Draussen mit Claussen: ein RefLab-Podcast
Johann Hinrich Claussen
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Die Kultur der Gegenwart ist voller Religion – ob es einem gefällt oder nicht. Das schafft Anlässe, mit ganz unterschiedlichen Menschen ins Gespräch zu kommen. Es geht um überraschende kulturelle Entwicklungen, neue Kunstwerke oder aktuelle Konflikte. Statt eines journalistischen Frage-Antwort-Spiels versteht sich der Podcast als gemeinsames, ernsthaft-unterhaltsames Nachdenken. Alle zwei Wochen spricht Johann Hinrich Claussen mit einem anderen Gast.
Episode
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Manuel Schmid: Absolute Autorität – in Theologie und Politik 11.09.2026 1j 5mntDer globale Rechtsruck hat viele Ursachen. Häufig wird übersehen, dass es auch theologische Faktoren gibt, die eine grosse Rolle spielen. Manuel Schmid hat ein besonders interessantes, hierzulande kaum bekanntes Beispiel untersucht. Der Neu-Calvinismus hat im Kampf gegen liberale Tendenzen im evangelikalen Lager eine theologische Neuausrichtung durchgesetzt. Ihr Kernmotiv ist ein radikalisierter Gottesgedanke: Gott ist absolute Autorität, im strengen Sinne allwissend und allmächtig, immer mit sich eins, über jeden Zweifel erhaben. Zwischen einem theologischen Gedanken und einer politischen Haltung gibt es nicht immer einen eindeutigen Zusammenhang. Hier sollte man sich vor Kurzschlüssen hüten. Aber eine Theologie, die auf der absoluten Autorität Gottes (und der Bibel) aufruht, verbunden mit einer höchst repressiven Theologie- und Kirchenkultur, fördert die Tendenz, auch in gesellschaftlichen und politischen Fragen rechtsextreme Optionen zu wählen. In dem sehr lesenswerten, gerade erschienenen Band «Christlicher Nationalismus in den USA» (hg. von Thorsten Dietz und Maria Hinsenkamp) hat Manuel Schmid einen wirklich Augen öffnenden Beitrag veröffentlich, über den ich mit ihm in Zürich gesprochen habe. -
Andreas Kubik: Religionsunterricht – das kann sehr gut werden 28.08.2026 52mntPünktlich zum Ende der Sommerferien geht es um ein Thema, das man für nicht so bedeutsam halten könnte, das aber über für das Verhältnis von Staat und Kirche sowie überhaupt für die heutige Religionskultur eine immense Bedeutung besitzt, nämlich den Religionsunterricht. Hier ist sehr viel in Bewegung, neues Modelle werden eingeführt, alte Abgrenzungen zwischen Konfessionen und Religionen fallen, viele kleine Experimente werden gewagt. Ein exzellenter Kenner ist Andreas Kubik, Professor für Religionspädagogik in Osnabrück. Er erklärt, was sich in Deutschland in Sachen Religionsunterricht tut – mit einem vergleichenden Blick in die Schweiz. Er beschreibt zudem, warum der Religionsunterricht so bedeutsam sein kann – für Kinder und Jugendliche sowie für die Lehrkräfte. Hier zeigt sich, was Religionsfreiheit im positiven Sinne sein kann. -
In Verbundenheit leben 17.07.2026 1j 21mntIm Juni fand in Zürich das KIN-Festival (https://kinshipfestival.ch/) mit grossem Erfolg statt. Es verband Kunst und Engagement. Feministische Stimmen kamen zu Wort, Fragen von Menschen mit Behinderung wurden diskutiert. Reflab war am Festival beteiligt. Ein Begriff, der sich durch viele der künstlerischen und diskursiven Aktionen zog, war «Verbundenheit». Wie können wir miteinander und nicht nur gegeneinander leben: als Menschen mit unterschiedlichen Herkünften, Prägungen und Positionen, überhaupt als Menschen in dieser Welt? Darüber hat Marah Rickli, die Leiterin des KIN-Festivals, ein Podiumsgespräch geführt. Ich hatte vor einigen Wochen einen Podcast über «Behindert sein, behindert werden» aufgenommen. (https://www.reflab.ch/marah-rikli-eine-behinderung-haben-behindert-werden/) Hier kommt nun als summer special ihr Gespräch mit Geneva Moser, Hannan Salamat und Ivna Žic über die Verbundenheiten des Lebens. Bei dieser Folge handelt es sich um eine Live-Aufnahme, was sich gelegentlich in der Audioqualität widerspiegeln kann. -
Janna Horstmann: Einfach mal über den Gottesdienst reden 03.07.2026 52mntDer Gottesdienst ist für viele Menschen ein unbekannter Kontinent, wenn nicht eine ferne Galaxie. Geht da überhaupt jemand hin, findet das noch statt? So denken manche, die die Kirche nur aus schlechten Nachrichten kennen. Wer aber eigene Erfahrungen gemacht hat (oder machen möchte), findet im Gottesdienst vieles, worüber sich gemeinsam nachzudenken lohnt. Da ich beim Reflab-Festival im vergangenen Sommer einen schönen «So etwas wie Gottesdienst» mit Janna erlebt habe, wollte ich mit ihr einmal über ihre (und meine) Erfahrungen und Überlegungen rund um den Gottesdienst sprechen. Was ist uns wichtig? Was möchten wir gestalten – und wie? Mit wem und für wen suchen wir nach einer Begegnung mit Gott und geistlichen Inspirationen für unser Leben? -
Thomas Medicus: Literatur als „Werk der Barmherzigkeit“? 19.06.2026 59mntDer Schriftsteller Thomas Medicus hat ein außergewöhnliches Buch geschrieben. Es trägt den Titel „Vaterlos“ und wird von ihm als „Tatsachenroman“ bezeichnet. Darin erzählt Medicus vom Suizid seines Vaters und den Folgen für seine Familie. Lange konnte er sich mit diesen einschneidenden Ereignis seiner Jugend nicht auseinandersetzen. Zu groß waren der Schrecken und die Scham. Nun hat er nach vielen Wegen und Umwegen eine Form gefunden, das Schweigen zu beenden und diese Geschichte zu erzählen. Das eröffnet Wege zum Verstehen dessen, was doch ganz unverständlich ist. So kam ihm der ferne, früh verlorene Vater sehr nah. Aber auch die tief verletzte Mutter konnte er nun besser verstehen. Vor kurzem hat Thomas Medicus in der Berliner St. Matthäuskirche eine beeindruckende Kanzelrede über die Barmherzigkeit gehalten. Wir sprechen darüber, wie man dieses alte, kostbare Wort verstehen und für die Gegenwart aufschlüsseln kann, was sie mit der bildenden Kunst, der Literatur und dem Glauben zu tun hat. Und wir sprechen darüber, inwiefern sein jüngstes Buch ein „geistliches Werk der Barmherzigkeit“ darstellt. -
Marah Rikli: eine Behinderung haben – behindert werden 05.06.2026 58mntVom 11. bis zum 27. Juni findet in Zürich etwas Besonderes statt: das KIN Festival. Ein Thema beschäftigt Gesamtleiterin Marah Rikli dabei besonders: das Leben mit Behinderung. Sie ist Autorin, Kuratorin und Aktivistin sowie Mutter eines Kindes mit einer kognitiven Entwicklungsstörung. Sie weiss aus eigenem Erleben, was es bedeutet, eine Behinderung zu haben, aber auch was es heisst, behindert zu werden – durch die Ausgrenzung von anderen. Aber Behindertenrechte sind Menschenrechte, und Menschenrechte gehen alle an, auch diejenigen, die meinen, nicht oder noch nicht betroffen zu sein. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich für Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen einiges verbessert. Aber diese Fortschritte bedroht – durch Kosten-Debatten und durch Angriffe von rechts aussen. Deshalb ist es wichtig, sich politisch für Behindertenrechte einzusetzen. Eine Grundlage dafür ist ein Menschenbild, das Vielfalt zulässt und begrüsst. Es ist also auch notwendig, neue und bessere Menschen-Bilder zu malen. Was die Kunst dazu beiträgt, darüber kann Marah Rikli begeisternd erzählen. Das hat bei mir so einige theologischen Assoziationen ausgelöst. Das RefLab ist Partnerin des KIN-Festivals, insbesondere für ein Podiumsgespräch: Verbundenheit in Gesellschaft, Kultur- und Glaubensräumen: Gemeinsam sprechen die Autorin Ivna Žic, Geneva Moser (Co-Redaktionsleiterin der Zeitschrift «Neue Wege») und Hannan Salamat. Fr, 19. Juni 2026, 19-20.10 Uhr. Mehr Infos zum KIN-Festival: https://kinshipfestival.ch/ -
Jakob Johannes Koch: Warum nimmt der «Kirchen-Vandalismus» zu? 22.05.2026 44mntSeit etwa zehn Jahren hört und liest man über immer mehr – und immer krassere – Fälle von Vandalismus in Kirchen. Aber dies ist ein Thema, das sich nicht leicht fassen lässt. Man erfährt nur gelegentlich in vermischten Kurzmeldungen davon – so, als ob es sich um Einzelfälle handelte. Dabei gibt es Muster – bei Diebstählen, Beschädigungen und Schändungen. Sie zeigen, dass hier um mehr als «Sachbeschädigung» geht. Diese Angriffe sind für die betroffenen Kirchengemeinden und Ortschaften sehr verletzend. Deshalb kann man in einigen Fällen durchaus von «hate crime» sprechen. Aber sie sind mit den Mitteln des Rechtsstaats schwer aufzuklären und zu bestrafen. Zudem gibt es interessierte Gruppen, die solche Fälle massiv skandalisieren – nicht immer aus lauteren Motiven. Sie schreien einen antichristlichen Kulturkampf herbei. Gerade deshalb ist es gut, sich dieses Thema genauer anzuschauen und sachlich zu beurteilen. Was ist dran am neuen Kirchen-Vandalismus? Jakob Johannes Koch, Kulturreferent im Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz in Bonn, beobachtet den zunehmenden Kirchen-Vandalismus seit längerem und hat dazu sehr hilfreiche Artikel publiziert. Wie kaum ein anderer im deutschsprachigen Raum kann er erklären, worum es geht und was zu tun ist. -
Markus Witte: Warum eine Geschichte der Bibel unmöglich ist 08.05.2026 54mntRegelmässig lade ich Menschen in meinen Podcast ein, die gerade ein Buch veröffentlicht haben. Dieses Mal mache ich es anders: Ich habe einen Gast bei mir, der gerade an einem Buch arbeitet, das sehr interessant werden dürfte – nur muss er sich eingestehen, dass dieses Buch eigentlich gar nicht möglich ist. Markus Witte lehrt Altes Testament an der Fakultät für Evangelischen Theologie an Humboldt Universität Berlin. Er möchte eine Literaturgeschichte des Alten Testaments schreiben. Doch das dürfte kaum mehr möglich sein. Denn in der alttestamentlichen Forschung hat sich ein radikal neues Bild von der Entstehung der Bibel durchgesetzt: Es gab keine «Autoren», vielmehr haben «Redaktionen» in immer neuen Anläufen, Neudeutungen und Umschreibung das geschaffen, was nun als Buch vor uns liegt. In meinem Studium hatte ich es noch ganz anders gelernt. Es hat in der alttestamentliche Forschung eine regelrechte Revolution stattgefunden – allerdings, ohne dass die breite Öffentlichkeit das mitbekommen hätte. Welche Folgen hat sie für unser Verständnis des Alten Israel, für unser Verhältnis zur Bibel, für unseren Glauben. -
Christopher Spatz: Kinder im Krieg 24.04.2026 57mntEs ist Krieg, in vielen Regionen der Erde. Besonders Kinder haben darunter zu leiden. Was erleben sie? Und welche Folgen wird dies für ihr späteres Leben haben? Eine Geschichte aus dem Zweiten Weltkrieg gibt eine Ahnung davon, was auf Kinder in der Ukraine, im Iran, in Gaza, Israel, im Libanon oder Sudan zukommen kann. Gerade hat die Gesellschaft für bedrohte Völker darüber eine Broschüre veröffentlicht. Sie erzählt von den ostpreußischen «Wolfskindern», die nach dem Zusammenbruch des Deutschen Reichs allein überleben mussten. Wer sich in ihre Geschichte vertieft, kann besser verstehen, was ein Trauma ist, aber auch was Kindern im Krieg hilft, später ein eigenes Leben aufzubauen. Der Historiker und Autor Christopher Spatz hat über die Wolfskinder geforscht und die sehr erfolgreiche Kampagne der Gesellschaft für bedrohte Völker begleitet. -
Christian Gürtler: Warum wir über Hass im Internet reden müssen 10.04.2026 35mntLangsam fragen sich manche, ob das mit dem Internet wirklich so eine gute Idee war. So viel Hass breitet sich dort aus. Aber was ist Hass eigentlich, und wie gewinnt er eine solche Macht im digitalen Raum? Darüber spreche ich mit Christian Gürtler. Er ist Dozent am Lehrstuhl für Medienkommunikation, Medienethik und digitale Theologie in Erlangen und arbeitet dort an seiner Doktorarbeit. Wir kennen uns von einem gemeinsamen Projekt: «Anstand digital» (https://anstanddigital.de/) – damit wollten wir ein paar Regeln für gute Kommunikation im Netz vorstellen. Das hat sich leider noch nicht vollständig durchgesetzt. Deshalb wollte ich bei Christian Gürtler nachfragen, weil er sich intensiv mit dem Phänomen der digitalen Hassrede, ihrer Dynamik und Gewalt auseinandergesetzt hat. Von ihm wollte ich natürlich auch erfahren, was man tun kann für ein besseres Miteinander im Internet. -
Negar Hakim: Kirchen in der islamischen Welt 27.03.2026 46mntWenig, zu wenig weiss man in Europa von dem christlichen Kulturerbe im Nahen Osten und in Nordafrika. Deshalb habe ich gemeinsam mit Negar Hakim ein Heft der traditionsreichen Zeitschrift «Kunst und Kirche» hierüber gestaltet. Hakim arbeitet als Architekturhistorikerin an der Technischen Universität Wien und stammt aus Isfahan im Iran. Wir sprechen über alte und neue Kirchengebäude in Tunesien, Mauretanien, Ägypten, Katar oder im Libanon oder Iran. Wir sprechen aber auch darüber, wie bedroht diese Schätze sind – in Gaza oder in Syrien. Wir möchten darauf aufmerksam machen, dass diese christliche Kultur an vielen Orten in ihrer Existenz bedroht ist. Ihr Ende wäre auch für uns in Westeuropa ein riesiger Verlust. Wir wollen aber auch einen Eindruck davon vermitteln, wie christliche Gemeinschaften in der islamischen Welt nicht nur überleben, sondern ein beeindruckendes Gemeindeleben entfalten und sich für ihr Gemeinwesen engagieren. Das sollten wir gerade in diesen Kriegszeiten zur Kenntnis nehmen. -
Seher Ünlü: Sind Migrant*innen anders krank? 13.03.2026 46mntWenn ein Mensch in eine Arztpraxis kommt, ist wenig Zeit. Dabei bräuchte man für die Untersuchung und Behandlung besonders von psychischen und psychosomatischen Krankheiten Ruhe, um die Hintergründe der Schmerzen, der Ängste und Traurigkeiten zu verstehen. Das gilt besonders für Menschen mit einer Migrationsgeschichte. Sie sind anders krank als die Einheimischen. Aber wie genau „anders“? Die junge Hausärztin Seher Ünlü hat dies in ihrer medizingeschichtlichen Doktorarbeit („Entstehungskonzepte psychiatrischer und psychosomatischer Krankheitsbilder bei türkischen Arbeitsmigrant*innen in der Bundesrepublik (1970–2000“) erforscht und dabei vieles herausgefunden, was einem die Augen öffnet und uns allen heute für das Zusammenleben mit Migrant*innen wichtig sein sollte. Und zugleich hat sie damit ein bedeutendes Thema ihrer eigenen Biografie und ihre Familiengeschichte bearbeitet. -
Philine Claussen: Stricken als Lebenskunst 27.02.2026 37mntEs ist nicht zu übersehen: Das Stricken erlebt eine Renaissance. Mit der Corona-Pandemie hat es für viele angefangen. Sie wollten die leere Zeit sinnvoll verbringen. Heute ist es ein gutes Mittel gegen übermäßigen Handy-Konsum und die Anstrengungen der alltäglichen Unruhe. Es ist eine ganz einfache Tätigkeit, zugleich aber kann man Stricken als Ausdruck einer modernen Lebenskunst verstehen. Sie setzt sich ab von Arbeitsstress und Konsumgier, genießt ein ruhiges Tun, hat gar nichts gegen viele Wiederholungen einzuwenden, teilt diese Freude mit anderen und ist dabei ganz bei sich. So ist Stricken das Symbol eines nicht mehr entfremdeten Lebens. Man kann sich sogar fragen, ob im Stricken nicht auch ein spirituelles Element steckt. -
Klaus Mertes: gut-katholisch oder rechts-katholisch? 13.02.2026 55mntIn den USA wurde es zuerst beobachtet: Seit einigen Jahren wenden sich junge Menschen (besonders junge, intellektuelle Männer) einer besonderen Spielart des Katholischen zu, nämlich einem entschieden konservativen Katholizismus. Wie ist das zu verstehen? Was zieht junge Menschen, die häufig nicht religiös aufgewachsen oder evangelikal geprägt sind, zur alten lateinischen Messe, zu autoritären Vorstellungen von Ordnung, zu einem christlichen Nationalismus und rechts-religiösen Aktivismus? Pater Klaus Mertes beobachtet diese Tendenz – nicht nur in den USA, sondern auch in Spanien und Frankreich sowie im deutschsprachigen Raum. Pater Mertes hat deutsche Kirchengeschichte mitgeschrieben: Von 2000 bis 2011 war er Rektor des Jesuitengymnasiums Canisius-Kolleg Berlin, dort wirkte er Anfang 2010 maßgeblich an der Aufdeckung sexualisierter Gewalt gegen Schüler mit und brachte damit die Aufarbeitung von Missbrauch in der katholischen Kirche in Gang – mit erheblichen Folgen auch für die evangelische Kirche. Als Theologe und Autor analysiert und kommentiert er theologische und politische Entwicklungen im weltweiten Katholizismus. Genau beobachtet er, was der US-amerikanische Vizepräsident J. D. Vance, der Investor Peter Thiel und rechtskatholische Intellektuelle propagieren. Dem versucht er das entgegenzustellen, was für ihn gute katholische Ressourcen sind: theologisches Nachdenken, politische Wachsamkeit und nicht zuletzt eine lebendige Frömmigkeit. -
Stephan Lehnstaedt: Jüdischer Widerstand 30.01.2026 53mntUmfassend ist zur Shoa geforscht worden. Doch jetzt ist ein Buch erschienen, das viele überraschen wird. In «Der vergessene Widerstand» erzählt der Berliner Historiker Stephan Lehnstaedt, wie viele jüdische Männer und Frauen sich gegen den NS-Terror gewehrt haben. Auf sehr unterschiedliche Weise: mit Waffen, im KZ, auf der Flucht, in Verstecken, mit geistigen Mitteln, durch Dokumentation des Unrechts. Das widerspricht dem Klischee, wonach die meisten Juden ihr gewaltsames Ende wehrlos erduldet hätten. Lehnstaedt erzählt von großem Mut und überwältigender Menschlichkeit, aber auch von moralischen Dilemmata und tragischer Vergeblichkeit. Er verändert den Blick auf die Geschichte des europäischen Judentums und provoziert viele neue Fragen. Zum Beispiel: Wie hat diese bislang verdrängte Widerstandsgeschichte nach 1948 die Menschen und die Politik in Israel geprägt? Und was sagt sie uns heute? -
Julia Voss: Natur zwischen Glaube und Macht 16.01.2026 58mntVon «der Natur» ist oft die Rede, ohne dass dabei immer klar wäre, was damit genau gemeint sein soll. Wir leben von ihr, lieben sie, erleben uns selbst in ihr, machen uns Sorgen um sie, sind weit von ihr entfernt. «Natur» hat zudem häufiger, als man gemeinhin denkt, eine religiöse Seite. Wir staunen über die Schöpfung, empfinden Ehrfurcht vor ihrer Größe, sind dankbar für ihre Gaben, fühlen uns verpflichtet, Verantwortung für sie zu übernehmen. Die Kunsthistorikerin Julia Voss hat nun im Deutschen Historischen Museum zu Berlin die sehr sehenswerte Ausstellung «Natur und deutsche Geschichte. Glaube – Biologie – Macht» eingerichtet. Mit ihr spreche ich darüber, wie unser heutiges Verständnis von Natur entstanden ist und sich über die Jahrhunderte entwickelt hat. Wir schauen auf die wechselnden politischen Funktionen «der Natur» und ihre religiösen Bedeutungen. Das ist nicht nur geschichtlich interessant, sondern auch für die Gegenwart bedeutsam, denn wir nur das schützen und bewahren, was wir verstehen. Deutsches Historisches Museum: https://www.dhm.de/ -
Johanna Haberer: Weihnachten und der leere Stuhl 19.12.2025 41mntÜber Weihnachten unterhalten sich theologische Fachleute erstaunlich selten. Dabei gibt das beliebteste christliche Fest immer noch viel zu denken. Johanna Haberer – ehemalige Professorin für christliche Publizistik, überaus beliebte Podcasterin («Unter Pfarrerstöchtern») und jetzt auch Pastorin in einer norddeutschen Kleinstadt – hat viel über Weihnachten, seinen Sinn und seine besondere Freude zu erzählen. Wir unterhalten uns darüber, wie und mit wem sie feiert, welche Rolle Kindheitserfahrungen spielen, was von der spätmodernen und zum Teil nachchristlichen Weihnachtsspiritualität zu halten ist und worüber sie in diesem Jahr predigen wird. Weihnachten ist für sie eine «andere Zeit», in der das schlechtgelaunte, faule Krisenklagen eine Pause macht und eine überraschende Freude frei Fahrt bekommt. So erklärt sich, warum Johanna Haberer zu Hause an der langen Tafel einen Stuhl frei lassen und eben diesen unbesetzten Sitzplatz ins Zentrum ihrer Weihnachtspredigt stellen wird. -
Martin Fritz: Was ist christlicher Nationalismus? 05.12.2025 56mntDie Gefahr von rechts ist höchst real. Allerdings gibt es in diesem Feld viel Bewegung und erhebliche Unterschiede. Deshalb ist es wichtig, genauer hinzusehen und präziser zu beschreiben. Nur so kann man die Urteilssicherheit gewinnen, die die Grundlage für das eigene demokratische Engagement ist. Martin Fritz von der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen in Berlin ist ein Kenner dessen, was man grob als «rechts» oder «rechtsextrem» bezeichnen würde. Aber er gibt sich mit solchen Etikettierungen nicht zufrieden, sondern sucht nach passenden Begriffen und bemüht sich um zielsichere Analysen. Mit ihm sprechen ich über christlichen Nationalismus. Dafür blicken wir auf den Fall von Charles Kirk – seine Person, seine Politik, seine Ermordung und schliesslich deren Instrumentalisierung – zurück. Viel wurde darüber schon geschrieben und gesendet, aber mit etwas Abstand kann man einiges klarer sehen, einordnen und beurteilen. Zum Beispiel die Frage, ob solch ein christlicher Nationalismus auch im deutschsprachigen Raum eine politische und religiöse Chance hat. -
Lars Castellucci: #wird gut 21.11.2025 33mntWenn es um Politik geht, treffen gegensätzliche, erregte Meinungen aufeinander. Aber was steht hinter diesen Meinungen? In der Seelsorge fragt man: Was ist das Thema im Thema? Das sollte man auch in der Politik häufiger tun. Dann würde man erkennen, dass unter der Meinungsoberfläche bestimmte Gefühle und Erfahrungen liegen, um die es eigentlich gehen sollte. Zum Beispiel Einsamkeit, Abgehängt-sein, Nicht-gehört-werden, Sich-übergangen-fühlen, Keine-Hoffnung-haben. Daraus kann Wut werden und daraus eine zerstörerische Politik. Der Bundestagsabgeordnete Lars Castellucci möchte dagegen etwas tun. Deshalb sammelt er Menschen mit unterschiedlicher politischer Ausrichtung und aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen, um unter «#wirdgut» Gegenerfahrungen des Gelingens und Fortschreitens zu teilen. Er will das Feld nicht denen überlassen, die schlechte Laune schieben oder den Unmut anderer ausbeuten. Lieber zeigt er Wege aus der Einsamkeit, die eben auch zu einem politischen Problem werden kann. Damit steht er zum Glück nicht allein, wie unsere RefLab-Kollegin Janna Horstmann beweist, die demnächst eine ganze Staffel ihres Psychologie-Podcasts «I Feel You» dem Thema Einsamkeit widmet. -
Matthias Glaubrecht: Die Fülle des Lebens schützen, betrachten und achten 24.10.2025 50mntAlle (zumindest viele) reden vom Klimawandel, aber viel zu wenige vom Artensterben. Beides hängt miteinander zusammen, ist aber nicht dasselbe. Der Verlust an biologischer Vielfalt wird weniger durch die Erderwärmung verursacht als durch die übermäßige Nutzung von Land und Wasser durch den Menschen. Der Hamburger Biologe und Museumsleiter Matthias Glaubrecht hat darüber ein erhellendes und aufrüttelndes Buch veröffentlicht («Das stille Sterben der Natur. Wie wir die Artenvielfalt und uns selbst retten»). Mit ihm spreche ich über diese Gefahr und mögliche politische und ökologische Antworten. Wir sprechen aber auch darüber, dass es notwendig ist, dass wir Menschen die Welt um uns herum (und uns in ihr) anders betrachten, dass wir den Wert und die Würde anderer Lebewesen erkennen und respektieren. Das ist eine ökologische und politische, sogar juristische Aufgabe («Hat nur der Mensch oder hat auch die Natur Rechte? »). Es ist zudem eine persönliche, künstlerische und auch religiöse Frage. Denn viel hängt davon ab, wie wir die Welt/die Natur/den Kosmos/die Schöpfung betrachten. Was kann man dazu aus der christlichen Tradition oder von indigenen Religionen lernen?
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