächste Eskalationsstufe früh vorbereiten• EEG bei ausbleibender Bewusstseinsklarung• Begleitfaktoren aktiv korrigieren📌 Take-home• Ab 5 Minuten wird behandelt• konvulsiver Status = vitaler Notfall• Benzodiazepin zuerst, dann zügige Eskalation• Ursache parallel abklären• Besonders beim ersten Status im Erwachsenenalter steckt oft eine behandelbare Auslösererkrankung dahinter
  • Schlaganfall - Akutmanagment 13.07.2026 29min
    🧠 Akutes Schlaganfallmanagement – praxisnaher Ablauf⚠️ GrundprinzipJedes plötzlich aufgetretene fokal-neurologische Defizit ist zunächst ein Schlaganfall, bis das Gegenteil bewiesen ist – auch bei Remission der Symptome oder TIA.Time is brain.🗣️ Wichtige AnamneseEntscheidend sind:• Welche Defizite? Sprache, Sprechen, Sehen, Sensibilität, Motorik, Koordination• Plötzlicher Beginn oder schleichend?• Persistierend, rückläufig oder remittiert?• Wann war die Person zuletzt sicher symptomfrei?Zusätzlich parallel:• vaskuläre Vorerkrankungen, Risikofaktoren• Blutungsrisiken• Vormedikation, v. a. Antikoagulanzien und Thrombozytenaggregationshemmer🚑 BasismaßnahmencABCDE, Monitoring und Stabilisierung:• Herzfrequenz, Blutdruck, Atmung, SpO₂, Temperatur• 12-Kanal-EKG früh und aktiv befunden• mindestens 1 stabiler i.v.-Zugang• Blutgasanalyse inkl. Blutzucker🩸 LaborWichtig in der Akutsituation:• kleines Blutbild, CRP• Glukose, Elektrolyte, Laktat• Kreatinin, Harnstoff, eGFR• Leberwerte• Troponin, CK• TSH• INR, PTT• EthanolWichtig: Hypoglykämie ist ein relevanter Stroke Mimic und muss sofort ausgeschlossen bzw. korrigiert werden.🧪 Neurologische NotfalluntersuchungOrientierend, schnell und fokussiert:• Aphasie vs. Dysarthrie unterscheiden• Gesichtsfeld, Visus, Neglect• Pupillen, Blickdeviation, Okulomotorik• Fazialisparese, faziale Sensibilität• Arm- und Beinhalteversuch• grobe Kraft, Tonus, Reflexe• grobe Sensibilität• zerebelläre Tests: Finger-Nase, Knie-Hacke, Sitzen/Gang wenn sicher🧭 PlausibilitätsprüfungSpricht das Bild für ein Schlaganfallsyndrom?1. neurovaskulär plausible Lokalisation2. plötzlicher Symptombeginn3. kein offensichtliches Stroke MimicBei Zweifel bis zur Bildgebung im Schlaganfallpfad bleiben.📏 SchweregradNIHSS zur standardisierten Erfassung und Verlaufskontrolle.🖥️ BildgebungAkutstandard:• native cCT• CTA der supraaortalen GefäßeAuch bei bereits remittiertem Defizit.Fragen an die Bildgebung:• Blutung?• demarkierte Ischämie / frühe Infarktzeichen?• frischer Gefäßverschluss?• relevante Stenose?🧷 TherapieentscheidungWenn Blutung: weiteres Vorgehen nach Blutungsart/-ursache.Wenn keine Blutung:• ≤ 4,5 h und kein großer erreichbarer Verschluss → systemische Thrombolyse• großer interventionell erreichbarer Gefäßverschluss → Neurothrombektomie erwägen• ≤ 4,5 h + großer Verschluss → häufig Bridging: Lyse + Thrombektomie• erweitertes/unklares Zeitfenster → Perfusionsbildgebung oder MRT, Penumbra / DWI-FLAIR-Mismatch prüfenSonderfall:• Basilarisverschluss: Thrombektomie oft auch jenseits klassischer Zeitfenster💉 Systemische ThrombolyseStandardindikation:• ischämischer Schlaganfall innerhalb von 4,5 StundenVorher beachten:• Blutung ausgeschlossen• Kontraindikationen prüfen• Blutdruck vor Lyse ≤ 180/105 mmHgTypische Probleme:• wirksame Antikoagulation• pathologische Gerinnung• aktive/kürzliche Blutung• schwere Hypertonie• sehr große Infarkte• vollständig rückläufige oder nicht behindernde Defizite🚨 Komplikationen der LyseAchten auf:• neurologische Verschlechterung• Kopfschmerz, Erbrechen, Vigilanzminderung• Blutdruckanstieg→ sofort cCT bei BlutungsverdachtWichtig:• angioneurotisches Ödem, oft 30–120 min nach Beginn→ Lyse stoppen, Notfalltherapie, Atemweg sichern🏥 Stroke UnitIndiziert bei ischämischem Schlaganfall oder TIA.Monitoring:• EKG, RR, HF, Atmung, SpO₂• Temperatur und Blutzucker regelmäßig• Vigilanz und NIHSS engmaschig📌 Nachsorge und Merkpunkte• Bei neurologischer Verschlechterung sofort erneute cCT• Nach Lyse: RR < 180/105 mmHg, ideal systolisch 140–160• 24 h nach Lyse Kontroll-cCT• Erst danach ASS und medikamentöse Thromboseprophylaxe, wenn keine Blutung✅ Merkskript für den DienstPlötzliches Defizit erkennen → Uhrzeit klären → cABCDE → Zucker messen → fokal-neurologisch untersuchen → Plausibilität prüfen → sofort cCT + CTA → Entscheidung über Lyse und/oder Thrombektomie.
  • Rupturiertes Bauchaortenaneurysma - Akutmanagment 12.07.2026 23min
    🩸 Thema der FolgeRupturiertes Bauchaortenaneurysma (rAAA) = einer der dramatischsten gefäßchirurgischen Notfälle. Entscheidend ist die frühe Verdachtsdiagnose und der schnellstmögliche Weg zur operativen Blutungskontrolle.🚑 Zentrale BotschaftNicht maximale Diagnostik vor Ort, sondern:- schnell erkennen- schonend behandeln- unverzüglich in ein geeignetes Zentrum transportierenAlles muss dem OP-Beginn dienen. Keine Verzögerung durch unnötige Maßnahmen.🧠 PathophysiologieEs gibt zwei klinisch wichtige Formen:- freie Ruptur: Blutung in die Bauchhöhle, meist hochinstabil, oft rasch tödlich- gedeckte retroperitoneale Ruptur: vorübergehende Tamponade möglichWichtig: Diese fragile Tamponade darf nicht verloren gehen. Gefährlich sind:- Blutdruckspitzen- Pressen, Husten, starke Bewegung- unnötige Manipulationen- wenn möglich auch Intubation vermeiden🔎 Wann daran denken?Klassisch: Bauch-/Rückenschmerz + Hypotonie + pulsierende abdominelle ResistenzHäufiger aber nur Red Flags:- älterer Patient, oft männlich- bekannte Gefäßerkrankung oder bekanntes AAA- plötzlicher Bauch-, Flanken- oder Rückenschmerz- Kollaps, Synkope, Schweißigkeit, Blässe- Unruhe, Verwirrtheit, Schock unklarer Genese⚠️ Wird nicht selten als Nierenkolik, Lumboischialgie oder akutes Abdomen fehlgedeutet.🩺 Präklinisches ManagementWichtig:- fokussierte Anamnese: bekanntes AAA, Gefäßeingriffe, Antikoagulation, plötzlicher Schmerzbeginn- Basismonitoring: SpO2, NIBP engmaschig, EKG- Pulse, Rekapillarisierungszeit, Vigilanz prüfen- BZ und Temperatur mitdenken- möglichst wenig Bewegung, schonende Lagerung- warm halten💉 Kreislaufstrategie: permissive HypotensionZiel ist nicht Normotonie, sondern gerade ausreichende Organperfusion.Praktische Orientierung:- systolisch etwa 70–100 mmHg- deutlich unter 70 mmHg vermeiden- nicht „schöninfundieren“Volumentherapie:- restriktiv- kleine Kristalloid-Boli, z. B. 250 ml- danach neu beurteilenMerksatz:So wenig wie möglich, so viel wie nötig.💊 MedikamenteAnalgesie:- vorsichtig titriert- z. B. Morphin 1–2 mg i.v. schrittweise- alternativ Fentanyl in kleinen DosenSedierung:- nur zurückhaltend bei Angst/Unruhe- z. B. Midazolam niedrig dosiertBei Hypotonie mit unzureichender Perfusion:- Noradrenalin als Überbrückung möglichBei hypertensiver Entgleisung:- vorsichtig steuerbares Nitroglycerin in Einzelfällen🫁 Atemweg und Sauerstoff- Sauerstoff nach Bedarf- Intubation möglichst vermeiden, wenn nicht zwingend notwendig- Atemwegssicherung nur bei klarer Indikation🏥 Zielklinik und SchockraumTransport:- sofort- in ein gefäßchirurgisch geeignetes, idealerweise endovaskulär erfahrenes Zentrum- Voranmeldung mit klarer Verdachtsdiagnose rAAAIm Schockraum:- nur Diagnostik, die den OP nicht verzögert- Labor, Kreuzblut, Blutgase, Laktat, Gerinnung, Kalzium- Sonografie oft sehr hilfreich- CT-Angiografie nur bei hämodynamisch ausreichend stabilem Patienten- instabiler Patient: direkt OP / Hybrid-OP🩸 Hämotherapie und GerinnungFrüh an Massivtransfusion denken:- Erythrozyten- Plasma- ThrombozytenAußerdem wichtig:- Normothermie- Kalzium im Blick- Azidose vermeiden- Gerinnung überwachen⛔ Häufige Fehler- Diagnose nicht in Betracht ziehen- unnötige Bewegung oder Stress- aggressive Volumengabe auf Normotonie- zeitfressende Diagnostik beim instabilen Patienten- verspätete Zentrenanmeldung- Wärme, Gerinnung und Blutprodukte unterschätzen📌 Take-home Messages- rAAA früh erkennen- schonendes Management mit permissiver Hypotension- keine Verzögerung: direkt ins geeignete Zentrum und zur Blutungskontrolle
  • Perikardtamponade - Akutmanagment 11.07.2026 26min
    🫀 Perikardtamponade: kardiologischer NotfallPerikardtamponade = lebensbedrohliche Kompression des Herzens durch Druckanstieg im Perikard mit behinderter diastolischer Füllung. Folge: vermindertes Schlagvolumen, sinkendes Herzzeitvolumen, obstruktiver Schock bis Kreislaufstillstand.Merksatz: Hämodynamisch relevante Perikardtamponade = schnellstmögliche Entlastung. Verzichtbare Diagnostik darf nicht verzögern.⚠️ PathophysiologieEntscheidend ist nicht nur die Ergussmenge, sondern vor allem die Geschwindigkeit der Entstehung:• langsam zunehmender Erguss: oft länger kompensiert• rasches Hämoperikard: schon bei kleinerer Menge fulminante Tamponade👀 KlinikTypische Hinweise:• Dyspnoe• Brustschmerz• Tachykardie• Hypotonie• Tachypnoe• Unruhe, Schwitzen, TodesangstWichtige Befunde:• Halsvenenstauung• abgeschwächte Herztöne• Pulsus paradoxus: inspiratorischer Abfall des systolischen Blutdrucks > 10 Millimeter Quecksilber• ggf. Kußmaul-Zeichen🧠 Immer mitdenken: DifferenzialdiagnosenBei obstruktivem Schock sofort unterscheiden zwischen:• Perikardtamponade• Spannungspneumothorax• massive LungenarterienembolieBesonders wichtig:Spannungspneumothorax kann klinisch sehr ähnlich sein. Lungenultraschall und Auskultation helfen bei der Abgrenzung.🩺 DiagnostikMethode der ersten Wahl: EchokardiografieEcho-Zeichen:• Perikarderguss• diastolischer Kollaps rechter Herzhöhlen• gestaute Vena cava inferior mit verminderter Kollapsibilität• atemabhängige FlussveränderungenPraxispunkt:Bei instabiler Tamponade keine unnötige Verzögerung durch CT, ausführliches Labor oder organisatorische Abläufe.🚑 AkutmanagementSofortmaßnahmen:• Monitoring: EKG, Blutdruck, Sauerstoffsättigung, Atmung, Urinproduktion• venöser Zugang, idealerweise zwei• Sauerstoffgabe, Ziel SpO2 > 92 Prozent• kleine vorsichtige Volumenboli, z. B. 250 bis 500 Milliliter balancierte Kristalloidlösung• engmaschige ReevaluationKreislaufunterstützung als Überbrückung:• Noradrenalin bei ausgeprägter Hypotonie• Dobutamin bei niedrigem HerzzeitvolumenWichtig:Vasopressoren und Inotropika kaufen Zeit, ersetzen aber nie die Entlastung.⛔ Was vermeiden?• Diuretika• Vasodilatatoren• unnötige positive DruckbeatmungWenn Intubation unvermeidbar:nur gut vorbereitet, mit hämodynamischer Absicherung und möglichst in Nähe zur definitiven Entlastung.💉 Definitive TherapieStandard: ultraschallgestützte PerikardpunktionTypisch:• möglichst unter Monitoring und sterilen Bedingungen• klassisch subxiphoidaler Zugang• anschließend meist Drainage in Seldinger-Technik für 1 bis 3 TageOperative Notfallentlastung statt Punktion v. a. bei:• traumatischer Tamponade• postoperativer Tamponade nach Herzchirurgie• vermuteter Ventrikelruptur nach Myokardinfarkt• Aortendissektion⚠️ Komplikationen der Perikardpunktion• Myokardverletzung• Koronarverletzung• Arrhythmien• Pneumothorax• LeberverletzungDarum: wenn möglich ultraschallgeführt.🧾 UrsachenWichtige Ätiologien:• Trauma• iatrogen, z. B. nach PCI, Ablation, Schrittmacher, ZVK, Herzchirurgie• freie Ventrikelruptur nach Myokardinfarkt• Aortendissektion• maligne Ergüsse• infektiöse Ursachen• idiopathische oder entzündliche Perikarderkrankungen• Autoimmunerkrankungen, Urämie, Myxödem🧭 Take-home-Punkte• Hypotonie + Tachykardie + Halsvenenstauung = obstruktiven Schock denken• Echo ist das wichtigste Akuttool• Spannungspneumothorax immer ausschließen• kleine Volumengaben können überbrücken• Diuretika und Vasodilatatoren sind akut meist falsch• positive Druckbeatmung kann die Situation verschlechtern• definitive Therapie ist die Entlastung, nicht die Pharmakotherapie
  • Kardiogener Schock - Akutmanagment 10.07.2026 29min
    📌 Thema der FolgeKardiogener Schock: frueh erkennen, rasch stabilisieren, Ursache parallel finden und gezielt behandeln.🚨 DefinitionSchock durch kritische Verminderung der kardialen Pumpleistung mit:- Hypotonie bzw. Vasopressorbedarf- Gewebehypoperfusion- EndorgandysfunktionTypisch:- systolischer Blutdruck < 90 mmHg fuer mindestens 30 Minuten- oder Bedarf an Vasopressoren, um > 90 mmHg zu halten🧠 Woran denken?Entscheidend sind immer 3 Dinge gleichzeitig:- Kreislauf stabilisieren- Ursache suchen- Ursache spezifisch behandelnWichtigster Merksatz:- In etwa 80 Prozent liegt ein akutes Koronarsyndrom zugrunde- Ein akuter Myokardinfarkt muss aktiv ausgeschlossen werden🔎 Zeichen des kardiogenen SchocksKlinik:- blass, kalt, kaltschweissig- Tachykardie, Dyspnoe- Rasselgeraesche, Lungenoedem- gestaute Halsvenen- Vigilanzminderung, VerwirrtheitHinweise auf Organhypoperfusion:- Oligurie < 0,5 ml/kg/h- verlaengerte Rekapillarisierungszeit- erhoehtes LaktatWichtig:- Nicht der Blutdruck allein definiert den Schock- Auch unter Vasopressoren kann weiter Schock bestehen🩺 Initiales VorgehenStrukturiert vorgehen:- frueh Hilfe holen- Intensivstation oder Herzkatheterzentrum einbinden- engmaschiges Monitoring etablierenBasismonitoring:- Pulsoxymetrie- kontinuierliches EKG- Blutdruck- Blasenkatheter zur DiuresekontrolleBei Instabilitaet:- arterieller Zugang- zentralvenoeser Zugang fuer Katecholamine und Verlaufskontrollen🫀 Diagnostik am BettFrueh durchfuehren:- arterielle Blutgasanalyse- 12-Kanal-EKG- fokussierte Echokardiografie- Labor: Troponin, Kreatinin, Harnstoff, Blutbild, Elektrolyte, Transaminasen, TSH, Glukose, ggf. BNP oder NT-proBNPEcho-Schluesselfragen:- LV- und RV-Funktion?- lokalisierte oder globale Wandbewegungsstoerungen?- Hypovolaemie oder Stauung?- relevante Klappenpathologie?- Perikardtamponade?- Rechtsherzbelastung als Hinweis auf Lungenarterienembolie?💧 Volumentherapie: nur mit VorsichtNicht jeder hypotone Patient braucht Fluessigkeit.Bei plausibler Hypovolaemie:- kleine Bolusgaben von 250 bis 500 ml balancierter kristalloider Loesung- danach sofort ReevaluationSofort stoppen bei:- zunehmender Dyspnoe- Lungenoedem- Zeichen steigender Fuellungsdruecke💉 KreislaufsupportVasopressor der ersten Wahl:- Noradrenalin- Ziel-MAP meist 65 bis 70 mmHgInotropikum der ersten Wahl:- DobutaminHaefige Kombination:- Noradrenalin fuer Perfusionsdruck- Dobutamin fuer Kontraktilitaet und HerzzeitvolumenWeitere Optionen in Spezialfaellen:- Adrenalin- Levosimendan- PDE-3-Hemmer wie Milrinon oder Enoximon🫁 BeatmungBei Hypoxaemie:- SauerstoffBei kardialem Lungenoedem:- ggf. nichtinvasive BeatmungBei schwerer respiratorischer Insuffizienz oder Erschoepfung:- Intubation- Einleitung kreislaufschonend und gut vorbereitet🏥 Wenn Medikamente nicht reichenMoegliche mechanische Unterstuetzung:- veno-arterielle ECMO- Impella- in ausgewaehlten Faellen intraaortale BallongegenpulsationNur fuer selektierte Patienten in erfahrenen Zentren.🧭 Wichtige Differenzialdiagnosen- akutes Koronarsyndrom- akut dekompensierte Herzinsuffizienz- akute schwere Klappenvitien- Myokarditis- Rechtsherzversagen, z. B. bei Lungenarterienembolie❌ Typische Fehler- reflexhafte grosszuegige Volumengabe- Warten auf Labor trotz eindeutiger EKG- oder Echo-Hinweise- Orientierung nur am Blutdruck- Rhythmusstoerungen uebersehen- Herzkatheterzentrum oder erfahrenes Team zu spaet hinzuziehen✅ Take-home-Messages- Kardiogener Schock = Pumpversagen mit Organhypoperfusion- Haeufigste Ursache: akutes Koronarsyndrom- Stabilisierung und Ursachenfindung laufen parallel- Echokardiografie ist das zentrale Bedside-Tool- Volumen nur vorsichtig und gezielt- Noradrenalin zuerst fuer den Druck- Dobutamin haeufig zusaetzlich fuer die Pumpleistung- Bei Verdacht auf Infarkt frueh Koronarangiografie organisieren
  • Hypovolämischer Schock - Akutmanagment 09.07.2026 22min
    💉 Thema der FolgeHypovolämischer Schock: schnelles, strukturiertes Handeln bei kritischem intravasalem Volumenmangel mit Organhypoperfusion.🎯 Lernziele- hypovolämischen Schock erkennen- Kreislauf stabilisieren- Blutvolumen gezielt wiederherstellen- Ursache suchen und wenn möglich direkt behandeln🧠 DefinitionHypovolämischer Schock = Schockzustand durch kritische Verminderung des intravasalen Volumens.Wichtig:- nicht jede Hypotonie ist ein Schock- nicht jeder Schock ist hypovolämisch- Mischbilder sind häufig, z. B. Hypovolämie plus Sepsis🔎 Klinische ZeichenTypische Hinweise auf Gewebehypoperfusion:- Hypotonie- Tachykardie- kalte Extremitäten- verlängerte Rekapillarisierungszeit- Unruhe, Durst- trockene Schleimhäute- Oligurie- VigilanzminderungLabor:- erhöhtes Laktat als Perfusionsmarker- immer im klinischen Kontext interpretieren❓Vier Leitfragen am Patientenbett- Ist der Kreislauf instabil?- Gibt es Zeichen der Organminderperfusion?- Gibt es Hinweise auf Volumenverlust?- Gibt es andere oder zusätzliche Schockursachen?🚑 AkutmanagementParallel statt nacheinander:- Atemweg, Atmung, Kreislauf sichern- Monitoring aufbauen- venösen Zugang schaffen- Volumentherapie starten- Ursache suchenMonitoring:- EKG- Blutdruck- SpO2- Atemfrequenz- Diurese, wenn sinnvoll via Blasenkatheter- bei Instabilität ggf. arterielle Blutdruckmessung🎯 Kreislaufziele- systolischer Blutdruck > 100 mmHg- MAP > 65 mmHg- Urinproduktion > 0,5 ml/kg/h- ScvO2 > 70 %, falls gemessen🧴 VolumentherapieInitial:- balancierte kristalloide Lösungen- bei Erwachsenen oft 500 ml als Bolus über 10–15 Minuten- danach konsequente Reevaluation- lieber kleine wiederholte Bolusgaben als unkritisch mehrere LiterReevaluation nach jedem Bolus:- Blutdruck- Herzfrequenz- Rekapillarisierungszeit- mentale Verfassung- Hauttemperatur- Diurese- Laktat / BGA, wenn verfügbar⚠️ Übertherapie vermeidenAuch hypovoläme Patienten können überwässert werden.Hilfreich:- fokussierte Echokardiografie: Füllung, Schlagvolumen, V. cava inferior- auf Lungenödem achten: Rasselgeräusche, steigender O2-Bedarf, B-Linien💊 VasopressorenWenn trotz adäquater Volumengabe keine Stabilisierung:- Diagnose hinterfragen- an Mischformen denken, v. a. Sepsis oder kardiale Ursache- ggf. Noradrenalin, z. B. 0,02–0,1 µg/kg/min titriertMerksatz:Noradrenalin ersetzt kein Volumen.🧪 ElektrolyteEngmaschig kontrollieren:- Kalium im Normbereich halten- Hypokaliämie gezielt substituieren- Hyperkaliämie sofort erkennen und behandeln- Natrium nie zu schnell korrigierenZu rasche Natriumkorrekturen können schwere neurologische Schäden verursachen.🩺 Häufige UrsachenEnteral:- Gastroenteritis- CholeraRenal:- hyperosmolares diabetisches Koma- Diuretika- Diabetes insipidus- Aldosteronmangel / Addison-KriseDritter Raum:- Ileus- Aszites bei LebererkrankungKutan:- Hyperthermie- Verbrennungen- Verätzungen- großflächige HautläsionenVerminderte Aufnahme:- ältere Menschen, Demenz- Schluckstörungen, Immobilität- psychostimulierende Substanzen🛠️ Praktische Merksätze- Stabilisieren, Volumen ersetzen, Ursache behandeln- nach jedem Bolus neu untersuchen- Flüssigkeitsbilanz sauber dokumentieren- gezielt nach Erbrechen, Durchfall, Diuretika, Polyurie, Trinkmenge und Fieber fragen- bei Fieber und Schocksymptomatik immer auch an Sepsis denken📌 Take-home-MessageDer hypovolämische Schock ist vor allem ein Problem des fehlenden intravasalen Volumens. Entscheidend sind frühes Erkennen, rasche Volumentherapie mit balancierten Kristalloiden, engmaschige Reevaluation und konsequente Ursachensuche.
  • Ertrinkungsunfall - Akutmanagment 08.07.2026 25min
    🧭 Terminologie- Nicht-tödliches Ertrinken: Ertrinkungsvorgang mit Überleben- Tödliches Ertrinken: Tod an den Folgen des Ertrinkens- Sekundäres Ertrinken: Ertrinken infolge anderer Pathologien, z. B. Krampfanfall, Synkope, Intoxikation, TraumaVeraltete Begriffe wie „Beinahe-Ertrinken“, „trockenes“ oder „nasses“ Ertrinken sollten nicht mehr verwendet werden.🫁 PathophysiologieKernproblem ist die Hypoxie, nicht das Wasser selbst.Ursachen:- Atemwegsverlegung- Laryngospasmus- Aspiration- gestörter GasaustauschMerksatz: Sauerstoff, Sauerstoff, Sauerstoff.🚑 Akutversorgung- Rettung aus dem Wasser unter Eigenschutz- Sofort strukturiert nach ABCDE- Sichtbare Fremdkörper/Erbrochenes entfernen- Keine Entleerungsmanöver, kein „Wasser aus der Lunge drücken“- Frühzeitige Oxygenierung und Ventilation- Frühzeitiger Transport ins KrankenhausBei Spontanatmung:- O2 über Maske mit Reservoir, meist 10–15 l/min- Ziel-SpO2: 94–98 ProzentBei unzureichender Atmung:- Beutel-Masken-Beatmung mit O2- Atemwegshilfen nach Bedarf- Früh an Intubation denken bei schwerer Hypoxämie, fehlenden Schutzreflexen, Bewusstseinsstörung oder Erschöpfung🧊 Wichtige ZusatzaspekteAktiv erfragen:- Submersionsdauer- Zeit bis BLS- Wassertemperatur- Hinweise auf Trauma, Suizid, Intoxikation, Krampfanfall, SynkopeHypothermie:- nasse Kleidung entfernen- abtrocknen- Wärmeerhalt, trockene Decken- angewärmte Infusionen- bei schwerer Unterkühlung früh an spezialisiertes Zentrum/ECMO denken❤️ Reanimation bei ErtrinkenBesonderheit: primär asphyktischer KreislaufstillstandDeshalb:- 5 initiale Beatmungen- danach Thoraxkompressionen nach LeitlinieWichtig:- Schnappatmung ist keine normale Atmung- Defibrillation wie üblich, vorher Thorax abtrocknen- Medikamente nach Standard-ALS- Bei Hypothermie zurückhaltend mit Prognoseentscheidungen📈 PrognosefaktorenEher günstig:- kurze Submersionsdauer- früher BLS-Beginn- kurze Reanimationsdauer- junges Alter- GCS > 5- pH > 7,1Eher ungünstig:- lange Submersion- verspätete Wiederbelebung- lange Reanimation- höheres Alter- GCS ≤ 5- pH < 7,1🏥 Notaufnahme und Diagnostik- erneute strukturierte Untersuchung- Blutgasanalyse zentral- je nach Verlauf: Elektrolyte, Nierenwerte, CK, Blutbild, Gerinnung, Troponin- Röntgen-Thorax hilfreich, früh aber nicht immer auffällig- bei schwerem Verlauf früh Intensivaufnahme planenBeatmung:- lungenprotektiv- niedrige Tidalvolumina- PEEP mitdenken, oft 5–10 cmH2O initial💊 Medikamente- Keine routinemäßige Antibiotikaprophylaxe- Antibiotika nur bei Infektionshinweisen oder stark kontaminierter Exposition- Bronchodilatatoren bei Bronchospasmus- Kortikosteroide nicht routinemäßig indiziert👀 Beobachtung und EntlassungNach unkompliziertem Verlauf:- mindestens 4–8 Stunden Überwachung, oft 6–8 Stunden sinnvollEntlassung nur bei:- normaler Vigilanz- normaler Atemfrequenz- keiner Dyspnoe- unauffälliger Auskultation- SpO2 > 95 Prozent ohne O2- keinen Begleitverletzungen- keiner suspekten auslösenden UrsacheKrankenhaus-Transport ist nach Ertrinken immer indiziert.⚠️ KomplikationenPulmonal:- Atelektasen- Lungenödem- Aspirationspneumonie- ARDSNeurologisch:- zerebrale Hypoxie- Hirnödem- hypoxisch-ischämische EnzephalopathieWeitere:- Multiorganversagen- akute Nierenfunktionsstörung- Gerinnungsstörungen- Rhythmusstörungen bei Hypothermie🔎 Immer an Ursachenfahndung denkenVor allem bei Erwachsenen:- Myokardinfarkt- Rhythmusstörung- Synkope- Schlaganfall- epileptischer Anfall- Hypoglykämie- Intoxikation- Trauma- Suizidalität✅ Take-home-Messages- Ertrinken ist primär ein Hypoxieproblem- Keine Zeit mit Entleerungsmanövern verlieren- Reanimation beginnt mit 5 initialen Beatmungen- Hypothermie aktiv mitdenken- Krankenhaus-Transport immer erforderlich- Entlassung nur nach Beobachtung und komplett stabilem Verlauf- Prognose wird wesentlich durch den neurologischen Schaden bestimmt

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