Börsen-Zeitung | Nachhaltiges Investieren
Der Sustainable-Finance-Podcast der Börsen-Zeitung beleuchtet, was Nachhaltigkeit im Finanzbereich konkret bedeutet, wo Greenwashing beginnt und wie Investoren, Unternehmen und Finanzdienstleister zukunftsfähig aufgestellt sein können. In Interviews kommen Expertinnen und Experten aus Fondsgesellschaften, Banken, Wissenschaft und Politik zu Wort. Jede Episode widmet sich einem aktuellen Thema oder einer besonderen Herausforderung im Bereich ESG und nachhaltiger Geldanlage. Abgeschlossen wird mit einem Nachrichtenblock zu den wichtigsten Entwicklungen in der Sustainable-Finance-Community. Der Podcast erscheint alle zwei Wochen.
Afleveringen
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Unternehmen suchen den Business Case für Nachhaltigkeit 23.07.2026 31minSeit 2022 geben Unternehmen und Finanzmarktakteure für den Sustainability Transformation Monitor Auskunft zur Transformation der Wirtschaft. Mit mehr als 820 befragten Organisationen aus Realwirtschaft und Finanzwirtschaft zählt der Monitor zu den umfassendsten Erhebungen. Bei der jüngsten Auflage gab es eine Neuerung – und die hatte es in sich: „Wir hatten eine neue Frage hinzugefügt zum Business Case“, berichtet Jakob Christof Kunzlmann, Senior Expert im Bereich Nachhaltige Soziale Marktwirtschaft bei der Bertelsmann Stiftung, im Podcast „Nachhaltiges Investieren“ der Börsen-Zeitung. Das Ergebnis sei für die Nachhaltigkeits-Community nicht besonders positiv ausgefallen, berichtet Kunzlmann, der den Monitor verantwortet hat. 83% der befragten Unternehmen sehen demnach keinen Business Case für Nachhaltigkeit. Zwar erkennen 43% der Unternehmen einen finanziellen Mehrwert darin, dass ihr Unternehmen in nachhaltige Transformation investiert. Doch dieser Mehrwert liegt noch unter den damit verbundenen Kosten. Teile der Community haben es Kunzlmann zufolge sehr positiv aufgenommen, dass der Report den Finger in diese Wunde lege. „Es ist nicht alles ein Win-Win-Wonderland. Es gibt Zielkonflikte.“ Allerdings gab es auch Kritik. Manche hielten die Fragestellung für „unterkomplex“, sagt Kunzlmann. Tatsächlich sei es nicht leicht, den Business Case von Nachhaltigkeit sofort finanziell nachzuweisen, räumt er ein. Das anfängliche Investment könne man zwar messen, etwa den Aufwand für den Aufbau von Know-how oder für ein Reporting-System. Langfristige positive Effekte hingegen seien schwieriger zu ermitteln. „Das kann ich noch nicht nach einem halben Jahr, wenn ich das erste Mal ein Reporting-System aufgebaut habe, klar sagen.“ Derzeit bremsen seiner Ansicht nach auch unsichere Rahmenbedingungen die Investitionen in Nachhaltigkeit. Er sieht „einen ziemlichen Zickzackkurs in der Politik zur Nachhaltigkeitstransformation“. Unternehmen fehle es an Planungssicherheit. Intern setzt das manche ESG-Stäbe unter Druck. „Wir wissen, dass Budgets auch teilweise eher rückläufig sind“, sagt Kunzlmann. Allerdings sieht er einen Nachholeffekt in bestimmten Bereichen der Wirtschaft: „Die Großunternehmen haben schon in den letzten Jahren viel gemacht. Jetzt zieht der Mittelstand so ein bisschen nach.“ Auch auf Bankenseite ist seiner Einschätzung nach viel passiert – nicht zuletzt, weil die Institute aufsichtsrechtlich angehalten sind, ESG-Daten in ihr Risikomanagement zu integrieren. In Finanzierungsgesprächen spielt Nachhaltigkeit allerdings eine abnehmende Rolle, darin sind sich Unternehmen und Banken einig. Während Sustainability-linked-Produkte vor allem von Großkonzernen genutzt würden, dominierten im Mittelstand klassische Förderprodukte, beobachtet Kunzlmann. Er ist dennoch überzeugt, dass Unternehmen sich dem Thema Nachhaltigkeit weiter widmen werden – und Banken ohnehin: „Transformation benötigt Kapital, und Banken verleihen Kapital. Das ist für die schon mal ein Business Case.“ -
Valueverde-Gründer setzt auf Renaissance von Genossenschaftsanteilen 09.07.2026 31minSeit dem 1. Januar 2025 ist es in Deutschland möglich, Genossenschaftsanteile digital zu zeichnen. Das Leipziger Startup Valueverde will es Anlegern ermöglichen, sich direkt an Energiegenossenschaften zu beteiligen, und setzt auf einen Schub durch die digitale Option. In der aktuellen Episode von „Nachhaltiges Investieren“, dem Sustainability-Podcast der Börsen-Zeitung, spricht Nathanael Meyer, Gründer und CEO von Valueverde, über die Vorteile von Genossenschaftsanteilen als nachhaltige Anlageklasse und skizziert die Risiken und andere aus Sicht von institutionellen Investoren kritische Punkte. Gleichwohl hofft Meyer auf eine Entwicklung wie beim Aktienmarkt: „Vor zehn Jahren hätte niemand gedacht, dass Aktien in Deutschland einmal einen Hype haben könnten. Das Gleiche sehe ich bei Genossenschaften kommen, sobald sie bekannter werden.“ -
Zwischen „Wissenschafts-Elfenbeinturm“ und Bayer-Beirat 25.06.2026 32minWissenschaft und Praxis müssen sich im Alltag begegnen, davon ist Christian Klein, seit 2013 Professor für Nachhaltige Finanzwirtschaft an der Universität Kassel, überzeugt. „Es ist genau das, was ich so liebe: aus unserem Wissenschafts-Elfenbeinturm hervorzutreten und ins wirkliche Leben reinzuschnuppern“, sagt er im Podcast „Nachhaltiges Investieren“ der Börsen-Zeitung. Seit sechs Jahren ist der Wissenschaftler Teil des Sustainability Council bei Bayer. Der Beginn war jedoch holprig: Ein Bayer-Mitarbeiter habe ihn nach einem Vortrag auf einer Tagung angesprochen und ihm von den Council-Plänen berichtet. „Ich habe den ausgelacht“, erinnert sich Klein. „Ich habe gesagt, das ist eine nette Idee, aber es wird euch kein Mensch glauben. Da denken alle sofort an Monsanto und an Greenwashing.“ Weitere Gespräche seien ähnlich verlaufen, auch ein Call mit dem damaligen CEO. „Ich habe genau das Gleiche gesagt – dass das nicht funktionieren wird.“ Kurz darauf kam der Ruf in den Beirat. „Ich war wirklich überrascht. Ich hatte nicht verstanden, dass das quasi Bewerbungsgespräche waren“, sagt Klein. Er ist sich sicher: „Die haben mich genommen, weil sie wussten, das ist ein Typ, der unbequeme Fragen stellen wird.“ Sein Lehrstuhl für Nachhaltige Finanzwirtschaft war der erste mit diesem Schwerpunkt in Deutschland. Für seine eigene Forschungsarbeit hat er die Devise „Jetzt erst recht“ ausgerufen. „Deswegen haben wir da feste Systeme, dass wir eben nicht abhängig sind von irgendwelchen Moden, sondern wirklich objektiv das beforschen dürfen, was wir für wichtig halten.“ Er ist überzeugt, dass die Nachhaltigkeitsrisiken im Moment wieder steigen. „All das, was wir jetzt ausbremsen, werden wir eines Tages nachholen müssen.“ -
Warum ESG-Daten selten so eindeutig sind, wie sie aussehen 11.06.2026 32minNachhaltige Geldanlage braucht verlässliche Daten – doch ESG-Informationen sind oft fragmentiert, Ratings messen häufig Unterschiedliches, die Datenqualität ist ein grundlegendes Problem und auch wenn KI die Auswertung verbessern kann, schafft sie gleichzeitig neue Prüfbedarfe. Matthias Breier, CPO von Weefin, erklärt im Podcast „Nachhaltiges Investieren“ der Börsen-Zeitung, wie Investoren inmitten des zunehmenden politischen ESG-Gegenwinds durch das Datenlabyrinth navigieren können. -
Impact-Investing vor dem Wendepunkt 28.05.2026 29minDie neue EU-Offenlegungsverordnung (SFDR 2.0) erkennt erstmals den Impact-Begriff an. Das sei „tatsächlich ein großer Durchbruch“, sagt Eric Prüßner, Geschäftsführer von Advanced Impact Research, im Podcast „Nachhaltiges Investieren“ der Börsen-Zeitung. Er befasst sich mit der Frage, wie man den Impact bei Finanzprodukten messen und vergleichbar machen kann. Dabei dürfte der schwerste Teil der Definitionsarbeit erst noch kommen, erwartet Prüßner. Die SFDR 2.0 arbeitet mit Kategorien wie ESG Basics, Transition und Sustainable. Die bisherige Unterteilung in Artikel-8- oder Artikel-9-Fonds wird dadurch abgelöst. Der Vorschlag behandelt bislang allerdings erst einmal nur Level eins der Regulierung, legt also die Prinzipien und Grundlagen fest. „Bei Impact sind die Definitionen oder die Merkmale noch recht allgemein gehalten“, sagt Prüßner. Auf Ebene der Investmentprozesse lasse sich Vergleichbarkeit bereits recht gut herstellen. Komplex werde es bei konkreten Indikatoren. Während sich Emissionen in konkrete Zahlen fassen lassen, sind Konzepte wie Biodiversität schwieriger zu greifen. Prüßner hat Sympathien für ein Konzept, das in der Gesamtbetrachtung die Frage stellt, ob sich ein Investment im Rahmen planetarer Grenzen bewegt. Er wünscht sich, dass man Investoren in einigen Jahren die Möglichkeit an die Hand geben kann, ihr Portfolio oder auch einzelne Assets daraufhin zu analysieren. „Weil das eben die wissenschaftlich fundierten Grenzen sind, in denen man sich bewegen sollte.“ -
Trotz wachsenden ESG-Gegenwinds auf Green Tech setzen 13.05.2026 26minDas TechQuartier will seine Rolle als Innovationsplattform für Green Tech, Sustainable Finance und Digitalisierung weiter ausbauen. Geschäftsführerin Alice Rettig beschreibt im Podcast der Börsen-Zeitung, wie das Netzwerk Startups, Banken und Investoren zusammenbringt, um nachhaltige Innovationen voranzutreiben. Zu den wichtigsten Initiativen zählen die gemeinsam mit der Landwirtschaftliche Rentenbank entwickelte „Growth Alliance“ für Agrar- und Food-Startups sowie das Impact Festival, das mit mehr als 4.000 Besuchern als größte deutsche B2B-Veranstaltung für Nachhaltigkeitsinnovationen gilt. Künftig soll dort vor allem die Verbindung von Nachhaltigkeit und Digitalisierung – die sogenannte „Twin Transformation“ – im Mittelpunkt stehen. Daneben arbeitet das TechQuartier mit dem neuen „Tech & Data Lab“ an einer digitalen Sandbox für Finanzinstitute, in der gemeinsam mit Startups neue Anwendungen getestet werden können – perspektivisch auch für Green-Tech- und Sustainable-Finance-Lösungen. Trotz zunehmenden politischen Gegenwinds gegen ESG-Themen hält Rettig nachhaltige Innovationen für unverzichtbar. „Es ist nicht leichter geworden, aber es ist umso wichtiger geworden“, sagt sie mit Blick auf die internationale Entwicklung. Nachhaltigkeit dürfe kein Randthema bleiben, sondern müsse „Kern von einem Unternehmen sein“. -
Wie man Kunden zu mehr Nachhaltigkeit motiviert 30.04.2026 28minDie Procredit erbringt Finanzdienstleistungen vorwiegend für Unternehmen in Ost- und Südosteuropa. Dabei geht es der Bank auch um einen transformatorischen Ansatz. „Wirtschaftliche Entwicklung und ökologische Förderung müssen sich vereinen“, sagt Christian Dagrosa, CFO der Procredit Holding, im Podcast „Nachhaltiges Investieren“ der Börsen-Zeitung. Bestimmte Industriesektoren sind ausgeschlossen, etwa weil sie schädlich für die Umwelt sind. In erster Linie setzt Procredit aber auf Zusammenarbeit. „Es geht nicht darum, Leute von Finanzdienstleistungen auszuschließen. Es geht darum, die Transformation der lokalen Wirtschaften – ob das jetzt aus ökologischer, aus sozialer Sicht oder aus ökonomischer Sicht ist – voranzutreiben.“ Im Portfolio finden sich Mikrokunden mit einem Finanzierungsbedarf um 100.000 Euro jährlich, die größten Kunden benötigen einen zweistelligen Millionenbetrag an Finanzierung. Zwar seien die Margen im KMU-Bereich niedriger als im Consumer Lending, räumt Dagrosa ein. „Aber auch die Risikokosten sind deutlich geringer.“ Durch die oft langjährigen Kundenbeziehungen ließen sich Risiken gut einschätzen und bepreisen. Geschäftlich setzt Procredit auf Cross-Selling-Potenzial etwa im Zahlungsverkehr und der Handelsfinanzierung. Die Kundenberater bildet Procredit an einer eigenen Akademie aus. Dort stehen nicht nur Finanzthemen auf dem Lehrplan. Neben Aspekten der Banksteuerung gehe es etwa um Geschichte, Philosophie oder auch Literatur, „um nicht nur Banker hochzubringen, sondern Leute, die mit Kunden auf Augenhöhe sprechen können und die eben Weltmenschen sind“, sagt Dagrosa. Der Dialog mit den Beratern sei oft zentral, um Kunden zu nachhaltigem Handeln zu motivieren. „Themen wie erneuerbare Energien, das kann man den Kunden nicht aufbinden“, sagt Dagrosa. „Wenn der Kunde nicht will, dann will er es nicht. Aber man kann ihm eben die Vorteile aufzeigen. Man kann ihm einen Pfad geben und sagen: wir haben auch Expertise im Haus, die dann da beraten kann.“ -
ESG-Transparenz für KMU und die Grenzen freiwilliger Offenlegung 16.04.2026 31minAngesichts der vielfältigen regulatorischen Veränderungen zuletzt stellt sich für Investoren die Frage, wie sich verlässliche Daten insbesondere von kleinen und mittelgroßen Unternehmen erheben und auswerten lassen. Conda, ein Anbieter in der digitalen Unternehmensfinanzierung aus dem Bereich Schwarmfinanzierung/Crowd Investing hat auf der eigenen Plattform für KMU einen Fragenkatalog zu ESG-Daten entwickelt, das in ein Scoring-Modell mündet. Welche Hürden es bei der Umsetzung gab und welche Herausforderung es bei der Validierung der freiwillig erhobenen Daten gibt, erläutert Dirk Littig, Geschäftsführer und Co-Gründer der Conda Gruppe, in der aktuellen Episode. -
Eltif & Co.: Europäische Ansätze für nachhaltige Finanzierung 02.04.2026 27minSeit gut zwei Jahren ist das Eltif-2.0-Regime in Kraft, das kleinere Vermögen über den European Long-Term Investment Fund für Investitionen in die grüne Transformation aktivieren soll. Die Struktur bringe „sehr viele Verbesserungen für Privatinvestoren“, sagt Karsten Kührlings, Geschäftsführer der GLS Investments, im Podcast „Nachhaltiges Investieren“ der Börsen-Zeitung. Bei der Tochter der GLS Bank verantwortet Kührlings unter anderem das Investmentfondsgeschäft und Nachhaltigkeitsresearch. GLS hat einen Energie-Infrastrukturfonds als Eltif konzipiert, mit Fokus auf Wind- und Solarparks und Speichertechnologien. Für Privatanleger sei ein Eltif eine „Riesenchance“, in Realwerte zu investieren, findet Kührlings. „Aber es ist zweifelsfrei natürlich auch nur ein kleiner Depotbaustein.“ Nach wie vor würden Eltifs zudem oft als Produktkategorie aufgefasst – ein Missverständnis. „Wir reden nur über ein Regime, ein gesetzliches Rahmenwerk, das etwas regelt“, stellt Kührlings klar. „Und darunter sind sehr viele verschiedene Strukturen möglich.“ Die größten Herausforderungen sieht Kührlings derzeit auf Ebene der Nationalstaaten. „Wenn man den Privatkundensektor sieht, dann gibt es immer noch mal auf nationaler Ebene Besonderheiten und Hürden, so dass wir leider nicht von einem einheitlichen europäischen Markt reden können“, sagt er. Das erschwere den Vertrieb von Produkten, da man auch mit den Intermediären unterschiedliche Anforderungen abstimmen müsse. GLS engagiert sich in verschiedenen Netzwerken für mehr Harmonisierung, eins davon ist die Sustainable Banking Coalition. Darin haben sich elf nachhaltige Finanzinstitute aus acht EU-Staaten zusammengeschlossen, die GLS Bank war 2023 Gründungsmitglied.Neben Eingaben zu regulatorischen Neuerungen setzt das Netzwerk auf praktischen Austausch und auf Wissenstransfer. Während Initiativen nicht mehr operativ in Erscheinung treten, sieht Kührlings bei der Sustainable Banking Coalition weiterhin großes Engagement – „gerade, weil es sehr praxisbezogen ist und wir an konkreten Problemen und Lösungen arbeiten“. -
ESG in der Sozialwirtschaft: Ein pragmatischer Ansatz für Sustainable Finance 19.03.2026 32minDer ESG-Backlash ist für Joachim Fröhlich nicht das Ende von Sustainable Finance. Das Vorstandsmitglied der Evangelischen Bank in Kassel sieht vielmehr eine neue Phase in der Nachhaltigkeitsdiskussion gekommen. „Ich glaube, es ist ein Problem, dass eine gewisse Blase sich dieses Themas angenommen hat und dann gedacht hat: Das ist das, was alle denken“, sagt Fröhlich im Podcast „Nachhaltiges Investieren“ der Börsen-Zeitung. Manchmal sei ein „reinigendes Gewitter“ hilfreich. Als Betriebswirt treffe man eine einfache, rationale Entscheidung: „Der Klimawandel geht mit Risiken einher für mein ökonomisches Handeln. Da muss ich was für tun. Und wenn ich die Risiken nicht analysiere, wenn ich sie nicht bewerte, und wenn ich mich nicht vorbereite, dann werden sie irgendwann bei mir wahrscheinlich schlagend werden.“ Gerade in der Sozial- und Gesundheitswirtschaft, die zur Kernklientel der Evangelischen Bank zählt, prallen regulatorische Vorgaben allerdings auf enge finanzielle Spielräume. Viele Betriebe seien auf staatliche Zahlungen angewiesen. Doch diese sind oft zu knapp, um ambitionierte Ziele zu Klimaschutz, CO2-Reduktion und Gebäudeertüchtigung zu erreichen. Für die Bank sei dies ein „spannender Tradeoff“, räumt Fröhlich ein. Nachdem eine Sozialtaxonomie politisch versandet ist, hofft Fröhlich auch regulatorisch auf einen pragmatischen Ansatz, um Erleichterungen für Investitionen in soziale Infrastruktur wie Pflegeheime oder Schulen zu erzielen. Diese könne man beispielsweise unter dem Oberbegriff „kritischer Infrastruktur“ erfassen, so sein Wunsch. „Ich glaube, das funktioniert auch besser und schneller, als erstmal wieder eine Regulierung zu schaffen.“ -
Drei Antworten auf ESG-Datenlücken | Episode 111 05.03.2026 27minIm Kreditgeschäft mit Unternehmen sind Banken in Deutschland nach Wahrnehmung von Holger Wußler, Partner Financial Services bei KPMG, mit erheblichen Datenlücken konfrontiert, vor allem, was den Kreditbestand angeht. Durch die Omnibus-Gesetze der EU, die viele mittelständische Unternehmen von Datenanforderungen befreien, dürfte es für die Banken sogar noch schwieriger werden. Zumal die Bankenaufsicht von den Instituten fordert, ein funktionierendes Risikomanagement zu betreiben. „Die Banken sind nicht aus der Verantwortung entlassen“, sagt Wußler im Podcast „Nachhaltiges Investieren“ der Börsen-Zeitung. Sie könnten nicht einfach Felder freilassen, nur weil Kreditkunden nicht genug über ihre CO2-Sensitivität oder ihren Gender Pay Gap wissen. Für Wußler gibt es aber eine Option, über die es sich lohnt nachzudenken, nämlich Plattformlösungen. Anschauungsunterricht gibt es in Österreich. -
Nachhaltige Investments zwischen Rheinmetall-Effekt und KI-Boom | Episode 110 19.02.2026 29minKostet Nachhaltigkeit im Portfolio Rendite? Die Fragen beschäftigt den Markt seit Jahren. „Was man grundsätzlich sagen kann ist: Das Versprechen, nachhaltiges Investieren kostet nichts, das ist intakt“, sagt Henrik Pontzen, Chief Sustainability Officer bei Union Investment, im Podcast „Nachhaltiges Investieren“ der Börsen-Zeitung. Langfristig stifte nachhaltiges Investieren einen Vorteil, „weil eben langfristige Risiken besser und intensiver analysiert werden“ – auch wenn es kurzfristig zu Einbußen kommen kann. Für das zurückliegende Kapitalmarktjahr sieht er insbesondere in Deutschland einen Sondereffekt: „Die Dax-Performance im letzten Jahr war eine Rheinmetall-Performance, ganz überwiegend“, erklärt Pontzen. „Wer Reinmetall nicht im Portfolio hatte, weil er als nachhaltiger Investor beispielsweise Rüstungsaktien ausschließt, der hatte dann tatsächlich einen signifikanten Nachteil. Das mag um die 7 Prozentpunkte ausgemacht haben und das ist sehr, sehr viel.“ An den internationalen Kapitalmärkten hingegen war entscheidender, wie sich Investoren bei Themen wie Technologie, Software und Künstliche Intelligenz positioniert haben. Nachhaltige Fonds hätten „typischerweise ein Übergewicht in Tech-Werten“, konstatiert Pontzen. In der globalen Betrachtung schneide daher die nachhaltige Benchmark um gut 2 Prozentpunkte besser ab als die konventionelle. „Wenn im deutschen Investmentuniversum gilt: Nachhaltigkeit hat gekostet, und zwar viel, so gilt im viel relevanteren globalen Investmentuniversum: Nachhaltigkeit war förderlich, und zwar sehr.“ Chancen für nachhaltige Investments sieht er im Bereich Klima-Adaption. Dieser Sektor umfasst Technologien, die zur Anpassung an den Klimawandel benötigt werden – und deren Nutzen häufig individuell spürbar ist. Während es für einen einzelnen schwer erscheint, etwas gegen die globale Erwärmung auszurichten, ist der Erwerb einer Klimaanlage für heiße Tage einfach. „Es mag sein, dass wir keine Mehrheit finden, um die Welt zu retten“, sagt Pontzen. „Aber Menschenleben und sich selbst rettet man immer.“ -
Das Sustainable Finance Cluster will wieder lauter werden | Episode 109 05.02.2026 28minEs sind keine einfachen Zeiten für Sustainable Finance. „Das Thema ESG-Backlash begegnet einem fast an jedem Tag, und ich glaube, man kann das auch nicht negieren“, sagt Matthias Hübner, seit Oktober 2024 Geschäftsführer des Sustainable Finance Clusters Germany, im Podcast „Nachhaltiges Investieren“ der Börsen-Zeitung. „Das Momentum hat sich ein bisschen verändert, was auch dazu führt, dass es teilweise schwieriger ist, Leute wirklich als Speaker für ein Event zu gewinnen oder auf ein Panel zu holen, weil viele etwas leiser geworden sind, wenn sie über Sustainable Finance sprechen.“ Zwar seien viele Unterstützer leiser geworden, eine Abkehr von Sustainable-Finance-Themen sieht Hübner aber nicht. Er sieht eine Diskrepanz „zwischen der öffentlichen Wahrnehmung und dem, was tatsächlich in den Instituten passiert – nicht nur bei den Finanzinstituten, sondern genauso auch auf der Corporate-Seite“. Viele Initiativen liefen weiter. Das Cluster versteht er „als Brückenbauer zwischen der Finanzwelt und den Unternehmen“. Dabei gehe es nicht um Lobbyarbeit, sondern um den offenen Austausch. Für den Finanzplatz Frankfurt kann Sustainable Finance eine Chance sein, ist Hübner überzeugt. Das Thema ist daher auch einer der Schwerpunkte in der Charta für den Finanzplatz Frankfurt, die im Herbst verabschiedet wurde. „Das Thema stand von Anfang an auf der Agenda“, betont Hübner. Es gebe die Überzeugung, dass es ein entscheidender Faktor sei im internationalen Wettstreit der Finanzplätze, um Talente, um Assets und um die Ansiedlung von ausländischen Instituten. Hübner wünscht sich, dass die Mitstreiter wieder etwas lauter werden, wenn es um Sustainable Finance geht. Durch Regulierung oder durch intrinsische Motivation erreiche man vielleicht 10% der Wirtschaftsakteure, schätzt er. Um die breite Masse zu überzeugen, brauche es überzeugende Business Cases. „Wenn wir wirklich einen Durchbruch erzielen möchten bei dem Thema Sustainable Finance, dann muss sich das Ganze auch lohnen für alle Beteiligten“, sagt Hübner. Das bedeute aber auch: „Es müssen auch die Unternehmen und die Banken bereit sein, über ihre Erfolgsbeispiele zu sprechen.“ -
Wald als Assetklasse: Wo liegen die Risiken? | Episode 108 22.01.2026 27minBereits seit 2009 beschäftigt sich die Münchener Meag mit Waldinvestments. Damit zählt sie zu den ersten Assetmanagern, die sich das Thema näher angeschaut haben, sagt Jasper Renk, Senior Investment Manager Illiquid Assets Natural Capital bei Meag, im Podcast „Nachhaltiges Investieren“ der Börsen-Zeitung. In der Meag konzentriert sich die Vermögensverwaltung von Munich Re und Ergo. Die Zugehörigkeit zur Versicherungsgruppe hat auch für die Risikobewertung Vorteile, sagt Renk: „Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir mit den Climate Experts von Munich Re ein Team haben, was uns regelmäßig zur Verfügung steht, für die Abschätzung und vor allen Dingen auch die Bezifferung der Auswirkungen des Klimawandels in verschiedenen Szenarien.“ Der erste Schritt bei der projektbezogenen Due Diligence ist bei Meag die geographische Auswahl. Dabei fokussiert sich der Assetmanager auf entwickelte Länder. Diese punkten mit einer stabilen Infrastruktur, mit Rechtssicherheit beim Erwerb von Flächen sowie mit politischer und ökonomischer Stabilität. Risikofaktoren werden bei der Prüfung bestmöglich beziffert und einkalkuliert. Schäden durch Stürme, Feuer oder Borkenkäfer, die medial besonders präsent sind, sind aus Investorensicht dabei eher zweitrangig. „Bei einem global diversifizierten Waldportfolio einer gewissen Größe spielen solche Naturrisiken eigentlich eine eher untergeordnete Rolle“, sagt Renk. Bei kaum einer anderen Assetklasse gebe es „eine so große Diskrepanz zwischen empfundenen Risiken und echten Risiken“. Mittlerweile hat Meag rund 2 Mrd. Euro in Waldinvestments gesteckt. Die Konkurrenz um attraktive Flächen nimmt allerdings zu. Vor 20 Jahren habe man „fast immer das gleiche Bieterkonsortium“ gesehen, erinnert er sich. Doch mittlerweile entdecken immer mehr Neulinge die Assetklasse Wald für sich. -
Wie sich die Rolle von ESG-Ratings verändert | Episode 107 08.01.2026 31minAb Mitte 2026 gelten neue Regeln im Markt für ESG-Ratings. Erstmals übernimmt mit der ESMA eine Behörde die Aufsicht und Kontrolle über Nachhaltigkeitsratingagenturen im europäischen Raum. Die Regulierung soll für mehr Transparenz und Vergleichbarkeit der Ratings sorgen, etwa durch Offenlegung der Methoden, Datenquellen und Bewertungslogik. Vergleichbarkeit ist gewünscht – Vereinheitlichung hingegen nicht, betont Till Jung, Managing Director und Head of Sustainability Business bei dem Datendienstleister ISS Stoxx, im Podcast „Nachhaltiges Investieren“ der Börsen-Zeitung. „Es gab ja auch Bestrebungen, durch diese Regulierung die Methodik zu vereinheitlichen. Weil es immer Kritik gibt, dass Ratings im Nachhaltigkeitsbereich stark auseinandergehen, je nach Anbieter – wohingegen das doch so schön ist im Kreditrating-Bereich, da sind sich alle einig“, sagt Jung. „Aus meiner Sicht ist das eine etwas verkürzte Sichtweise, weil natürlich im Bereich Nachhaltigkeit auch viel mehr verschiedene Themen zu bewerten sind.“ Investoren müssten sich die unterschiedlichen Methoden anschauen und dann entscheiden, welche Gewichtung zu ihnen passt. Manchen sei beispielsweise die Bewertung kurzfristiger finanzieller Risiken wichtig, anderen die Auswirkungen der Unternehmenstätigkeit auf Gesellschaft und Umwelt. „Es ist ganz wichtig, dass man einfach anerkennt, dass es unterschiedliche Anforderungen und Nachfragen im Markt gibt“, sagt Jung. In seiner Wahrnehmung hat sich die Rolle der Nachhaltigkeitsratings verändert. „Früher hatten viele Fondsmanager und Vermögensverwalter gar keine Expertenabteilungen zu dem Thema nachhaltiges Investment“, erinnert er sich. Ratings sollten in diesen Fällen die benötigten Daten liefern und Orientierung bieten. Mittlerweile ist bei vielen Fondsmanagern allerdings eigenes Expertenwissen vorhanden. Manche Vermögensverwalter haben eigene Abteilungen mit Dutzenden Analysten aufgebaut. Diese Kunden seien nicht an Basisinformationen interessiert, sondern benötigten detaillierte Daten und Branchen-Einblicke, um diese mit dem eigenen Research in Bezug zu setzen, erklärt Jung. Die Datenlage wird nach Jungs Eindruck „von Jahr zu Jahr besser“. Nachholbedarf sieht er beispielsweise noch bei der Erhebung von ESG-Daten entlang der Lieferkette. Doch er ist optimistisch, dass die Anzahl der berichteten Datenpunkte trotz Omnibus-Initiative zunehmen wird. „Es ist nicht so, dass das alles perfekt ist“, sagt Jung. „Aber es ist auch nicht so, dass man den Kopf in den Sand stecken muss.“ -
Das Problem mangelnder Planungssicherheit für ESG-Investments | Episode 106 11.12.2025 32minDie nachhaltige Transformation der Wirtschaft wird gegenwärtig durch einen Mangel an Planungssicherheit behindert – und dafür ist die Politik mitverantwortlich. Diese Einschätzung äußert Katharina Beck, die finanzpolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag: „Wir brauchen wieder eine gewisse Verlässlichkeit in der Politik – nichts ist schlimmer als dieses ständige Hin und Her“, betont Beck. Natürlich müsse es immer die Möglichkeit geben, Anpassungen vorzunehmen. Aber generell brauche es „eine gewisse Planungssicherheit“. Aktuell herrsche Verwirrung, niemand wisse so recht, welche Vorgaben er einhalten müsse. Konkret verweist Beck zum Beispiel auf die Tatsache, dass die EU-Richtlinie über Nachhaltigkeits-Berichtspflichten, die CSRD, in Deutschland noch immer nicht in nationales Recht umgesetzt worden und daher seit anderthalb Jahren überfällig sei. Mit Blick auf den Gesetzesentwurf, der nun in erster Lesung im Bundestag verhandelt werde, äußert Beck zwar einige Vorbehalte, weil er bürokratisch aufwändig sei. „Ich bin aus der Motivation heraus, dass es funktioniert, dafür, dass es besonders praxisnah ausgestaltet wird“. Die Finanzexpertin macht aber zugleich deutlich, es sei wichtig, dass nun zügig entschieden werde. Denn Planungssicherheit für Unternehmen sei in den aktuell geopolitisch angespannten Zeiten noch wichtiger. In der öffentlichen Debatte habe das Thema Sicherheit die Debatte über Nachhaltigkeit etwas verdrängt. Beck unterstreicht in diesem Kontext, dass beides durchaus eng verknüpft sei. Europa müsse realisieren, dass es in der EU wenig fossile Vorkommen gebe – und dabei die geopolitische Situation berücksichtigen. Dann werde offensichtlich: „ClimateTech ist ja am Ende auch ResilienceTech oder wie immer man das nennen will.“ Was die Investitionen in ClimateTech und GreenTech angeht, erinnert die Bundestagsabgeordnete daran, dass Deutschland vor zwei Jahren im Bereich der Klima- und Umwelttechnologien noch Vize-Weltmeister war. „Und ich hätte richtig Bock, dass wir da wieder Weltmeister werden.“ Dabei sei es nicht richtig, Industrie und Nachhaltigkeit – wie es oft in der politischen Debatte geschehe – argumentativ als einen Gegensatz darzustellen. „In meinem Wahlkreis wird gerade ein neues Plastik hergestellt, das man sofort auf den Kompost werfen kann, das ist ja auch Industrie.“ -
Das ESG-Datendilemma der Banken | Episode 105 27.11.2025 32minIst Nachhaltigkeit für Mittelständler in Deutschland kein Thema mehr? Der Eindruck könnte fast entstehen – schließlich werden sie im Zuge der Omnibus-Initiative von Reportingpflichten entlastet. „In der Breite hat sich einfach manifestiert: ESG ist tot“, beobachtet Michael Sindram, Gründer und Geschäftsführer von OpenESG, einer Plattform zur Erfassung und Analyse von Nachhaltigkeitsdaten. Dabei sei das Gegenteil der Fall – gerade in der Bankenwelt würden ESG-Risiken immer relevanter. Da mittelständische Firmenkunden die Nachhaltigkeitsdaten nicht im Rahmen einer Berichtspflicht erfassen, müssen Banken nachfragen. „Dann kommen Sie natürlich in eine sehr unangenehme Diskussion. Sie sind sofort in der Rechtfertigungspflicht“, sagt Sindram. Für eine Studie hat OpenESG mit Partnern gerade 165 Teilnehmer aus deutschen Finanzinstituten zur Relevanz von ESG-Daten befragt. Dabei wurde deutlich, dass es den Banken zunehmend schwerfällt, die erforderlichen Angaben zu erheben – gerade bei mittelständischen Firmenkunden. In der Kreditvergabe an Mittelständler nutzen zwei Drittel der Banken hauptsächlich Branchen- oder Durchschnittswerte. Mit Blick auf das Risikomanagement sei dies schwierig – es drohe eine Negativauslese, mahnt Sindram. „Wenn ich ein Unternehmen bin mit einem sehr schlechten ESG-Footprint, dann bin ich natürlich froh, wenn ich den Durchschnittswert bekomme“, erklärt er. Wer hingegen über dem Branchendurchschnitt liege, werde benachteiligt. „Das ist aus Risikomanagementgesichtspunkten definitiv nicht die optimale Lösung.“ Im Gespräch berichtet Sindram, wie die Banken versuchen, dieses Datendilemma zu lösen, und welche Perspektive auf Nachhaltigkeit er aus seiner eigenen Zeit im Unternehmensmanagement mitgenommen hat. -
Nachhaltigkeit bei Schwellenländer-Anleihen | Episode 104 13.11.2025 28minAuf Wunsch eines institutionellen Investors, der nachhaltig in ein Staatsanleihen-Portfolio für Industrieländer investieren wollte, hat der Assetmanager Degroof Petercam Asset Management (DPAM) 2007 begonnen, ein ESG-Bewertungstool zu entwickeln. Mittlerweile nutzt DPAM dieses auch für Analysen von Schwellenländer-Anleihen. „Für uns ist das ein Risikothema“, erklärt Deutschland-Chef Thomas Meyer im Podcast „Nachhaltiges Investieren“ der Börsen-Zeitung. Demokratische Werte stehen für den Assetmanager mit 4 Mrd. Euro Assets under Management an erster Stelle. Staaten, die von der Nichtregierungsorganisation Freedom House als autoritär eingestuft werden, seien beispielsweise aus Nachhaltigkeitsperspektive nicht investierbar. „Das hat uns schon in der Vergangenheit vor so manchem Risiko bewahrt“, sagt Meyer. Insgesamt fließen mehr als 50 Datenpunkte in unterschiedlicher Gewichtung in die Analyse ein. Die Datenqualität hat sich in der Breite in den vergangenen Jahren „deutlich verbessert“, beobachtet der DPAM-Deutschland-Chef. Wichtig sei allerdings, auf vertrauenswürdige Quellen zu achten. Daten kommen beispielsweise vom Internationalen Währungsfonds, der Weltbank oder von Indexanbietern. Lücken machen sich in der Einstufung negativ bemerkbar: „Wenn wir gar keine Informationen haben oder veraltete, dann führt das eben dazu, dass der Datenpunkt nicht bewertet wird“, erklärt Meyer. Das Land falle dadurch im Ranking zurück. Abstiege im Ranking haben Folgen für den Anteil der Mittel, die ein Portfoliomanager allokieren darf. So fließen 40% der Mittel in die Länder, die im obersten Quartil einsortiert sind. Der Schwellenländerbegriff ist allerdings weit gefasst. In der Liste findet sich beispielsweise Singapur, das von der Wertschöpfung her höher liege als so manches Industrieland, wie Meyer einräumt. Andere Länder hätten hingegen keine große finanzielle Basis, aber investierten dennoch in ihr Nachhaltigkeitsprofil. Die unterschiedliche Ausgangsbasis will der Assetmanager über einen Trendindikator ausgleichen. „Dieser Trendindikator bewertet die Entwicklung eines Landes in rollierenden Dreijahreszeitraum“, erklärt Meyer. Wenn sich ein schwaches Land in der Nachhaltigkeitsbewertung steigere, dann gebe es einen Bonus obendrauf. Wer hingegen über finanzielle Mittel verfüge, sich aber schlechter entwickle, werde mit Punktabzügen bestraft. Länder, die im Nachhaltigkeitsranking gute Werte erreichen, sind Meyers Beobachtung zufolge in vielen Bereichen ein stabileres Investment. Sie seien widerstandsfähiger bei Umweltkatastrophen, „aber auch was deren demokratisches Setup, die Institutionen angeht“. -
Die Klima-Vorbilder im Dax | Episode 103 30.10.2025 30minDas Climate-Tech-Unternehmen Right° schaut sich in seinem „What if“-Report an, wie stark die Dax-Konzerne zur Erderwärmung beitragen – und zumindest eine Handvoll Vorbilder ist bereits auf gutem Weg, die Vorgaben der Pariser Klimaziele einzuhalten. In den am Donnerstag veröffentlichten Ergebnissen der jüngsten Ausgabe stechen von 34 untersuchten Unternehmen fünf besonders positiv hervor. Sie haben ein Klimaziel definiert, das im Einklang mit den Pariser Klimazielen von „deutlich unter 2 Grad Celsius“ liegt. Und die Datenentwicklung der vergangenen Jahre zeigt, dass sie auf Kurs liegen, dieses Ziel auch zu erreichen. Einige weitere Unternehmen erfüllen zumindest einen der beiden Faktoren. Die Modelle von Right° zeigen, wie stark sich die Erde bis zum Jahr 2100 erwärmen würde, wenn die Welt dieselbe Klimaperformance hätte wie das betrachtete Unternehmen. „Insgesamt nennen wir 21 Unternehmen im „What if“-Report, die in irgendeiner Form greifbaren Fortschritt machen in Richtung Pariser Klimaziele. Und das finde ich schon ganz gut“, sagt Hannah Helmke, CEO von Right°, bei der Einordnung der Ergebnisse im Podcast „Nachhaltiges Investieren“ der Börsen-Zeitung. Die Branchenzugehörigkeit lässt sie als Ausrede für schwächere Klimawerte nicht gelten. Das Modell basiere auf branchenspezifischen Benchmarks: „Die Emissionsreduktionsanforderungen an ein Unternehmen im Energiebereich sind anders als bei einem Unternehmen in der Chemie-Branche.“ Auch die fünf Vorbilder stammen aus unterschiedlichen Bereichen. Helmke war von einem Energieunternehmen positiv überrascht: „Die RWE ist unter den fünf Unternehmen, die sowohl ein Paris-konformes Ziel hat, als auch ihre Wertschöpfung von den Emissionen in Paris-konformem Tempo entkoppelt“, berichtet sie. Auch der Autobauer Porsche erfüllt beide Voraussetzungen, ebenso Siemens Healthineers, Adidas und die Deutsche Börse. Ein Ergebnis bereitet Helmke allerdings Sorgen: Die mittlere Klimawirkung über alle Unternehmen hinweg liegt nun bei 4,3 Grad Celsius, nach 3,7 Grad Celsius im Vorjahr. „Die Lücke zu 1,5 Grad hat sich leider wieder geweitet vom Jahr 2023 auf das Jahr 2024 – da haben wir noch nicht mal den Trump-Effekt drin.“ -
Vom Umgang mit Rüstung, Rohstoffen & Co. | Episode 102 16.10.2025 36minDas Thema Rüstung ist derzeit allgegenwärtig, auch bei Investoren. Die Renditen sind attraktiv. Aber bei nachhaltigen Investments ergibt sich ein Spannungsfeld, sagt Daniel Sailer, Head of Sustainable Investment Office bei Metzler Asset Management, im Podcast „Nachhaltiges Investieren” der Börsen-Zeitung. Er beobachtet, dass Kunden sich intensiv mit der Branche befassen – und mitunter neu darüber nachdenken, welche Auswirkungen ein Ausschluss von Rüstungswerten auf ihr Anlageuniversum hat. „Es gibt Versicherungsunternehmen, die immer Rüstung ausgeschlossen hatten, und sich jetzt im Kontext dieser politischen Veränderungen die Frage gestellt haben: Ist es noch zeitgemäß?“, berichtet Sailer. Hinzu komme der Rendite-Aspekt: „Ist es für mich als Anleger vielleicht sogar meine treuhänderische Pflicht, Rüstung aufzunehmen?“ Wichtig sei es, die quantitativen Effekte in der Kapitalanlage zu ermitteln. „Das hat dann doch der eine oder andere schon stark unterschätzt“, beobachtet Sailer. Metzler Asset Management hat sich vor kurzem einem Moratorium im Bereich Tiefseebergbau angeschlossen. Die Technologie zur Rohstoffförderung in der Tiefsee wird von Umweltschützern scharf kritisiert. Erste Tests für Tiefseebergbau habe es bereits vor über 30 Jahren gegeben, die damals genutzten Gebiete hätten sich aber seither nicht erholt, erklärt Sailer. Wird es Kunden nicht irgendwann zu viel, wenn man von ihnen verlangt, sich nun auch noch mit Tiefseebergbau zu befassen? „Ja, die Reaktion ist verständlich. Die habe ich auch schon bekommen“, räumt Sailer ein. Das Thema ist aus seiner Sicht aber besonders wichtig, gerade weil es noch nicht so bekannt ist. Es sei „von dramatischer Bedeutung“.
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